Teilnehmer einer Demonstration des rechtspopulistischen Bündnisses Pro Chemnitz ziehen mit Deutschland-Fahnen durch die Stadt.
Rechtspopulistische Einstellungen sind in Deutschland laut der aktuellen Mitte-Studie weit verbreitet. Bildrechte: dpa

Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus Wissenschaftler sehen "Verlust demokratischer Orientierung"

Rechtsradikale und antidemokratische Einstellungen sind in Deutschland weit verbreitet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung am Donnerstag vorgestellt wurde. Fremdenfeindliche Positionen werden demnach von einem großen Teil der Bevölkerung geteilt – im Osten stärker als im Westen. Die Forscher bilanzieren: "Die Mitte verliert ihren festen Boden und ihre demokratische Orientierung."

Teilnehmer einer Demonstration des rechtspopulistischen Bündnisses Pro Chemnitz ziehen mit Deutschland-Fahnen durch die Stadt.
Rechtspopulistische Einstellungen sind in Deutschland laut der aktuellen Mitte-Studie weit verbreitet. Bildrechte: dpa

Viele Deutsche teilen fremdenfeindliche Einstellungen und vertreten antidemokratische Positionen. Zugleich befürwortet jedoch ein Großteil der Bevölkerung die Demokratie als Staatsform und wünscht sich eine vielfältige Gesellschaft. Zu diesen widersprüchlichen Ergebnissen kommt die neue "Mitte-Studie", die seit 2006 alle zwei Jahre im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt wird.

Im Vorwort zur aktuellen Ausgabe schreiben die Autoren des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld: 

Leider müssen wir festhalten (…), dass rechtsextreme, -populistische und demokratiefeindliche Einstellungen und Tendenzen in der Mitte tief verwurzelt sind und die Normalisierung rechter Einstellungen sich immer mehr in der Mitte festschreibt und verfestigt.

"Mitte-Studie"

Wachsende Ablehnung von Asylbewerbern

Sichtbar werde dieser Trend etwa in der wachsenden Ablehnung von Asylbewerbern: Mehr als jeder zweite vertrete negative Ansichten über Asylbewerber. Dieser Wert sei im Vergleich zu 2016 noch einmal angestiegen, obwohl die Zahl der Asylsuchenden rückläufig ist. Dabei stimmten deutlich mehr Ostdeutsche (63 Prozent) abwertenden Äußerungen über Asylbewerber zu als Westdeutsche (51 Prozent).

Diese Ost-West-Unterschiede fanden sich auch in anderen Bereichen. Generell fremdenfeindliche Einstellungen vertreten der Studie zufolge 23 Prozent der Ostdeutschen. Im Westen seien es 18 Prozent.

Negative Einstellungen gegenüber Muslimen seien im Osten bei 26 Prozent und im Westen bei 19 Prozent der Befragten festgestellt worden.

Autoritäre Einstellungen finden unter ostdeutschen Befragten allgemein mehr Zustimmung. Im Osten gelte das für 67 Prozent, im Westen für 61 Prozent.

Die Autoren warnen gleichwohl vor einfachen und pauschalen Zuweisungen in Richtung der Ostdeutschen. Die Unterschiede seien in Bezug auf den Rechtsradikalismus "gar nicht so hoch". Für den Westen sei der Fingerzeig gen Osten in mehrfacher Hinsicht recht bequem und willkommen. Er erleichterte es, sich selbst nicht so intensiv mit vor Ort vorhandenem Rassismus und Rechtsextremismus zu beschäftigen und erhöhe zugleich das Gefühl, selbst demokratisch zu sein.

Werte und Einstellungen im Widerspruch

Die Wissenschaftler betonen zugleich mit Blick auf ganz Deutschland, dass ein Großteil der Bevölkerung die Demokratie befürwortet, Vielfalt in der Gesellschaft begrüßt und auch etwa eine Stärkung der EU fordert. Den darin liegenden Widerspruch zu den teils fremdenfeindlichen Einstellungen können die Autoren indes nicht auflösen. "Ein Teil der Bevölkerung wird den eigenen Werten nicht gerecht", erklärte dazu Wilhelm Berghan von der Uni Bielefeld.

