PMSG-Gewinnung für Schweinezucht Blut von Pferden aus Thüringen für Tierarzneimittel

In Südamerika werden trächtige Stuten misshandelt, um vor allem ein Hormon für die Schweinezucht in Deutschland zu gewinnen. Tierschützer sagen: So eine Blutentnahme ist hier verboten. Doch auch in Thüringen wird PMSG gewonnen.

Um das Hormon PMSG herzustellen, werden in Südamerika trächtige Pferde brutal misshandelt. Dabei wird den Tieren Blut abgenommen, um den Stoff zu gewinnen, der in der Schweinezucht die Effizienz steigert. Es ist ein lukratives Geschäft – auch für deutsche Firmen. Doch der aufgedeckte Skandal hatte die Politik aufgerüttelt. Die Dessauer Firma IDT verkaufte seine PMSG-Sparte an ein spanisches Unternehmen. Doch nun kommt heraus, dass auf einem Gestüt in Thüringen trächtigen Stuten Blut zur Gewinnung des Hormons abgenommen wird.

"Die bundesweit gültigen Leitlinien zum Schutz von Pferden bei der Blutentnahme sagen klipp und klar, einer Stute, die tragend ist, darf kein Blut abgenommen werden", sagt York Ditfurth. Der Tierschützer von der "Animal Welfare Foundation" hatte das Millionengeschäft mit südamerikanischen Pferden aufgedeckt. Daraufhin hatte das zuständige deutsche Ministerium auf Anfrage von "FAKT" geantwortet: Außerhalb von Europa habe man keine Handhabe.

Seit Jahren Blutentnahmen bei trächtigen Pferden

Anke Sendig
Die Inhaberin des Gestüts in Meura: Anke Sendig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch eine Blutentnahme für PMSG in Deutschland verstößt laut Ditfurth gegen das Tierschutzgesetz und andere Regelungen. Die Inhaberin des Gestüts im thüringischen Meura, Anke Sendig, räumt ein, dass dort seit vielen Jahren Blutentnahmen durchgeführt werden. Man gewinne ein Serum, das einer Pharmafirma für die PMSG-Produktion verkauft werde.

Im Internet wirbt das Unternehmen damit, das größte Gestüt für Haflinger in Europa zu sein. "Die Blutentnahme erfolgt viermal in der Woche jeweils vier Liter", sagt Anke Sendig. Die Blutgewinnung beginnt wieder ab Mitte 2020 – mit bis zu 100 Tieren. Nach der Entnahme werde den Tieren, sagt die Inhaberin, die roten Blutkörperchen wieder zugeführt. Sie wolle klarstellen, dass ihre Stuten nicht leiden.

Veterinäramt sieht keine Notwendigkeit für Genehmigung

Doch laut Tierschützern wird den Pferden mehr Blut abgenommen als in Südamerika. Eine Genehmigung, um den Pferden Blut abzunehmen, hat Anke Sendig nicht. Denn es sei "keine erforderlich", sagt sie. "Weil es ein Herstellprozess ist, der keiner Genehmigungspflicht unterliegt."

Friedrich Ostendorff, Buendnis 90/Die Gruenen, MdB, spricht im Bundestag. (2012)
Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff ist über die Aussage des Veterinäramtes sehr verwundert. Bildrechte: imago images / photothek

Das zuständige Veterinäramt bestätigt diese Aussage. Nach der rechtlichen Grundlage gefragt, heißt es: "Der Gesetzgeber hat dies nicht vorgesehen. Dementsprechend ist es weder erforderlich noch möglich eine Genehmigung zu erteilen."

Darüber ist der agrarpolitischen Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff sehr verwundert. "Es  kann doch nicht sein, dass ein Kreisveterinäramt eigenmächtig sagt: Das ist nicht genehmigungspflichtig", erklärt der Bundestagsabgeordnete. Beim sensiblen Thema PMSG erwarte er grundsätzlich, dass ein Genehmigungsverfahren läuft.

Produktion des Hormons offenbar in rechtlicher Grauzone

Als "grundsätzlich genehmigungspflichtig" stuft auch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft den Fall Meura auf "FAKT"-Nachfrage ein. Seit September 2019 befinde man sich in der Prüfung.

Diesen späten Zeitpunkt kritisiert Friedrich Ostendorff. Denn schon 2016 hatten die Länder vom Bundesministerium einen Bericht gefordert, ob in Deutschland Blutentnahmen stattfinden.

Es ist doch ein reiner Zufall, dass wir erfahren, dass es ein solches Vorgehen in Thüringen gibt.

Friedrich Ostendorff Agrarpolitischen Sprecher der Grünen

Doch jetzt muss der Wirrwarr im Genehmigungsstreit rund um das Gestüt in Meura dringend aufgeklärt werden. Nach Jahren der Untätigkeit hat das zuständige thüringische Ministerium inzwischen angekündigt, den Fall fachlich und rechtlich zu prüfen. "Tatsache ist, hier liegt keine Genehmigung vor", sagt Tierschützer Ditfurth. "Insofern findet die Produktion in einer rechtlichen Grauzone statt und meiner Ansicht nach ist das illegal."

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 17. Dezember 2019 | 21:45 Uhr