Axel Steier, der Mitgründer von Mission Lifeline, gibt nach der Ankunft der Lifeline im Hafen von Valletta ein Interview. 2018
Der Mitgründer von "Mission Lifeline" und Sprecher der Dresdner Seenotretter. Bildrechte: dpa

Interview "Lifeline könnte innerhalb einer Stunde auslaufen"

Derzeit gibt es kein Rettungsschiff im Mittelmeer. Die "Lifeline" wird seit fast einem Jahr in Malta festgehalten, während der Prozess gegen den Kapitän läuft. Am 14. Mai soll das Urteil verkündet werden. Dann könnten die Seenotretter zu ihrer nächsten Mission aufbrechen, und wieder Menschen vor dem Ertrinken bewahren, erklärt der Sprecher des Dresdner Vereins "Mission Lifeline", Axel Steier.

Axel Steier, der Mitgründer von Mission Lifeline, gibt nach der Ankunft der Lifeline im Hafen von Valletta ein Interview. 2018
Der Mitgründer von "Mission Lifeline" und Sprecher der Dresdner Seenotretter. Bildrechte: dpa

Frage: Nach dem Aus der EU-Rettungsmission "Sophia" und dem vorrübergehendem Ende des Einsatzes der "Alan Kurdi" ist derzeit gar kein Rettungsschiff mehr im Mittelmeer unterwegs. Was halten Sie davon?

Axel Steier: Es ist der offensichtlich gelungene Versuch, die Rettungsschiffe am Auslaufen zu hindern und ein Ergebnis der Abschottungspolitik. Es ist aber auch eine Schande für die westliche Gesellschaft und deren Werte.

Was genau meinen Sie damit?

Es sind dieselben Werte die 1989 zur Öffnung der Mauer geführt haben. Es kann nicht sein, dass nun viel mehr Tote im Mittelmeer produziert werden, als die Mauer je zustande gebracht hat.

Wie viele Menschen ertrinken gerade im Mittelmeer?

Das kann ich nicht sagen. Die Flucht in den Booten hat nicht aufgehört. Es kommen derzeit sogar vermehrt Menschen auf Lampedusa und Sardinien an. Da aber gerade niemand genau hinschaut, wissen wir nicht wie viele Boote gerade ablegen.

Sie bereiten das Auslaufen der "Lifeline" vor, nachdem das Schiff seit fast einem Jahr in Malta festgehalten wird. Was genau muss noch vorbereitet werden?

Die Lifeline ist einsatzbereit, das heißt sie könnte innerhalb von einer Stunde auslaufen. Es geht uns aber darum, noch einige Baustellen abzuschließen. Dabei handelt es sich vor allem um Korrosionsschutz und Reinigungsarbeiten.

Stehen eine Crew und ein neuer Kapitän bereit?

Wir wissen derzeit noch nicht, ob wir das Schiff als Yacht führen können oder als Berufsschiff. Für letzteres müssten wir eine Crew beschäftigen und auch bezahlen. Das würde mehr Geld als bisher kosten.

Wann rechnen Sie damit wieder Auslaufen zu können?

Wir hoffen, sehr schnell auslaufen zu können. Es bleibt die Frage, unter welcher Flagge und wie schnell die maltesischen Behörden dann auf unser Ausfahrtgesuch reagieren.

Unter welcher Flagge soll das Schiff dann Auslaufen?

Das steht noch nicht fest. Wir hoffen nach wir vor darauf, dass der Papst ein Zeichen setzt, und unser Schiff in das Vatikanische Schiffsregister aufnimmt. Dass das möglich ist, haben Rechtsexperten bereits dargelegt.

Was würde das Ziel der dann anstehenden siebten Mission der "Lifeline" sein?

Unser Ziel ist ganz klar die SAR-Zone im zentralen Mittelmeer. Dort gibt es derzeit keine Rettungsschiffe, was bedeutet, dass Menschen fast täglich ertrinken, die nach wie vor aus Libyen fliehen.

Wie empfinden Sie die Mission der "Lifeline" – knapp einem Jahr nach dem Festsetzen des Schiffes?

Lifeline-Kapitän Claus-Peter Reisch
Der Kapitän der "Lifeline": Claus-Peter Reisch. Bildrechte: dpa

Die Beschlagnahme der "Lifeline" hat dazu geführt, dass die Seebrücke entstanden ist. Tausende Menschen setzen sich seitdem für sichere Häfen ein - mit Erfolg. Und, Mission Lifeline hat sehr viel Unterstützung erfahren, die es ermöglicht, im Juni mit der "Lifeline" oder auch ohne unser Flaggschiff in den Einsatz zu fahren. Wir haben eine kleine Flotte mit Segelbooten aufbauen können. Das haben sich die Politiker nicht überlegt, als sie uns an die Kette legen lassen haben.

Rechnen Sie mit einem Freispruch für Claus-Peter Reisch?

Wir haben bewiesen, dass Claus-Peter Reisch alles richtig gemacht hat – mit Zeugenaussagen und allen Unterlagen. Aber es gibt viel politischen Druck gegen Seenotrettung und damit letztlich das Bekenntnis, Menschen ertrinken zu lassen. Wo sich das Gericht positioniert, werden wir am 14. Mai sehen.

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2019, 07:00 Uhr