Umfeld von mutmaßlichem Mörder Mordfall Lübcke – Verbindungen zu rechtsterroristischer Vereinigung

Im Umfeld des mutmaßlichen Mörders des hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke gibt es nach exakt-Recherchen eine Verbindung zur inzwischen zerschlagenen rechtsterroristischen Vereinigung "Old School Society".

Walter Lübcke
Der ermordete hessische Regierungspräsident Walter Lübcke. Bildrechte: dpa

Im Umfeld des mutmaßlichen Mörders des hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke, Stephan E., gibt es nach Recherchen des MDR-Magazins "exakt" eine Verbindung zur inzwischen zerschlagenen rechtsterroristischen Vereinigung "Old School Society" (OSS). Stephan E. pflegte über Jahre enge Verbindungen zu mehreren führenden Mitgliedern der gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene in Kassel, die über Facebook auch in direktem Kontakt mit einem Gründungsmitglied der "Old School Society" stehen. Dort sind sie mit dem ehemaligen Kasseler OSS-Mitglied, Lukas L., befreundet.

Der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, Matthias Quent, zieht eine Verbindungslinie zu den Taten des NSU: "Die Neonazi-Szene in Kassel, die Verbindungen sowohl zur Old School Society als auch zu Stephan E. dem mutmaßlichen Mörder von Walter Lübcke hat, ist schon seit Jahren für ihre Militanz bekannt. Eine Szene, die sich reproduziert, die ihre Erfahrungen, die ihre Ideologie und die strategischen Überlegungen weitergibt an jüngere Neonazis. Hier ist zu sehen, dass sich neue Generationen im Erbe des NSU radikalisieren."

Soziologe Quent vermisst Diskussion über Rechtsextremismus in Westdeutschland

Für Quent ist die Diskussion über Rechtsextremismus insgesamt zu sehr auf den Osten Deutschlands fokussiert: "Der Fall Lübcke wirft aber auch Fragen hinsichtlich unserer gesellschaftspolitischen Debatte auf. Denn wir diskutieren Rechtsradikalismus bis Rechtsterrorismus oft als ein ostdeutsches Problem. Und ich habe manchmal den Eindruck dass sich Westdeutsche von dem Problem freisprechen, indem sie sagen, das ist ein Problem des angeblich braunen Ostens. Wir sehen aber, dass diese neonazistischen Netzwerke bis hin zum rechten Terror eben auch in Westdeutschland, in Städten wie Kassel, fest verankert sind. Darüber gibt es aber keine Diskussion, die im Alltag an diesem Problem ansetzen würde", so Quent gegenüber MDR-"exakt".

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 19. Juni 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Juni 2019, 09:33 Uhr