Terrorverdacht Groß-Demonstration nach Ermordung eines Lehrers in Paris

Die Enthauptung eines Geschichtslehrers sorgt auch über Frankreich hinaus für Entsetzen. Die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus. In Paris und weiteren Städten gedachten am Sonntag Zehntausende dem Ermordeten und demonstrierten für Meinungsfreiheit.

Menschen versammeln sich auf dem Platz der Republik mit Plakaten mit den Aufschriften 'Nein zur Barbarei' und 'Ich bin ein Lehrer' zu einer Solidaritätsdemonstration.
Menschen versammeln sich auf dem Platz der Republik mit Plakaten mit den Aufschriften 'Nein zur Barbarei' und 'Ich bin ein Lehrer' zu einer Solidaritätsdemonstration. Bildrechte: dpa

Bei Kundgebungen in Frankreich haben am Sonntag Zehntausende dem in einem Pariser Vorort ermordeten Geschichtslehrer gedacht. Auf dem Place de la République im Osten der französischen Hauptstadt klatschten die Menschen um 15 Uhr minutenlang, um an den Lehrer zu erinnern. Auf Schildern der Demonstranten stand etwa "Nein zum totalitären Denken" und "Ich bin ein Lehrer". Mehrere Teilnehmer trugen Plakate mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus der Satirezeitung "Charlie Hebdo".

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Premierminister Jean Castex auf der Kundgebung in Paris

Zu der Demonstration aufgerufen hatten die Organisation SOS Racisme und Lehrergewerkschaften. Auch die Redaktion von "Charlie Hebdo" schloss sich der Kundgebung an. Zu den prominenten Teilnehmern zählten zudem Frankreichs Premierminister Jean Castex, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und die Präsidentin der Region Ile-de-France, Valérie Pécresse.

Auch in zahlreichen anderen Städten versammelten sich Menschen zu Kundgebungen für die Meinungsfreiheit und in Gedenken an den Ermordeten, darunter in Lyon, Marseille, Nizza und Bordeaux.

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Terroristisches Motiv bestätigt

MDR AKTUELL So 18.10.2020 05:08Uhr 03:01 min

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Kritik an zu spätem Handeln

Die Tat von vergangenem Freitag hatte in Frankreich und darüber hinaus für Entsetzen gesorgt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach bereits kurz nach der Tat von einem islamistischen Terrorakt. Für Mittwoch ist eine nationale Gedenkfeier für den getöteten Lehrer geplant. Auch die islamische Gemeinde reagierte erschüttert. Nichts rechtfertige die Ermordung eines Menschen, erklärte der islamische Dachverband Französischer Rat des muslimischen Kultes.

Der 47-jährige Lehrer war am Freitagnachmittag auf dem Weg von der Schule nach Hause enthauptet worden. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler soll der Täter aus islamistischen Motiven gehandelt haben. Der 18-jährige Tatverdächtige wurde wenig später von der Polizei erschossen. Zuvor veröffentlichte er noch ein Foto des Opfers und schrieb, dass dieser den Propheten herabgesetzt habe.

Der Geschichtslehrer hatte Anfang Oktober im Unterricht zum Thema Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Anlass war die Diskussion um die erneute Veröffentlichung der Zeichnungen im Satireblatt "Charlie Hebdo". Auch der Vater einer Schülerin hatte daraufhin im Netz gegen den Lehrer mobilisiert. Er wurde neben weiteren Personen aus dem Umfeld des Tatverdächtigen in Polizeigewahrsam genommen. Angesichts der Drohungen gegen den Lehrer und die Schule seit Anfang des Monats gibt es aber auch Kritik, dass nicht früher etwas unternommen wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Oktober 2020 | 05:30 Uhr