Mietmarkt Jeder dritte Wohnungssuchende mit Migrationshintergrund erlebt Diskriminierung

Paul oder Hassan? Aysun oder Sabine? Im Zweifel entscheiden sich viele Vermieter für die Bewerber mit dem deutschen Namen. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt ist ein bekanntes Problem. Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle hat nun festgestellt, wie verbreitet sie tatsächlich ist.

Ein Mann in einem Gebäude der Universität Stuttgart (Baden-Württemberg) vor einem Schwarzen Brett, auf dem unter anderem Annoncen zur Wohnungssuche angebracht sind.
Bezahlbare Wohnungen zu finden, ist schwer, insbesondere für Zugewanderte. Bildrechte: dpa

Jeder dritte Wohnungssuchende mit Migrationshintergrund hat schon einmal rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt erlebt. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

35 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund berichteten von Diskriminierungserfahrungen aus rassistischen Gründen, wegen der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder der Herkunft aus einem anderen Land.

Ein Fünftel aus dieser Gruppe gab an, eine Immobilienanzeige gelesen zu haben, die bestimmte Personengruppen ausschloss. Acht Prozent erlebten Diskriminierung aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit oder ihrer Weltanschauung. Mehr als jeder Zehnte wurde demnach bei der Wohnungssuche beleidigt oder beschimpft.

Vorurteile in Gesellschaft sind groß

Die Studie fragte zudem alle Teilnehmer, auch diejenigen, ohne Migrationshintergrund und die in den letzten zehn Jahren nicht auf Wohnungssuche waren, nach ihren persönlichen Einstellungen gegenüber eingewanderten Personen als potenzielle Nachbarn oder Mieter. Hier zeigt sich, dass die Vorbehalte gegenüber Einwanderern zunehmen, je näher die Situation in die Privatsphäre hineinreicht.

So hätten 29 Prozent der Befragten sehr große oder große Bedenken, wenn in die Nachbarwohnung oder das Nachbarhaus eine Person einziehen würde, die nach Deutschland eingewandert sei. Die Vorstellung, eine Wohnung, die der befragten Person selbst gehört, an eine eingewanderte Person zu vermieten, sorgt bei 41 Prozent der Befragten für Bedenken.

Diskriminierung ist illegal

"Oft reicht schon ein fremd klingender Name aus, um gar nicht erst zur Wohnungsbesichtigung eingeladen zu werden", sagte Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Dabei sei Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt gesetzlich verboten.

Hintergrund zur Studie Die Ergebnisse basieren auf einer computergestützten telefonischen Befragung (CATI) von 1.041 deutschsprachigen Personen ab 16 Jahren in Privathaushalten in Deutschland. Die Auswahl der Zielpersonen erfolgte auf Basis einer Zufallsauswahl. Die Befragung wurde im Zeitraum von 16. Oktober bis 1. November 2019 von GMS Dr. Jung GmbH und ARIS Umfrageforschung GmbH durchgeführt. Quelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Stelle fordert Maßnahmen

Aufgrund der Erkenntnisse fordert die Antidiskriminierungsstelle, rechtliche Schlupflöcher zu stopfen, die Benachteiligungen begünstigen. So gelte das Diskriminierungsverbot im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) grundsätzlich nicht, wenn ein besonderes "Nähe- oder Vertrauensverhältnis" eingegangen wird, etwa durch Nutzung von Wohnraum auf demselben Grundstück.

Außerdem dürfen beispielsweise Wohnungsbaugesellschaften Wohnungssuchende "im Hinblick auf die Schaffung und Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstrukturen und ausgewogener Siedlungsstrukturen sowie ausgeglichener wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Verhältnisse" unterschiedlich behandeln.

Diese Ausnahmeregelungen bergen laut Franke die Gefahr des Missbrauchs und könnten Rechtfertigungen für rassistische Diskriminierungen bieten. Zudem verstießen sie aus Sicht der Antidiskriminierungsstelle "eindeutig gegen das Europarecht".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2020 | 11:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 12:09 Uhr

10 Kommentare

Baldur von Ascanien vor 3 Wochen

Aber Schlussendlich bleibt es mir, als Hauseigentümer, immer noch freigestellt wen ich als Mieter haben will, oder? Wenn ich dabei gegängelt werde meine Suche zu begründen, oder gar Einfluss genommen wird an wen ich vermiete, werde ich diskriminiert. Oder sehen sie, MDR, es anders? Eine sinnfreie Diskussion.......

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo winifried, in erster Linie geht es in dem Artikel um Menschen mit Migrationshintergrund, diese müssen nicht unbedingt geflüchtet sein. Und Sie haben Recht. Bei mehreren Bewerbungen können nicht alle die Wohnung bekommen, jedoch sollten Kriterien wie die Hautfarbe, die Herkunft oder ähnliche Merkmale nicht der Grund für eine Ablehnung sein. Das ist Diskriminierung, und diese ist in Deutschland illegal. Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo aus Elbflorenz, wenn sich mehrere Parteien auf eine Wohnung bewerben, ist es nicht möglich alle zu nehmen. Nur sollte Diskriminierung, die in Deutschland illegal ist, kein Grund für eine Ablehnung sein. Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion