Ein Pfandsiegel wird am 20.07.2012 in Potsdam (Brandenburg) auf einen Laptop geklebt.
Bei Überschuldung droht ein Vollstreckungsbescheid und Pfändung. Bildrechte: dpa

Schuldenstatistik Ostdeutsche haben höhere Mietschulden  

Mietschulden sind in Ostdeutschland deutlich weiter verbreitet als im Westen. Laut Bundesstatistik sind die Zahlungsrückstände auch höher als in den alten Bundesländern – trotz niedrigerer Mieten.

Ein Pfandsiegel wird am 20.07.2012 in Potsdam (Brandenburg) auf einen Laptop geklebt.
Bei Überschuldung droht ein Vollstreckungsbescheid und Pfändung. Bildrechte: dpa

In Ostdeutschland gehen deutlich mehr Menschen wegen Mietschulden zur Schuldnerberatung als im Westen. Dabei haben sie im Schnitt auch höhere Mietschulden.

Nach Daten des Statistischen Bundesamtes hatte im Osten 2018 fast jeder dritte Schuldner, der eine Beratungsstelle aufgesucht hat, Mietschulden (31 Prozent). In den alten Bundesländern hatten nur 18 Prozent der Hilfesuchenden Mietschulden. Zugleich lagen die Mietaußenstände bei Anfragen in Beratungsstellen im Osten mit durchschnittlich 1.147 Euro deutlich höher als im Alt-Bundesgebiet mit 786 Euro.

Höhere Mietschulden im Osten trotz geringerer Mieten

Die Mietschulden im Osten sind demnach trotz niedrigerer Wohnkosten höher. Die Monatsmiete lag im Osten im Schitt bei 420 Euro und im Westen bei 512 Euro.

Symbolbild - Eine Frau sitzt bei der Schuldnerberatung und lässt sich von einem Mitarbeiter beraten.
Die Daten zu den Mietschulden stammen von den Schuldnerberatungsstellen. Bildrechte: dpa

Es ergibt sich ein Verschuldungsfaktor von rund 2,7 Monatsmieten im Osten und von anderthalb im früheren Bundesgebiet. Deutschlandweit waren 2018 zwei von zehn überschuldeten Personen, die bei einer Schuldnerberatungsstelle Hilfe suchten, von Mietschulden betroffen. 

Die Daten beruhen auf Angaben von gut einem Drittel der insgesamt 1.450 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland. Sie stellten anonymisierte Daten von rund 136.000 beratenen Personen mit deren Einverständnis bereit. 

AWO warnt vor Schuldenspirale

Die Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt warnt in dem Zusammenhang vor stark gestiegenen Mieten vor allem in Ballungsregionen. Die Beratungsstellen beobachten, dass für armutsgefährdete Personen die Wohnkosten oft höher sind als der sozialhilferechtliche Bedarf. Dann müsse ein Teil der Miete aus dem Regelsatz bestritten werden und andere Zahlungsverpflichtungen könnten nicht eingehalten werden, wodurch neue Schulden entstünden.

Ein weiteres Problem sieht die AWO darin, dass Schulden den Zugang zum freien Wohnungsmarkt massiv erschweren. Betroffen seien häufig Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen, da die Wohnkosten schneller stiegen als die Löhne. Vom 3. bis 7. Juni findet in ganz Deutschland die Aktionswoche Schuldnerberatung statt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Juni 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2019, 10:47 Uhr

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21 Kommentare

05.06.2019 10:56 Michael Möller 21

ich habe gestern eine Sendung gesehen da ging es um dieses Thema und da wurde gesagt wenn man den Lohn zugrunde legt zahlt der Ostbürger 50% seines Lohnes nur für die Miete und würde damit mehr zahlen als die angeblichen 1/3 des Gehaltes wie im Westen. man kann den Osten und den westen bei einigen Bereichen nicht vergleichen solange es keine Lohn und Renten Gleichheit gibt. auch das immer nur Teile ran gezogen werden zeigt auf wie die Statistik manipuliert wird.

