Armut Leben mit Hartz IV nach den Corona-Einschränkungen

Viele einkommensschwache Familien haben während des Lockdowns mehr Geld ausgeben müssen: Tafeln hatten geschlossen, das günstige Schulessen fiel wegen der Schließungen weg. Einige spüren die finanziellen Belastungen auch jetzt noch.

Nun geht er doch wieder zur Tafel in Gera. Jahrelang hatte Ralf Finke diese gemieden. Er lebt mit Unterbrechungen seit 2015 von Hartz IV, das Geld war häufig knapp. Aufgrund der Corona-Krise sieht er sich gezwungen, wieder zu dieser Lebensmittel-Ausgabe zu gehen. "Da sinkt bei mir auch die Hemmschwelle", sagt der 59-Jährige.

Viele bei der Tafel in Gera haben den Eindruck, dass Lebensmittel immer teuer werden. Die Zahl der Bedürftigen in ganz Mitteldeutschland steigt – wie auch in der Stadt in Thüringen. "Durch Corona und die Kurzarbeit haben wir 100 Leute mehr", sagt die Tafelchefin in Gera, Giselda Schädlich. Die Geraer Tafel hatte auch zu Corona-Hochzeiten geöffnet, der Andrang war groß. Jetzt melden sich auch Studenten und Familien an. 2,50 Euro zahlen Erwachsene dort pro Einkauf.

Für Hartz IV-Familien wird es immer schwerer

Für Ralf Finke, seine Frau und die beiden Kinder wurde es in den vergangenen Monaten immer schwerer. Durch den Lockdown ist für die zwei Söhne auch das kostengünstige Schulessen weggefallen. Die Familie musste mehr einkaufen als sonst.

Sie wohnen im Plattenbauviertel Gera-Lusan. Es ist der größte und gleichzeitig ärmste Stadtteil Geras – dort leben besonders viele einkommensschwache Familien. Ralf Finkes Ehefrau Stefanie arbeitet im Viertel in einem Second-Hand-Laden, der hauptsächlich von Ehrenamtlichen geführt wird. Ihre halbe Stelle wurde vom Jobcenter gefördert, sie verdient sich so etwas zum Hartz IV dazu.

Die Ausgaben sind gestiegen

Doch da auch dieser Laden in den vergangenen Wochen zu hatte und so keine Kunden kamen, muss dass Geschäft vorrübergehend schließen. Zudem wurde die Förderung für die halbe Stelle von Stefanie Finke gestrichen. "Ich bin schon niedergeknickt, auch weil ich mein Herzblut in den Laden gesteckt habe", sagt Stefanie Finke.

Doch auch in der Haushaltskasse wird das Geld fehlen. "Wir haben ab nächstem Monat 270 Euro weniger als jetzt", sagt Ralf Finke. Die Mehrwertsteuersenkung ist für sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Leben mit Hartz IV nach Corona – für die Finkes heißt das: höhere Ausgaben und der Gang zurück zur Tafel. Stefanie Finke hofft, dass sie bald wieder einen Job findet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 01. Juli 2020 | 20:15 Uhr

3 Kommentare

Heimatloser vor 20 Wochen

@THOMAS H,
meine volle Zustimmung.
"Die Würde des Menschen ist nicht gleichermaßen unantastbar für alle Menschen in Deutschland".
Bleiben Sie gesund.
Guten Abend

THOMAS H vor 20 Wochen

Die Einkommensschwachen Familien sind doch nur, durch die Stärkung des Niedriglohnsektors entstanden, bei welchem schon das tägliche Überleben ein Kampf ist und dann die Altersarmut vorangetrieben wird. Erst wenn Alle begreifen, daß der Niedriglohnsektor die reinste Ausbeutung von Menschen darstellt und nur die Anhebung des Mindestlohns Veränderungen bringen wird, kann sich auch etwas in Bezug Einkommensschwacher Familien ändern.
Wie hoch der Bruttomonatslohn sein müsste, um einen Rentenpunkt zu erzielen, können AN aus der jährlichen Renteninformation entnehmen. Auf Seite 2 meiner Information vom 01.07.2020 steht: "IHREM RENTENKONTO SCHREIBEN WIR EINEN ENTGELTPUNKT GUT, WENN SIE EIN JAHR LANG GENAU DEN DURCHSCHNITTSVERDIENST ALLER VERSICHERTEN (ZUR ZEIT 40.551 €) ERZIELT HABEN."
Dies sind 3379,25 € im Monat, so daß sich nun Alle selbst ausrechnen können, ob sie jemals einen Renten(Entgelt-)punkt erzielen.

H.E. vor 20 Wochen

Ich finde es sehr gut, daß noch gut erhaltene Lebensmittel, die nicht mehr in Geschäften verkäuflich sind, aufgrund der Tafel-Einrichtungen an bedürftige Bürger noch weitergegeben werden.
Auf der anderen Seite finde ich es eine absolute Schande, daß es so etwas in Deutschland geben muß. Unser Staat hat einen hohen Steuersatz und nimmt viel Geld ein, aber für wen? Anscheinend für jedermann und Krethi und Plethi, die uns nichts angehen.

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