In Chemnitz nach der Wahl Was Migranten nach der Landtagswahl denken

In Chemnitz schauen Migranten mit einer Mischung aus Angst und Hoffnung auf die Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen. Ein Ladenbesitzer befürchtet, dass nun noch mehr Zuwanderer die Stadt verlassen könnten.

Im "Al Arabi" ist die Landtagswahl das Gesprächsthema Nummer eins zwischen Rabih Maalouf und seinen Angestellten. Der Libanese handelt in dem Laden im Zentrum von Chemnitz mit arabischen Lebensmitteln. Der Chef denkt, dass auch der Tod von Daniel H. vor einem Jahr das Wahlergebnis mit beeinflusst hat. "Das Ergebnis hat uns aufgrund der Probleme in Chemnitz nicht überrascht. Wir haben eher erwartet, dass die AfD noch mehr Stimmen bekommt."

Der 43-Jährige lebt bereits seit 2006 in Chemnitz. Im letzten Jahr konnte er sein Laden erweitern und fünf Mitarbeiter einstellen. Doch Rabih Maalouf befürchtet, dass die Wahlergebnisse seinem Geschäft schaden werden – der Großteil seiner Kunden sind Menschen mit Migrationshintergrund. "Es gibt viele Ausländer, die Chemnitz verlassen haben, weil sie schlimme Sachen erlebt haben." Er hat Bedenken, dass es künftig "strengere Gesetze gegen Ausländer geben" und so noch mehr Kunden die Stadt verlassen könnten.

Viele Menschen besorgt über mehr Einfluss der AfD

Rabih Maalouf selbst hatte bislang noch keine Probleme mit Rassismus, sagt er. Da er fast den kompletten Tag in seinem Laden verbringe. Er sagt: "Gottseidank waren es nur 27 Prozent" für die Alternative für Deutschland. Das sei zwar viel, doch nicht die Mehrheit. "Die anderen haben über 72 Prozent bekommen. Deshalb muss man keine Angst haben", versucht er dem Ergebnis etwas Positives abzugewinnen.

MDR-exakt hat mit Menschen aus dem Irak, Syrien und Palästina über die Wahl gesprochen. Sie sagen besorgt: die AfD, die Partei, die gegen Ausländer sei, würde immer mehr Einfluss gewinnen. Vor der Kamera wollen sie deshalb nichts sagen. Sie befürchten, Ärger mit Behörden zu bekommen.

Bereits Diskriminierung und Bedrohung erlebt

Mann
Dyaa Kassoma lebt in Meerane und absolviert eine Ausbildung in Chemnitz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dyaa Kassoma möchte zu diesem Thema etwas sagen. Er lebt in Meerane und absolviert in Chemnitz eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Der 23-Jährige hat mit einer AfD-Kandidatin über deren Programme gesprochen: "Es hat mir gar nicht gefallen, es war gegen den Islam. Außerdem sieht die AfD nur die kriminellen Ausländer, doch nicht die Menschen, die etwas Gutes tun und eine Ausbildung machen oder die Sprache lernen." 

Der Syrer kam vor vier Jahren über Ägypten nach Deutschland. In Syrien trat der Rapper schon im Fernsehen auf. Auch jetzt produziert er neue Songs, rappt über die Liebe, die Fremde und auch über den Krieg.

Dyaa Kassoma hofft, dass Politiker nun mehr mit den Unzufriedenen und denen, die Menschen mit Migrationshintergrund ablehnen, sprechen. Er hat schon Diskriminierung und Bedrohung erlebt und will trotzdem hier bleiben, weil er seine Zukunft in Sachsen sieht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 04. September 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2019, 14:56 Uhr