04.06.2019 10:32 Dorfbewohner 20

@7

"..Nach Daten des Statistischen Bundesamtes hatte im Osten 2018 fast jeder dritte Schuldner, der eine Beratungsstelle aufgesucht hat, Mietschulden (31%). In den alten Bundesländern hatten nur 18 % der Hilfesuchenden Mietschulden"

Das soll der Beleg für die MDR-Feststellung, "Ostdeutsche haben höhere Mietschulden", also verallgemeinert "Ostdeutsche" sein?

Mit dieser Quelle hätte die Schlagzeile höchstens heißen müssen "Schuldnerberatungsstellenaufsuchende Ostdeutsche haben höhere Mietschulden".
Inwieweit ist das Schuldnerverhalten berücksichtigt, das Kaufverhalten, das Verhältnis Wohneigentum zu Mietern, das unterschiedliche Einkommen, die Altersstruktur…?

Diese Verallgemeinerung ist höchst fragwürdig, schon die Zahlen differieren enorm und man kann sowieso nur relativ(im Verhältnis) rechnen.

Nun aber doch noch eine Anmerkung zur Nr. 3, bitte überdenken Sie objektiv Ihre Ansicht.

03.06.2019 18:59 GEWY38 19

Warum isoliert man das Problem "Mietschulden" aus der Gesamtschuldenproblematik. Macht man das, damit man den "Ostdeutschen" wieder in die Schmuddelecke stellen kann? Oder diese Zeitgenossen wie @3 mit Futter zu versorgen, damit sie auf die NBL schimpfen können? Mietschulden machen im Durchschnitt 3% (in Worten DREI Prozent) am Gesamtschuldenanteil verschuldeter Bürger aus. Wo wohnen denn die 97% der Überschuldeten von deren Schulden hier nicht gesprochen wird? Übrigens 80% der Überschuldeten die sich beraten lassen gehen nicht wegen Mietschulden zur Beratung. Wenn man dann noch wüsste wo die wohnen, könnte man ein Gesamtbild unter den Begriff "Schulden in Deutschland" erstellen. Ansonsten gehört der Beitrag in den Papierkorb.

03.06.2019 18:20 Pädagogin 18

@16,

wieso Quatsch? Ich hab statistisch gedacht. Die Westdeutschen die zur Schuldenberatung gehen werden auch ihren Grund, sprich Schulden haben. Nur, und das gibt der Artikel her, eben weniger Schulden im Bereich Mietzahlungen. Möglicherweise weil es für Westdeutsche bis zum Gang zur Schuldenberatung für die Miete noch eher gereicht hat? Während Ostdeutsche (vielleicht wegen geringerer Löhne) eher noch jeden Cent dreimal umdrehen und nur zur Schuldenberatung gehen, wenn es wirklich gar nicht mehr geht? Das ist allerdings reine Mutmaßung.
Wie gesagt, mir gibt der Artikel zu wenig her. Da müsste man die genaue Statistik kennen. Und: Für mich klingt der Artikel eher nach Werbung für die Mietpreisbremse.
Übrigens Kommentare wie Stefan Nr. 3 gehen gar nicht. Der ist die Antwort nicht wert. ;-)

03.06.2019 18:05 Meine Meinung 17

Noch verdient im Westen mehr aber die Politik wird euch da auch noch hinbringen. Nur solange wie ihr wenn es Lohnerhöhung gibt mehr abgreift wie im Osten (siehe in der Firma wo ich arbeite, gibt es in Ost und West) könnt ihr den Mund aufreißen. Die Grünen werden schon dafür sorgen wenn sie die Co2 Steuer durchsetzen. Wir bezahlen noch nicht genug Steuern. Übrigens für was war doch gleich die Öko Steuer auf Diesel und Benzin? Achja für die Rentenkasse und nun fehlen ja bald 75 Milliarden im Bundeshaushalt. Mit der Co2 Steuer werden auch die Mieten höher, klingt echt toll. Tja die Mehrheit ist dafür und Reichen werden reicher und der Armen verarmen immer mehr. Tolle Zukunft. Hoffe der Komentar kommt durch. Meinungsfreiheit gibt es ja noch oder?

