13. Februar 1945 Die Bombennacht von Dresden – Zeitzeugen erinnern sich

Am 13. Februar vor 75 Jahren wird Dresden von den alliierten Streitkräften aus der Luft angegriffen. Schätzungsweise 25.000 Menschen kommen bei den Bombardierungen am 13. und 14. Februar ums Leben.

von Mattis Kießig

Dresden nach dem Luftangriff vom 13. Februar 1945 Zerstörung Bombardierung Zweiter Weltkrieg
Dresden nach dem Luftangriff vom 13. Februar 1945 Bildrechte: IMAGO

Werner Hanitzsch ist im Februar 1945 16 Jahre alt. Sein Vater und sein Bruder sind im Krieg an der Ostfront, auch der 16-Jährige will das Land im Krieg unterstützen und meldet sich am 13. Februar freiwillig beim Deutschen Roten Kreuz, um den Flüchtlingen am Dresdner Hauptbahnhof zu helfen.

Als freiwilliger Helfer im Hauptbahnhof

Werner Hanitzsch schaut in die Kamera
Der 91-jährige Werner Hanitzsch erlebte als Jugendlicher den Bombenangriff in Dresden. Bildrechte: MDR/Mattis Kießig

In den Zügen soll der junge Dresdner eigentlich Essen und Getränke verteilen. Doch als die Sirenen losheulen und eine Panik auf den Bahnsteigen ausbricht, geht es für ihn nur noch darum, möglichst viele Menschen zu retten. Er führt die Flüchtlinge in den Luftschutzkeller des Hauptbahnhofs und findet in einem verlassenen Zugabteil ein zurückgelassenes Mädchen, das er in den Keller trägt. In den Hauptbahnhof schlagen derweil die Bomben ein.

Ich bin dann in letzter Sekunde von dem Bahnsteig in den Keller.

Werner Hanitzsch, Zeitzeuge

Plötzlich mitten im Krieg

Nachdem die erste Angriffswelle vorüber ist, muss der freiwillige Helfer Werner Hanitzsch Verwundete versorgen und Tote bergen. Weil die Rettungswagen auf sich warten lassen, läuft der 16-Jährige vor den Hauptbahnhof und sieht dort das Ausmaß des Bombenangriffs:

Da stand die Prager Straße in Flammen, die Straßen waren voll mit dem Schutt zerstörter Häuser. Und da war mir mit einem Schlag klar, hier kann überhaupt keine Hilfe kommen. Es können keine Rettungskräfte den Hauptbahnhof erreichen, weil die Straßen waren überhaupt nicht mehr befahrbar.

Werner Hanitzsch, Zeitzeuge

Der Feuersturm

Der junge Mann ist wie paralysiert, der so ferne Krieg ist auf einmal mitten in seinem Leben angekommen. Noch während Werner Hanitzsch über die Geschehnisse nachdenkt, heulen die verbliebenen funktionstüchtigen Sirenen erneut los. Es folgt die zweite, noch schwerere Angriffswelle auf Dresden und für Werner Hanitzsch beginnt der Kampfs ums Überleben in der Bombennacht von Dresden.

Was so ein Riesenfeuer für einen Krach macht und was das an Sauerstoff verbraucht und was da für ein Sog entsteht. Denn die brennende Sache saugt ja Sauerstoff an. Und dieses Ansaugen des Sauerstoffs empfindet man als Sturm, als Feuersturm.

Werner Hanitzsch, Zeitzeuge

Werner Hanitzsch übersteht die zweite Angriffswelle mit Glück in einem Luftschutzkeller nahe dem Hauptbahnhof und den Feuersturm auf einem Platz in der Nähe. So überlebt er die Nacht und kann heute als 91-Jähriger von seinen Erlebnissen berichten.

Zeitzeugen im Podcast

Foto des kriegszerstörten Dresden
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Podcast "Lebensretter – Die Bombennacht von Dresden" porträtiert Zeitzeugen der Ereignisse am 13. und 14. Februar 1945. Werner Hanitzsch, Myriam Schütze und Anita John berichten von ihren Erlebnissen und wie die Bombardierung ihre Leben bis heute beeinflusst. Alle vereint der Wunsch nach Versöhnung und Frieden.

Lebensretter - Die Bombennacht von Dresden

Nachrichten

Werner Hanitzsch schaut in die Kamera
Bildrechte: MDR/Mattis Kießig

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Myriam Schütze schaut in die Kamera
Bildrechte: MDR/Mattis Kießig
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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensretter | 13. Februar 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 05:00 Uhr