Weniger Vorbehalte gegenüber Homosexuellen

In einigen Bereichen haben negative Einstellungen zu einzelnen Gruppen derweil auch abgenommen. Gegenüber Homosexuellen und Obdachlosen hegen laut der Studie aktuell weniger Menschen Vorbehalte als noch vor zwei Jahren.

Glaube an Verschwörungstheorien

Auf der anderen Seite stellten die Forscher ergänzend fest, dass Verschwörungsmythen in der Bevölkerung großen Zuspruch finden. 45 Prozent meinten, geheime Organisationen würden politische Entscheidungen beeinflussen. Nahezu ein Viertel der Befragten mutmaße, Medien und Politik steckten unter einer Decke.

Für die Mitte-Studie wurden 1.890 repräsentativ ausgewählte Deutsche befragt. Die Studie ist hier in voller Länge einsehbar (PDF).

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. April 2019 | 14:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 20:38 Uhr

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146 Kommentare

27.04.2019 18:56 Auf zum letzten Gefecht! 146

@135

"und zunehmender Ablehnung von Minderheiten in Deutschland."

nö, es geht um kriminelle, um kriminelle Ausländer, es geht um kriminelle Clans.
Übrigens: unsere kriminellen können wir nun mal nicht nach Hause schicken,mit denen müssen wir leben ;-)

mein lieber, ihre Verallgemeinerung ist nichts anderes wie Rassismus, haben sie das in ihrem Studium nicht gelehrt bekommen?

Tja, Pech gehabt mein lieber!

27.04.2019 17:40 frank d 145

@132 Peter: Haben sie Geschichte studiert abgeschlossen und in ihrem Fach gearbeitet? Oder nur mal so ein paar Semester vertändelt. Denn ihre Herleitungen sind Haarstäubend, wo bleibt die Reflektion die wissenschaftlich notwendige Ergebnisoffenheit und vor allem es gab zwei sozialistische Diktaturen Auf deutschem Boden sie Experte. Man könnte ja auch das Verhalten der Medien und Experten aus Showbizz und Soziologie mit der Diffamierenden Berichterstattung der Nationalen Sozialisten vergleichen. Wäre ja auch denkbar das Theodor Adorno recht hatte, "Die nächsten Faschisten werden sagen sei seien Antifaschisten" Wäre ja rein wissenschaftlich gesehen auch möglich. Wer das in Analysen unterschlägt ist ein Populist. zumal ein schlechter. Sapere aude

27.04.2019 16:38 Querdenker 144

Zitat : „... eine Studie, die von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung ...“

Mir fällt dazu der Gesang von Andrea Nahles (SPD) ein.

siehe „rp-online Pippi Langstrumpf im Bundestag Spott für singende Nahles“

Zitat: „Ich mach mir die Welt, widewide sie mir gefällt.“

Die Studie ist meiner Meinung nach verzerrt durch diverse „Fragestellungen“. Der Abschnitt Kritik ist auf Wikipedia entsprechend lang (siehe „wiki Mitte Studien der Universität Leipzig Kritik“).

27.04.2019 10:43 Dieter 143

Stefan 140:
Es ist mittlerweile ein alter Hut, dass die Migranten um die 900 Milliarden an Netto-GESAMTkosten bringen (nach Raffelhüschen, andere Ökonomen erhielten ähnliche Zahlen). Sie rechnen nur Teile pro Jahr davon auf.
Dank Salvini ist die illegale Migration rapide zurückgegangen, weniger Menschen ertrinken, die Schlepperboote wurden festgesetzt. Salvini macht etwas Ungewöhnliches- er handelt.
Und: Salvinis Partei ist in Umfragen gewaltig gestiegen auf 37%.

27.04.2019 09:56 MaP 142

@132
Kommentarbereiche werden eingerichtet, um Lesern die Möglichkeit zu geben, zu einem Artikel ihre Meinung zu äußern. Und so vielfältig wie die Menschen sind, sind auch deren Ansichten. Manche finden eben diese Studie der Fr.-Ebert-Stiftung uneingeschränkt gut, andere finden Kritikpunkte und wieder andere lehnen derartige Studien ab, vor allem die Art und Weise wie mit den von den Befragten erhaltenen Informationen umgegangen, wie diese interpretiert wurden. O-Ton: "Wir mussten trickreich nachfragen." Um das gewünschte Ergebnis zu erhalten? Vielleicht auch mal über das Interview v. Klaus Kleber dazu informieren, v.a. zu den herausgeschnittenen Fragen (Originallänge hat er selbst auf seiner Seite veröffentlicht).
Was sie aber hier betreiben ist übelste Art, entspricht aber genau der Machart der Studie - jeden, der auch nur im Geringsten von ihrer Meinung abweicht, in die äußerste rechte Ecke zu stellen.