03.06.2019 17:31 Meine Meinung 16

Stefan @3 typisches Wessi gequatsche. Ihr bezahlt ja auch ganz allein den Soli nicht war. Über solche Leute wie sie die nicht über den Tellerrand sehen können ist jeder Komentar sinnlos. Ja es ist traurige Wahrheit das viele vor allem in den Großstädten die Miete nicht mehr zahlen können man brauch sich doch nur die Löhne, Renten anschauen aber darüber fällt kein Wort. Wenn man sowas veröffentlicht muß man auch auf den Grund gehen und nicht bloß berichten MDR. Solche User wie 3 und 7 sollten mal im Osten arbeiten für Mindestlohn mal sehen ob sie dann ihre Mietwohnung noch bezahlen können. @13 das ist genauso ein quatsch und sie wollen Pädagogin sein, mal eins und eins zusammen zählen und schon weiß man woran das liegt. Vergleichen Sie die Löhne und Renten da kommt man ganz einfach drauf. Es gibt natürlich auch Mietschmarotzer die keine Miete zahlen wollen, die wird es auch im Westen geben gilt aber nicht für die Mehrheit. Bezahlbare Wohnungen sind auch im Osten Mangelware.

03.06.2019 16:54 Arbeitende Rentnerin 15

Stefan, wie kommen Sie darauf, dass wir Ossis nie unsere Pflichten erfüllen, wir Frauen haben mit Kindern voll gearbeitet, bis man uns die Betriebe weggerissen hat, dann 4 Euro und weniger Stundenlohn, was müssen wir uns noch von Leuten wie Ihnen sagen lassen, wir waren nach der Wende nie in Urlaub, immer zuerst Miete und Strom bezahlt, der klägliche Rest....... ach was rege ich mich auf, manche lernens nie und das im Jahr 30 nach Wiedervereinigung

03.06.2019 15:49 Kritischer Bürger 14

+... Laut Bundesstatistik sind die Zahlungsrückstände auch höher als in den alten Bundesländern – trotz niedrigerer Mieten....+
...trotz niedriger Mieten??? Aber auch WENIGER EINKOMMEN! Wird wohl bewusst vergessen! Diese Verhältnis Einkommen, Alltagsbedarf und Mietzahlungen sollte mal genauer unter die Lupe genommen werden und dann gegenübergestellt. Da ergibt sich dann wohl ein ganz anderes glaubwürdigeres Bild als dieser Artikel es verlauten lassen will!
Der Feststellung von AWO kann somit voll zugestimmt werden! Jeder Cent kann eben nur einmal ausgegeben werden und für was ist da dann nur die Frage!

03.06.2019 15:00 Pädagogin 13

Eine mögliche Ursache der unterschiedlichen Zahlen könnte darin liegen, dass Westdeutsche im Vergleich zu Ostdeutschen mehr Schulden für andere Güter (Auto, Urlaub, Immobilie etc.) anhäufen, die sie dann nicht mehr stemmen können und sie zur AWO führt. Da bräuchte man aber genauere und mehr Daten.
Schade dass der Artikel so viel Platz für Spekulationen lässt. Umgekehrt eigentlich ein ziemlich nichtssagender Artikel.

03.06.2019 14:54 gerd 12

Was natürlich nicht erwähnt wird das Ostdeutschland auch geringere Löhne hat und die Armutsqoute höher ist wie im Westen wird natürlich auch nicht erwähnt,Destotrotz müssen diese Mieten bezahlt werden und solche Schwätzer wie Stefan gibt es noch sind aber am Aussterben gottseidank.