Nachbarschaftshilfe Wer anderen hilft

Durch die Corona-Krise schwappt auch eine Welle der Solidarität durch das Land. So ist für manche Menschen, die nun praktisch arbeitslos sind, die Hilfe in der Nachbarschaft zur neuen sinnvollen Aufgabe geworden.

Die Corona-Krise hat deutschlandweit eine Welle der Solidarität ausgelöst. Viele Menschen helfen, wo, wenn und wie sie können. Es geht um die Schwächsten in der Gesellschaft oder die, die in diesen Zeiten einem besonderen Risiko ausgesetzt sind.

So helfen etwa die Mitarbeiter aus einem Fitness- und Gesundheitsclub in Dessau-Roßlau ihren Mitbürgern. Dort ruht seit einer Woche der Betrieb – auf drei Ebenen. Die Schließung ist aufgrund der Gefahr durch den Corona-Virus von den Behörden angeordnet worden. "Es ist tragisch, das so verwaist und leer zu sehen", sagt Geschäftsführer Christian Graupner ernüchtert.

Noch kann der Chef seine 25 festangestellten Mitarbeiter bezahlen. Die nutzen die trainingsfreie Zeit und bringen den Laden auf Vordermann. Nebenbei produzieren sie Übungsanleitungen für Sport zu Hause und hoffen, so die Kundschaft bei der Stange zu halten. "Wenn kein Beitrag kommt, schließt die Branche", sagt Christian Graupner. Das Überleben hänge von der Unterstützung der Trainierenden ab.

Unterstützung für Einkauf

Fitnesstudio-Geschäftsführer Christian Graupner
Der Geschäftsführer des Fitnesstudios, Christian Graupner, findet es tragisch, die Räume so leer zu sehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Deshalb will das Unternehmen auch etwas zurückgeben. Die Idee: Wer wegen der Coronakrise Hilfe braucht, kann einfach anrufen. So wie es erst kürzlich ein 83-jähriges Vereinsmitglied getan hat. Der Rentner gehört zur Risikogruppe. Der Gang in den Supermarkt ist ihm zu gefährlich. Das übernimmt nun sein Trainer. 

Bislang haben erst fünf Dessauer diesen kostenlosen Service genutzt. Die Mitarbeiter des Clubs hoffen, dass sich in der Stadt herumspricht: Jeder kann auf ihre Hilfe zählen. Das könnte in Dessau-Roßlau noch sehr wichtig werden. Mehr als 32.000 Einwohner der Stadt in Sachsen-Anhalt sind älter als 60 Jahre und gehören damit zur Risikogruppe. Das sind hier fast 40 Prozent.

Hilfe für Obdachlose

Tüten mit Hilfsgütern hängen an einem Zaun.
Der Gabenzaun: Hilfe für Obdachlose in der Corona-Krise. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch auch in Sachsen haben sich einige etwas Außergewöhnliches für ihre Mitmenschen einfallen lassen. Im Leipziger Stadtteil Connewitz haben einfallsreiche Helfer am Rand eines Basketballplatzes eine Art Gabenzaun geschaffen. Dort hängen nun Dinge des täglichen Bedarfs für alle Notleidenden.

"Wir haben einen schönen, warmen Schal eingepackt, große Socken und auch kleine Socken, einen dicken Kapuzenpulli, ein bisschen Seife und noch weitere Pullis", erklärt eine Studentin, die MDR-exakt beim Dreh trifft. Die Spenden sind in erster Linie für diejenigen gedacht, die auf der Straße leben müssen. Viele Hilfsangebote für besonders Bedürftige sind wegen der aktuellen Schutzmaßnahmen nicht mehr möglich. So haben etwa viele Tafeln ganz geschlossen.

Zusammenhalt in der Krise

Weitere Hilfsangebote finden sich im Netz. So bietet etwa auch der Arbeiter-Samariter-Bund im Salzlandkreis einen Einkaufsservice oder auch Hilfe, um zu Hause zu recht zu kommen, an. "Es muss keiner einzeln für sich kämpfen", erklärt Geschäftsführerin Judith Sattler.

Ihr Hilfstrupp besteht aus 20 Personen, darunter sind auch Schüler aus der Region. "Ich hoffe sehr, dass wir durch viel Zusammenhalt an dieser Stelle aus dieser Krise etwas lernen werden", sagt Judith Sattler. Es sei für alle neu und es werde auch wieder einen Weg aus der Krise geben. "Und den werden wir auch meistern."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 25. März 2020 | 20:15 Uhr