Leonora steht mit schwarzem Kopftuch an einer Autotür in der Wüste
Bildrechte: AFP

IS-Rückkehrer Leonora – wie ein Vater seine Tochter an den IS verlor

2015 ging die damals 15-jährige Leonora Messing aus Breitenbach bei Sangerhausen zum Islamischen Staat. Zurück ließ sie eine ratlose Familie, die seit vier Jahren im Ausnahmezustand lebt. Vier Jahre lang hat der Journalist Volkmar Kabisch ihren Vater Maik mit der Kamera begleitet.

Leonora steht mit schwarzem Kopftuch an einer Autotür in der Wüste
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Leonora war ein ganz normaler Teenager. Sie  war eine gute Schülerin, las ehrenamtlich alten Menschen im Seniorenheim vor, war Funkenmariechen im Karnevalsverein und betrieb einen Youtube-Kanal mit Schminktipps. Doch komplett unbemerkt von ihrer Familie wurde Leonora zur Dschihadistin. Heimlich posierte sie in langen schwarzen Gewändern und Gesichtsschleier, vertraute sich ihrem Tagebuch an, dass sie zum Islam konvertiert sei und heiraten wolle.

Du bist so jeglicher Illusionen beraubt. Dein eigenes Kind geht lieber zu Terroristen als bei dir zu sein. Und findet das auch noch cool.

Maik Messing

Flucht nach Syrien

Im März 2015 verschwindet sie, heiratet den aus Zeitz stammenden IS-Kämpfer Martin Lemke. Lemke nennt sich "Nihad Abu Yasir" und gehört offenbar zur berüchtigten IS-Miliz. Ein Rückkehrer wird über ihn sagen, der habe nicht gefoltert, sondern foltern lassen. Leonora führt ein privilegiertes Leben im IS-Staat. Ist eine von „Nihads“ drei Frauen. Später wird die heute 19-Jährige zwei Kinder von ihm bekommen.

Islam war Trend. Man hat gemerkt in Deutschland konvertieren viele zum Islam, in Großbritannien. Und dann im Facebook bin ich in eine Gruppe herein geraten. Vielleicht lag es an meinem Alter, dass ich so ein bisschen Revolution machen wollte.

Leonora Messing

Jahre im Ausnahmezustand

Maik Messing hat in all den Jahren immer wieder Kontakt zu seiner Tochter gehabt, hat immer wieder versucht, die Rückkehrwillige nach Hause zu holen. Messing lebte jahrelang an der Grenze der Belastbarkeit. Er hat sich mit Schleusern getroffen, wurde erpresst, hat gewartet und gehofft …

Seit dem Niedergang des "Islamischen Staats" leben Leonora und ihre beiden kleinen Töchter in einem kurdischen Gefangenenlager im Norden Syriens. Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen sie, denn noch ist nicht klar, welche Rolle sie wirklich im IS spielte und inwiefern sie sich selbst schuldig gemacht hat.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - die Story | 25. September 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 12:30 Uhr

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