Pflege-TÜV Pflegeheim
Ab 1. Oktober gibt es neue Maßstäbe, nach denen Pflegeheime auf den Prüfstand kommen. Bildrechte: dpa

Neuer Pflege-TÜV Pflegeheime künftig besser vergleichbar

Ab 1. Oktober gibt es ein neues System zur Überprüfung von Pflegeheimen. Pflegebedürftige und deren Angehörige sollen so Pflegeheime besser miteinander vergleichen können. Außerdem sollen so Pflegemängel schneller und deutlicher offensichtlich werden. Am alten, seit 2009 bestehenden System der Pflegenoten gab es seit Jahren Kritik.

Pflege-TÜV Pflegeheim
Ab 1. Oktober gibt es neue Maßstäbe, nach denen Pflegeheime auf den Prüfstand kommen. Bildrechte: dpa

Wer einen Angehörigen in ein Pflegeheim geben muss, gibt mit diesem Schritt die Verantwortung für eine liebevolle fachgerechte Pflege in die Hände von bisher Unbekannten. Damit Angehörige sich orientieren können, welches Heim ihren und vor allem den Ansprüchen des zu Pflegenden entspricht, konnte man bisher auf eine Bewertung durch des Medizinischen Dienst der Krankenkassen zurückgreifen. Jedes Pflegeheim wird seit 2009 mit einer Gesamtnote, einer Art Schulnote, bewertet. Die Durchschnittsnote aller Heime in Deutschland beträgt 1,2 . Laut der BIVA, der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V., stellt das eine starke Diskrepanz zu den ganz offensichtlichen Mängeln in Pflegeheimen dar.

Bewertung bisher überwiegend quantitativ

Die vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen, kurz MDK, durchgeführten Überprüfungen der Heime teilten sich bisher in zwei Hauptbereiche. Zum einen ging es darum, ob bestimmte Kriterien erfüllt sind. Zum Beispiel, ob es Gruppenangebote gibt oder ein Speisenangebot für Demenzkranke. Die Bewertung erfolgte aber nur nach vorhanden oder nicht vorhanden. Es gab keine Aussage über die Qualität z.B. der Gruppen – und Speisenangebote. Teil zwei ist die Stichproben-Befragung der Bewohner, wobei bestimmte Kriterien, etwa die Freundlichkeit des Personals auf einer Skala von "immer" über "häufig" bis "nie" bewertet werden.

Einzelne Qualitätsmängel sind durch das alte System mit der Gesamtnote bisher schwer ersichtlich, so die Kritik. Außerdem kann man bisher bestimmte Kriterien nicht nebeneinander, etwa durch Filter, vergleichen. Die Berichte sind immer nur einzeln für jedes Heim abrufbar.

Neuerungen des Pflege-TÜV

Das Bundesgesundheitsministerium hatte das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Bielefeld und das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (aQua-Institut) mit der Erstellung eines neuen Bewertungssystems beauftragt. Das neue System basiert auf einer Art interner Qualitätskontrolle, die von außen geprüft wird. Halbjährlich müssen die Heime nun interne Qualitätsdaten an eine Datenauswertungsstelle liefern. Dazu gehören etwa die Zahl von Druckgeschwüren durch Durchliegen, Stürze von Bewohnern aber auch die Fälle von unbeabsichtigtem Gewichtsverlust. Diese Daten werden dann extern auf Plausibilität geprüft – und in Bezug zu allen anderen deutschen Heimen gesetzt.

Die bisherige Prüfpraxis des MDK bleibt bestehen und wird auch herangezogen, um die selbst ermittelten Kontrolldaten zu prüfen. Die Einstufung richtet sich nach einem neuen Bewertungsschema: Festgehalten wird nun, ob es bezüglich eines bestimmten Kriteriums keine Auffälligkeiten oder Defizite gibt, ob es zwar Auffälligkeiten gibt, die aber keine Risiken erwarten lassen bis hin, ob es Defizite gibt, die explizit negative Folgen nach sich gezogen haben.

Kritik von Verbraucherschützern

Laut dem Pflegeverband BIVA haben auch bei diesem neuen System die Betroffenen bzw. deren Angehörige kein Mitspracherecht über die geprüften Kriterien. Die Architekten des neuen Pflege–TÜVs gehen davon aus, dass sich durch permanente Selbstkontrolle letztlich auch die Pflegeleistung selbst verbessert. Hier kritisiert die BIVA – die Interessenvertretung bei Pflege und Betreuung - dass so noch immer Fehler toleriert würden, die letztlich für den einzelnen Betroffenen schwere Konsequenzen haben können.

Erste Ergebnisse ab Frühjahr 2020

Ab 1. Oktober soll das neue Bewertungssystem für alle Heime mit stationärer Langzeitpflege eingeführt werden. Die Informationen über die tatsächliche Lebens- und Versorgungssituation der bundesweit 13.000 stationären Einrichtungen sollen öffentlich zugänglich gemacht werden. Schon ab Frühjahr 2020 werden erste Ergebnisse online zu sehen sein. Bis Ende 2020 haben- so der Plan - alle Heime den neuen Pflege-TÜV durchlaufen. Bei Mängeln kann die Pflegekasse Auflagen erteilen, die Vergütung mindern oder sogar den Versorgungsvertrag kündigen. Außerdem sollen die Prüfer den Pflegekräften Empfehlungen geben, wie die Qualität verbessert werden kann.

Zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 16:24 Uhr

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