27.04.2019 09:04 Bernd L. 141

Peter 132:
Ich glaube Ihnen sogar, dass Sie Geschichte studiert haben, aber mit den Schlußfolgerungen für die heutige Zeit hapert es. Man könnte das Vorgehen der SA in den 30ern sehr gut mit dem der Antifa heute vergleichen, Methoden und Parolen sind nahe beieinander.
Haben sie mal an die Geschichte der Indianer oder des Kosovo gedacht?

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

27.04.2019 08:44 Stefan (Der) 140

@130. Dieter: Selbst wenn Sie sich um eine "0" vertan haben, stimmt die Angabe nicht. Bericht FOCUS von vor einem Jahr: "...die Kosten für die Flüchtlinge in Deutschland im Jahr 2017 bei 20,8 Milliarden Euro. Seit dem Beginn der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 habe die Bundesregierung damit mindestens 43,25 Milliarden Euro für Asylzwecke ausgegeben. Voraussichtlich sollen in den nächsten vier Jahren weitere 80 Milliarden Euro hinzukommen.". Zitat Ende. Und was Herrn Salvini anbelangt, so macht er unsere Drecksarbeit. Die Toten im Mittelmeer können sich bei uns allen bedanken, nicht nur bei Herrn Salvini. Nur gut, dass wir ein Abkommen mit Libyen haben (*Ironie aus.).

27.04.2019 08:35 winfried zu MDR-Antwort bei (117) 139

Danke für ausführliche Stellungnahme.
So lange Ihre GG-"Interpretation"
>>die Grundrechte - Artikel 1 bis 20 - gelten explizit für alle Menschen - ohne Abstriche.<<
im GG-Präambel-Text, ggf. GG-Ergänzung an anderer GG-Stelle, sich nicht in z.B.
>>Artikel 1 bis 20 - gelten für alle Menschen die sich im Geltungsbereich der Bundesrepublik Deutschland aufhalten.<<
verändert, so lange bleibe ich bei meiner Rechtsauffassung.

26.04.2019 22:16 Peter 138

@136: Nö, mein Lieber. Von mir werden Sie nie hören, dass Leute, die sich Gedanken machen, Nazis wären.
Bei Funktionären, die unbestritten auf den Spuren der Verderber Deutschlands wandeln, ist das schon ein wenig anders. Um die geht´s mir.
Anfangs hatten sich diese Wölfe auch Schaftspelze übergeworfen. Später legten Sie diese ganz schnell ab.
Für die Menschen im Deutschland vor 1933, die sich auch Gedanken machten, war dies auch kaum vorstellbar. Das böse Erwachen folgte auf dem Fuß.

26.04.2019 22:00 Dh 137

@ Peter , Ich muss Sie leider etwas enttäuschen. Ihre Beiträge zeugen eigentlich nicht von profunden Geschichtskenntnissen. Sie erinnern mich eher an meinen Lehrer vom Fachgebiet Wissenschaftlicher Kommunismus, als ich die Offiziersschule bei der NVA absolvierte. Nur der konnte eine totgeborene Sache besser erklären. Lassen Sie doch bitte auch anderen ihre Meinung. Agitprop. war gestern, was die Oberen in diesem Lande noch nicht begriffen haben. Die Studie sagt nichts, ändert nichts und kostet nur Geld. Da die Friedrich Ebert Stiftung SPD ist, war das Ergebnis schon vor der Fertigung klar. Wie kann die Studie da unabhängig und unparteiisch sein? Die bösen Rechten! Solche Menschen gibt es in allen Ländern auf dieser Welt. Warum nicht auch in Deutschland? Apropos, viele rechte Gedanken finde auch ich gut, weil sie hilfreich und zielführend sind. Einfach sich mal einen Ruck geben und drüber nachdenken. Schönes Wochenende!