Blumen neben einem Bild
Am Montag – dem 40. Jahrestag der Ermordung der beiden Kubaner – haben in Merseburg 200 Menschen den Opfern gedacht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tod von Kubanern Rassismus in der DDR nicht aufgearbeitet

Vor fast 40 Jahren wurden in Merseburg zwei Kubaner zu Tode gehetzt. Das Ereignis wurde in der DDR verschwiegen. Bis heute lehnt die Staatsanwaltschaft neue Ermittlungen ab. Strafrechtler kritisieren das.

Blumen neben einem Bild
Am Montag – dem 40. Jahrestag der Ermordung der beiden Kubaner – haben in Merseburg 200 Menschen den Opfern gedacht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am 12. August 1979 hat eine aufgebrachte Menge in Merseburg eine Gruppe von kubanischen Vertragsarbeitern durch die Stadt gehetzt. Laut Augenzeugenberichten wurden einige Kubaner in die Saale geworfen und mit Wurfgeschossen attackiert. Die DDR-Vertragsarbeiter Delfin Guerra und Raul Garcìa Paret kamen dabei ums Leben. Es ist eine Tat, die es so in dem antifaschistischem Staat nicht geben durfte.

Tage später werden die Leichen der beiden Kubaner aus dem Fluss gezogen. Fünf Tatverdächtige werden 1979 ermittelt und verhört. Teilweise belasten sie sich selbst schwer. Doch dann werden alle Ermittlungen in Merseburg von der Generalstaatsanwaltschaft der DDR eingestellt. Denn die Beziehungen zum sozialistischen Bruderstaat Kuba sollen nicht belastet werden. 2016 berichtet Fakt erstmals über den Fall.

Die Staatsanwaltschaft Halle beginnt, zu ermitteln. Doch sie prüft nur die alten Akten und bestellt lediglich die damalige Gerichtsmedizinerin Uta Romanowski als Zeugin ein. Sie erinnert sich an die Obduktion einer der Leichen: "Der Verstorbene hat mehrere Tage in der Saale gelegen – im Hochsommer. Da waren die Fäulniserscheinungen doch schon weit fortgeschritten." Die Befunderhebung sei bei einem solchen Zustand erschwert. Diese Einschätzung und die Durchsicht der DDR-Akten reicht der Staatsanwaltschaft Halle aus, um das Verfahren einzustellen.

Staatsanwaltschaft Halle lehnt weitere Ermittlungen ab

"Ich halte das für evident rechtswidrig", sagt der Strafrechtsexperte Martin Heger. Er hat sich intensiv mit dem Fall beschäftigt. Die Beendigung der Ermittlungen ist für ihn überhaupt nicht nachvollziehbar.

Man hat fast das Gefühl, man wolle hier Leute bewusst nicht verfolgen.

Martin Heger Strafrechtsexperte
Henriette Quade
Die Landtagsabgeordnete Henriette Quade hat jetzt Strafanzeige gegen die mutmaßlichen Täter gestellt. Bildrechte: IMAGO

Dabei gebe es noch Zeugen, die in Betracht kämen, sagt Heger. Dem müsste man aus seiner Sicht nachgehen. Die Landtagsabgeordnete Henriette Quade hat jetzt Strafanzeige gegen die mutmaßlichen Täter gestellt, denn Mord und versuchter Mord verjähren nicht. "Es wird geleugnet, dass es ein rassistisches Motiv gibt. Es werden Fakten ignoriert, es wird die Betroffenenperspektive ignoriert", sagt die Linken-Politikerin. Sie sagt, es sei "besonders krass", dass sogar Bekenntnisse zur Tat ignoriert würden.

Demonstranten fordern endgültige Klarheit über Todesumstände

Am Montag – dem 40. Jahrestag der Ermordung der beiden Kubaner – haben in Merseburg 200 Menschen den Opfern gedacht. Gemeinsam legten sie Blumen für Delfin Guerra und Raul Garcìa Paret nieder. Die Demonstranten fordern eine endgültige Klarheit über die genauen Todesumstände der beiden kubanischen Vertragsarbeiter.

Doch die gibt es bisher nicht, weil die Staatsanwaltschaft Halle bis jetzt weitere Ermittlungen ablehnt. Eine Gedenktafel, die an den Tod der beiden Kubaner erinnern soll, wird deshalb von der Merseburger Stadtverwaltung verweigert.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 13. August 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2019, 05:00 Uhr