Straßenverkehr Motorrad: Wie laut darf es sein?

Auf dem Motorrad muss es knattern und dröhnen, wenn es auf die Straße geht. Doch für die Anwohner der beliebtesten Strecken ist es purer Lärm. Nun könnten demnächst einige Strecken für Biker gesperrt werden.

Ein Motorradfahrer fährt auf einer Landstraße bei Barsinghausen.
Um die Anwohner an den beliebtesten Strecken zu schützen, empfiehlt der Bundesrat, Strecken zu sperren. Bildrechte: dpa

Am Gasgriff drehen und der Motor brummt auf. Die Maschine zieht an und der Fahrer legt sich in die Kurve. Cruist über die Landstraße und lässt die Bäume im Augenwinkel vorbeiziehen. Freiheit in der Freizeit. Und beim Motorrad fahren spielt der Sound eine wichtige Rolle. Doch die Anwohner an den beliebtesten Strecken leiden unter dem Lärm.

So ist etwa auch das Müglitztal in der Sächsischen Schweiz eine beliebte Rennstrecke für Motorradfahrer. "Also 300 Maschinen ist so der Durchschnitt" an einem normalen Wochenend-Tag während der Saison, sagt Bärbel Lehmann, die in Mühlbach im Müglitztal wohnt. Sie kämpft seit zehn Jahren gegen den Lärm. "An Feiertagen eskaliert es richtig." Da kämen über 800 Maschinen und es röhre und rassele im Minutentakt.

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Ein Motorradfahrer fährt über eine Landstraße. 31 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anwohner flüchten vor dem Krach

Viele Anwohner fahren dann weg und flüchten vor dem Krach derer, die auf dem Motorrad Freiheit und Natur genießen wollen. "Ich gönne ihnen dieses Lebensgefühl eigentlich von Herzen", sagt Lehmann. Doch wenn dieses Lebensgefühl durch die Lautstärke das Lebensgefühl der anderen zerstöre, dann höre es auf. Es gehe um die Gesundheit und um die Werte der Grundstücke. Wer hier ein Grundstück verkaufen wolle, so Lehmann, tue das besser im Winter, wenn keine Saison ist.

Motorradfahrer fahren während einer Demonstrationsfahrt auf der Autobahn A37 im Süden von Hannover.
In ganz Deutschland haben Motorradfahrer gegen die Initiative des Bundesrates demonstriert. Bildrechte: dpa

Seit Mai kann Bärbel Lehmann hoffen. Im Bundesrat wurde eine Initiative gegen Motorradlärm eingebracht. Zwei wesentliche Forderungen in der Empfehlung: Motorräder sollen künftig leiser sein. Das heißt: nicht mehr als 80 Dezibel in allen Fahrzuständen. Bisher gilt zwar bereits ein Grenzwert von 77 Dezibel. Der wird aber nur in einem bestimmten Bereich gemessen. Außerhalb dieses Bereiches sind sehr viele Motorräder wesentlich lauter. Und: beliebte Strecken könnten an Sonn- und Feiertagen für Motorräder gesperrt werden. So wie es etwa bereits in Österreich der Fall ist. In Tirol dürfen Motorräder mit einem Standgeräusch über 95 Dezibel seit diesem Jahr von März bis Oktober nicht mehr fahren.

Bundesrat empfiehlt, Strecken zu sperren

Die Bundesratsinitiative hat die Biker auf den Plan gerufen. Zehntausende haben in großen Städten demonstriert. Auch in Sachsen: In Dresden kamen 5.000, in Leipzig sogar 16.500. "Ich muss ehrlich gestehen, dass ich erst durch die Empfehlung des Bundesrates darauf aufmerksam geworden bin, dass wir mit unseren Motorrädern für andere ein Problem darstellen", sagt Mona Brendel. Sie hat die Demonstration in Dresden organisiert. Dabei ist Brendel keine Hardlinerin. Sie setzt sich auch mit den "schwarzen Schafen" in der Szene auseinander. Schon in der Fahrschule müsse gelernt werden, dass man Rücksicht nehmen muss. Allerdings schränkt sie auch ein, ein Motorrad habe nun mal eine andere Geräuschkulisse als ein Auto.

An der TU Dresden ist 2019 eine Studie zum Thema "Belästigung durch Motorradlärm" durchgeführt worden. Laut Professor Ercan Altinsoy vom Lehrstuhl für Akustik an der Fakultät Elektrotechnik werden Motorradgeräusche  vor allem deshalb als besonders belästigend wahrgenommen, weil sie unangenehme Frequenzen enthalten. Es geht da vor allem um das typische Rattern und Knattern – also das Auf und Ab. Rennmaschinen, die oft hochfrequente Anteile haben, sind in der Nähe besonders belästigend. Tiefe, bollernde Maschinen, wie etwa Harley Davidson sind etwas angenehmer – dafür verbreiten sich diese Töne weiter – sie sind also viel weiter zu hören.

