Seenotretter aus Dresden "Mission Lifeline" kauft altes Schiff der Bundeswehr

Die Hilfsorganisation "Mission Lifeline" hat ein neues Schiff. Nachdem die "Lifeline" und die "Eleonore" beschlagnahmt worden sind, soll bald wieder ein Rettungseinsatz im Mittelmeer starten – sobald alles vorbereitet ist.

Torpedofangboot
Das neue Schiff zur Seenotrettung von "Mission Lifeline": Das Torpedofangboot bei einer früheren Fahrt für die Bundeswehr. Bildrechte: dpa

Die Seenotretter von "Mission Lifeline" wollen auf einem ehemaligen Torpedofangboot der Bundeswehr in ihren nächsten Einsatz auf dem Mittelmeer gehen. Vor wenigen Tagen ist der Kaufvertrag unterzeichnet worden, doch "die erste Mission können wir frühestens im Mai starten", sagt "Mission Lifeline"-Gründer Axel Steier dem MDR. 

Schiff muss für Rettungseinsatz umgebaut werden

"Für das gesamte Projekt vom Kauf über alle Arbeiten bis zum Auslaufen kommen wir mit etwa 120.000 Euro hin", erklärt Steier. Ein neues Dach, eine fast neue Radaranlage sowie eine Satellitenanlage müssten noch installiert werden. Letzteres sei besonders wichtig, um die Kommunikation mit Behörden und das Streamen auf hoher See zu ermöglichen.

"Das wiederum verbessert den Schutz durch Öffentlichkeit bei der derzeitigen Bedrohungslage durch libysche Milizen", erklärt der Sprecher von "Mission Lifeline". Das Schiff sei insgesamt gut in Schuss, benötige aber auch noch einen frischen Anstrich.

Raphael Reschke, Benjamin Reschke, Gerson Reschke haben das neue Schiff für 'Mission Lifeline' entdeckt.
Benjamin, Raphael und Gerson Reschke (v.l.) haben das neue Schiff für "Mission Lifeline" entdeckt. Bildrechte: MDR/ Mission Lifeline

Auf das ehemalige Boot der Bundeswehr sind die Mitarbeiter der Dresdner Hilfsorganisation durch drei Brüder aus Norddeutschland aufmerksam geworden, die das ehemalige Torpedofangboot in Wilhelmshaven entdeckt haben.

"Benjamin, Raphael und Gerson Reschke hatten sich entschlossen, ein Schiff zu kaufen, um es auf den Weg zur Rettung zu bringen", sagt Steier. Dann haben sich die Drei an "Mission Lifeline" gewandt und "nun machen wir gemeinsame Sache".

Die Dresdner Hilfsorganisation hat das Schiff gekauft und kümmert sich um die Organisation, damit das frühere Marine-Schiff dann von der Nordsee ins Mittelmeer und damit zur Seenotrettung gelangt. Dann würden die 30, 32 und 35 Jahre alten Brüder neben erfahrenen Leuten von "Mission Lifeline mit zur Crew gehören, sagt Steier.

Dresdner Seenotretter erhalten Hilfe aus dem Norden

Tätowierte Hand vor Monitor
Die drei Brüder sind die "Seapunks" und in der Punkmusik-Szene verankert. Raphael, dessen Hand im Bild ist, hat für das Projekt seinen Job bei der Bundespolizei gekündigt. Bildrechte: MDR/Mission Lifeline

Das neue Seenotrettungs-Schiff ist 1966 als Torpedofangboot für die Bundeswehr gebaut worden und im selben Jahr stach es auch erstmals in See. Das "TF 6" ist hochseetüchtig und hat bei der deutschen Marine ursprünglich zum Aufsammeln von verschossenen Übungstorpedos gedient. 2002 ist es laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur außer Dienst gestellt und anschließend verkauft worden.

Nun haben es die Dresdner Seenotretter von einer Privatperson gekauft. Bislang hatte das Schiff den Namen "Seegans" nun wollen es die Mitglieder der Hilfsorganisation auf den Namen "Rise Above" taufen. Es hat einen 970-PS-Motor und schafft maximal 16 Knoten.

"Mit knapp 25 Metern Länge könnten im Fall eines Seenotrettungs-Einsatzes 150 Menschen an Bord genommen werden", erklärt Steier. "Die veränderten politischen Rahmenbedingungen geben uns zudem die Sicherheit, dass das neue Schiff nicht beschlagnahmt wird", so der 44-Jährige weiter. "Mehrere EU-Staaten haben sich mittlerweile bereit erklärt, Flüchtlinge zu verteilen. Die italienische Regierung lässt Schiffe wieder in die Häfen, und in Malta wackelt die korrupte Regierung."

Bereits zwei Schiffe von "Mission Lifeline" beschlagnahmt

Denn nach solchen Seenot-Einsätzen sind in den vergangenen anderthalb Jahren bereits zwei Schiffe des Dresdner Vereins festgesetzt worden. Die "Lifeline" ist seit Ende Juni 2018 beschlagnahmt und darf derzeit nicht aus dem Hafen von Valletta auf Malta bewegt werden. Dorthin durfte das Schiff erst nach tagelangem Ausharren einfahren, da kein EU-Land die Retter einlassen und die mehr als 200 Geretteten aufnehmen wollte. Kurz danach wurde der Kapitän des Schiffes, Claus-Peter Reisch, auf dem Inselstaat angeklagt. Der Prozess läuft noch immer.

Im Sommer 2019 ist Reisch mit dem neuen Schiff "Eleonore" erneut zum Einsatz ins Mittelmeer aufgebrochen. Nach der Rettung von über 100 Menschen und der erneuten Einfahrts-Blockade durch EU-Staaten, rief der Kapitän nach einem Unwetter den Notstand aus. Daraufhin fuhr er in italienische Gewässer und in einen Hafen ein. Das neue Schiff wurde direkt beschlagnahmt und Claus-Peter Reisch droht nun eine Strafe von 300.000 Euro.  

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 25. September 2019 | 20:15 Uhr