Ein Kriegsgräberfeld
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge spürt seit 100 Jahren Überreste von Kriegsopfern auf. Bildrechte: dpa

Volksbund Kriegsgräberfürsorge verliert massiv Mitglieder

Seit 100 Jahren spürt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Überreste von Kriegsopfern auf. Das ist für viele Angehörige oft die einzige Chance, etwas über das Schicksal ihrer Verwandten zu erfahren. Doch weil die zeitlichen Abstände zu den großen Kriegen immer größer werden, verliert der Bund an Mitgliedern und damit an Einnahmen. Das hat Auswirkungen auf die Projekt-Finanzierung.

Ein Kriegsgräberfeld
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge spürt seit 100 Jahren Überreste von Kriegsopfern auf. Bildrechte: dpa

Die Mitgliederzahl der Kriegsgräberfürsorge ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 40 Prozent gesunken. Der stellvertretende Generalsekretär des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Stefan Dworak, sagte dem MDR, der Bestand habe sich seit 2008 jährlich um durchschnittlich 9.000 Mitglieder verringert. In der Zeit sei die Zahl auf zuletzt etwa 100.000 gefallen. Auch der Altersdurchschnitt der Mitglieder bereitet dem Verein Sorge. Diese liegt laut Dworak aktuell bei 73 Jahren. Die neu hinzu gewonnenen Mitglieder seien durchschnittlich 52 Jahre alt.

Auch Spenden gehen zurück

Die abnehmende Anzahl der Mitglieder wirkt sich dabei negativ auf die Höhe der Mitgliedsbeiträge aus, die nach Angaben der Kriegsgräberfürsorge im vergangenen Jahr bei rund 3,8 Millionen Euro lag. Zudem sei in den vergangenen zehn Jahren auch die Höhe der Spenden von 14,7 auf 11 Millionen Euro zurückgegangen.

Laut Dworak wird es aufgrund dieser negativen Entwicklung für den Volksbund Jahr für Jahr schwieriger, die Arbeiten der Kriegsgräberfürsorge zu finanzieren. "Da die Einnahmen des Volksbundes stetig zurückgehen, musste der Anteil der öffentlichen Hand in den letzten Jahren deutlich steigen", sagte der stellvertretende Generalsekretär. Momentan stelle die Bundesregierung rund 17,8 Millionen Euro zur Verfügung und finanziere damit rund 35 Prozent der Kosten. "Die Kriegsgräberfürsorge ist grundsätzlich eine staatliche Aufgabe, mit welcher der Volksbund von der Bundesregierung betraut wurde. Entsprechend beteiligt sich die Bundesregierung auch, aber nur anteilig, an der Finanzierung", ergänzt Dworak. Wie die Arbeiten auch künftig finanziert werden können, sei eine aktuelle Schlüsselfrage.

Erinnerung an die Weltkriege verblasst

Als Grund für die negative Entwicklung sieht der Volksbund vor allem den zeitlich größer werdenden Abstand zu den Weltkriegen. Die Kriegsgräberfürsorge werde überwiegend von Menschen gefördert, die den Krieg und dessen Auswirkungen noch unmittelbar erlebt hätten, sagte Dworak. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen und des aufkeimenden Nationalismus in Deutschland und in ganz Europa sei der Volksbund jedoch davon überzeugt, dass seine Arbeit notwendiger sei denn je.

Dieses Thema im Programm: "nah dran" | 19. September 2019 | 22:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 12:11 Uhr