Harley Davidson: 3.000 Euro damit es lauter wird

Entscheidend für die Lautstärke ist nicht nur die Dezibelzahl, sondern auch die Frequenz. Zusammen macht das den Klang aus – darauf legen die Hersteller viel wert. "Brand Sound ist wichtig, Damit kann man identifizieren, was für ein Fahrzeug das ist", erklärt Professor Ercan Altinsoy.

Mechanismus und eine bewegliche Klappe zur Veränderung des Durchsatzes im Auspuff eines serienmäßigen Motorrades, 2017
Ein sogenannter Klappenauspuff sorgt dafür, dass die Maschine bei technischen Überprüfungen im gesetzlichen Rahmen bleibt. Bildrechte: dpa

Experten erkennen ein Motorrad schon am Sound – und fast alle kennen die Marke Harley Davidson. Der Klang ist legendär. Doch während ältere Modelle einen richtig lauten Sound haben, sind die neueren Modelle schon  seit vielen Jahren leiser.  Im Stand gibt die Maschine "93 Dezibel ab und das Fahrgeräusch hat 75", erklärt Bertl Paukner. Er verkauft schon seit über 30 Jahren diese amerikanischen Maschinen. Viele seiner Kunden haben es gern "sonorer, ein bisschen lauter". Deshalb wird fast immer nachgerüstet. Bis zu 3.000 Euro legen die Leute drauf, nur damit das Motorrad lauter wird, erklärt Bertl.

Lauter durch Gesetzeslücke bei Messverfahren

Dafür wird die gesamte Auspuffanlage getauscht. Ein sogenannter Klappenauspuff sorgt dafür, dass die Maschine bei technischen Überprüfungen im gesetzlichen Rahmen bleibt. Das ist legal und sorgt für den "richtigen" Sound. Solche Anlagen sind seit Jahren umstritten. Es gibt sie für fast alle Hersteller und Modelle.

"Das ist eine Gesetzeslücke an den Messverfahren. Auspuffhersteller sind bemüht, das soweit wie möglich zu nutzen", erklärt Bertl. Doch solche Verstärker des Lärms schlagen den Anwohner der beliebtesten Strecken besonders aufs Gemüt. "Wir brauchen neben den mittelfristigen auch kurzfristige Lösungen", sagt Bärbel Lehmann, die seit einem Jahrzehnt gegen den Lärm kämpft. Doch noch ist über Lautstärkebegrenzungen und Fahrverbote nicht entschieden.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 07. Oktober 2020 | 20:15 Uhr

18 Kommentare

Norbert 56 NRW vor 1 Wochen

Auf dem Motorrad muss es knattern und dröhnen wenn es auf die Strasse geht ? Was sind das denn für Statements ? Hört sich an wie eine Überschrift der Springerpresse. Ich z.B. fahre im Jahr ca. 5000 km mit dem Motorrad und teilweise Morgens um 5:00 Uhr in die Firma, wenn da was knattert oder dröhnt würde sich meine Nachbarschaft aber bedanken. Das es Biker gibt die zu laut unterwegs sind ist unbestritten das gilt aber auch für PKW, solche Statements wie Ihre Einleitung fördern nur Vorurteile. Allerdings werden es immer mehr die genau deswegen meinen, jeden nach ihrem Gusto reglementieren zu können. Ich werde mir sicherlich nicht von solchen Leuten vorschreiben lassen was ich zu tun oder zu lassen habe. Was die Anwohner angeht dazu hatte ich mich schon geäußert, wenn es sich lohnt ist selbst für diese der "Lärm" erträglich...Diese Erfahrung macht man zumindest in der Eifel.

MDR-Team vor 1 Wochen

Werden Sie konkret. An welcher Stelle stören Sie sich?
"Doch die Anwohner an den beliebtesten Strecken leiden unter dem Lärm."? Kurz darauf kommen die betroffenen Anwohner zu Wort.

Die MDR.de-Redaktion

Norbert 56 NRW vor 1 Wochen

Im übrigen ist die Einleitung dieses Berichtes fast schon unverschämt und hat mit neutraler Berichterstattung nichts zu tun. Damit unterstellt man fast 5 Millionen Zweiradfahrern etwas das schlicht unwahr ist. Damit wird wieder mal bestätigt wovon die Medien sich immer distanzieren; Meinungsmache auf Kosten gewisser Gruppen die keine Lobby haben.

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