Menschen aus der Vogelperspektive
Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

Fahrräder und E-Bikes mit Zuschuss Mit Dienstfahrrad günstig und umweltfreundlich zur Arbeit

Der Dienstwagen hat Konkurrenz bekommen. Am Start ist das umweltfreundliche, gesundheitsfördernde und praktische Dienstrad. Das können Arbeitnehmer auch über den Arbeitgeber leasen. Der Staat unterstützt das steuerlich. So wird das Radfahren sehr günstig.

von Henry Rieck

Menschen aus der Vogelperspektive
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Die sechs Kilometer zur Arbeit legt Mattias Krosch bei Wind und Wetter mit dem Rad zurück. Er ist Betriebselektriker beim Schreibgerätehersteller Schneider in Wernigerode. Mit seinem E-Bike braucht er für den Weg nicht länger als mit dem Auto. Mattias Krosch will nicht nur etwas für seine Fitness tun, sondern auch für die Umwelt. Das wird gefördert. Der Schneider-Mitarbeiter fährt ein Dienstrad. Finanziert wird das über einen Leasingvertrag seines Arbeitgebers. Die Monatsrate von 70 Euro teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Der Vertrag läuft drei Jahre. So zahlt Krosch insgesamt 1.260 Euro und kann ein E-Bike im Wert von 2.800 Euro fahren. Nach drei Jahren besteht die Möglichkeit, das Fahrrad gegen eine geringe Schlussrate zu kaufen oder ein neues Modell zu leasen.

Arbeitgeber macht Fahrradfahren attraktiv

Eine Frau und ein Mann fahren hintereinander mit E-Bikes
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Um als Arbeitnehmer bei Schneider von dem Angebot zu profitieren, braucht es zwei Voraussetzungen, erklärt Jerry Grunau. Er ist bei Schneider für das Fahrrad-Leasing zuständig: "Der Mitarbeiter muss bei uns fest angestellt sein. Und um bei uns die 35 Euro erhalten zu können, muss der Mitarbeiter mindestens 60 Mal im Jahr mit dem Fahrrad auf Arbeit kommen." Fast ein Drittel der 120 Schneider-Mitarbeiter in Wernigerode nutzt das Dienstrad-Angebot. Mit einem Wettbewerb sollen es noch mehr werden. Wer die meisten Kilometer mit dem Dienstrad fährt, bekommt auch den Arbeitnehmer-Anteil an der Leasingrate geschenkt. Bei dem Wettstreit zählen auch die privaten Kilometer.

Firma "Jobrad" – der Dienstrad-Pionier im Netz

Für das Dienstfahrrad kooperiert Schneider mit der Firma "Jobrad". Der Dienstrad-Pionier im Netz vermittelt seit 2008 zwischen Unternehmen und Leasingkreditgebern. Nach "Jobrad"-Angaben nutzen rund 1.000 Unternehmen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das Angebot. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl verdoppelt. Deutschlandweit sind es nach Firmenangaben rund 15.000 Unternehmen. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl um 50 Prozent erhöht. Nach Schätzungen von "Jobrad" fahren mittlerweile 250.000 Angestellte auf einem geleasten Dienstrad, Pedelec oder E-Bike zur Arbeit, das sie auch privat nutzen dürfen. Das sind 50.000 mehr als 2018. Tassilo Holz, Pressesprecher bei "Jobrad", sagt: "Ein Dienstfahrrad zieht Talente an. Das Fahrradleasing hat sich als innovatives Werkzeug bei der Suche und Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewährt. Und das ist gerade in Regionen, wo Fachkräftemangel herrscht, wichtig." Neben der Mitarbeitergewinnung gibt es noch einen weiteren Vorteil für den Arbeitgeber von Radfahrern, erklärt Holz: "Mitarbeiter, die regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit kommen, sind pro Jahr im Schnitt zwei Tage weniger krank."

Steuerliche Vorteile nutzen

Steuerlich hat ein Dienstrad auch Vorteile, wenn es den Arbeitgeberzuschuss als Lohnerhöhung gibt. In der Regel werden von Lohnerhöhungen Steuern und Sozialabgaben abgezogen. Beim "Jobrad"-Zuschuss kommt die Erhöhung zu 100 Prozent beim Arbeitnehmer an. Zudem ist auch die private Nutzung steuerfrei. Anders ist das, wenn das Dienstrad vom Arbeitgeber durch eine Lohnumwandlung vom Bruttogehalt, also vor dem Abzug von Steuern und Abgaben, bezahlt wird. In diesem Fall muss die private Nutzung versteuert werden. Seit Anfang 2019 hat der Gesetzgeber die Besteuerungsgrundlage halbiert. Nach Berechnungen von "Jobrad" ist so eine Dienstrad-Finanzierung bis zu 40 Prozent günstiger als ein normaler Kauf.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 06. August 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 15:00 Uhr