Ein älterer Herr arbeitet 2014 in einem mittelständischen Unternehmen für Maschinenbauteile
Jeder zwölfte Rentner in Deutschland verdient sich heute etwas zur Rente dazu. Bildrechte: imago/Andreas Prost

Trotz Ruhestand Immer mehr Rentner arbeiten

Menschen treffen, Verantwortung übernehmen und ein paar Euro dazuverdienen: Immer mehr Rentner arbeiten trotz Ruhestand - in den ersten drei Jahren fast jeder Dritte, vor allem Frauen. Das zeigt eine Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Ein älterer Herr arbeitet 2014 in einem mittelständischen Unternehmen für Maschinenbauteile
Jeder zwölfte Rentner in Deutschland verdient sich heute etwas zur Rente dazu. Bildrechte: imago/Andreas Prost

In Deutschland ist die Zahl erwerbstätiger Rentner gestiegen. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums waren es 2018 knapp 1,45 Millionen. Das seien acht Prozent der Rentner. Im Jahr 2000 habe der Anteil noch bei drei Prozent gelegen. Den Angaben zufolge ist die Hälfte der Betroffenen geringfügig beschäftigt. Jeweils ein Viertel arbeitet sozialversicherungspflichtig oder selbstständig.

Spaßige Aufgabe oder notwendiges Übel?

Es ist der Spaß an der Arbeit und der Kontakt zu Menschen, der sie antreibt. Das bestätigten 90 Prozent der befragten Rentner dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Gleichzeitig gaben aber auch gut die Hälfte der Männer und knapp zwei Drittel der Frauen an, dass sie das Geld brauchen.

Eine Rentnerin schüttet den Inhalt ihres Geldbeutel auf den Küchentisch.
Die meisten befragten erwerbstätigen Rentner sind froh über eine Aufgabe, brauchen aber auch das Geld. Bildrechte: dpa

Knapp jede zweite Altersrente liegt laut Bundesregierung unter 900 Euro Monat. Das monatliche Haushaltseinkommen ist meist höher, wie der Rentenversicherungsbericht 2018 zeigt. Ein Ehepaar mit einer Person in Rente hatte demnach 2015 im Westen ein Nettoeinkommen von 2.572 Euro, in Ostdeutschland 2.257 Euro. Alleinstehende bekamen etwa 900 bis 1.100 Euro weniger.

Rentner als Lösung für den Fachkräftemangel?

Ruheständler sind begehrt. Immer mehr Unternehmen greifen auf frühere Angestellte zurück: Pensionierte Lehrer stellen sich erneut vor die Klassen, ehemalige Bahn-Mitarbeiter bleiben als „senior expert“ an Bord. Den Fachkräftemangel spürt man aber auch im Kleinen. Rentner tragen Zeitungen aus oder springen als Bademeister in Freibädern ein. Der Bundesagentur für Arbeit zufolge sind sie unter den 450 Euro-Jobbern inzwischen die größte Gruppe.

Und es werden wahrscheinlich noch mehr. Das Arbeitsministerium erwartet einen erneuten Anstieg durch veränderte Lebensentwürfe und den Renteneintritt der Baby-Boomer-Generation. Sozialverbände verweisen hingegen immer wieder auf die Rentenhöhe, die sie in vielen Fällen für zu gering halten. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 10:00 Uhr

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31 Kommentare

20.08.2019 17:21 Kritischer Bürger 31

@Mediator 29: +...Komisch nur, dass die Rente mit 63 boomt. Das klingt so als ob diese Menschen genug Geld haben und gerne in den Ruhestand gehen....+

3 Fragen dazu:
1. Wie viele davon haben 45 soz.-versi.pfl. Arbeitsjahre?
2. Wie viele müssen daher mit Kürzungen rechnen da diese Jahre nicht erreicht sind?
3. Dient der Zuverdienst somit bei wie vielen NUR ALS AUSGLEICH der Kürzungen von Renten?

Können Sie darauf Antworten geben?

20.08.2019 16:47 Arbeitende Rentnerin 30

Mediator und Peter, ver...kann ich mich alleine, wenn Sie Statt Kreuzfahrt Apotheke o.Ä. schreiben würden. Außerdem gehen nicht alle mit 63 mit lebenslangen Abschlägen wegen zu großem Reichtum in Rente, da kann es gewichtige Gründe geben, oft wird man gezwungen durch Ämter oder Lebensumstände. Zum Glück gibt es jetzt genügend bescheidene Minijobs, die kein anderer machen will.

20.08.2019 09:57 Mediator 29

Die Reaktionen auf den Artikel waren absehbar: <oh alles furchtbar schlimm - die armen Rentner MÜSSEN arbeiten um zu überleben>

Komisch nur, dass die Rente mit 63 boomt. Das klingt so als ob diese Menschen genug Geld haben und gerne in den Ruhestand gehen.

Wer sein Leben lang gearbeitet hat, der tut sich übrigens tatsächlich schwer von jetzt auf gleich nichts mehr zu machen. Irgendwann ist jede Wohnung entrümpelt, umdekoriert und auf Vordermann gebracht und dann wird es schnell langweilig, wenn man in keine Strukturen eingebunden ist die einen auffangen. Arbeit ist so eine Struktur.

Dazu kommt hinzu, dass man als Rentern mit Standgas arbeiten kann und alles was man verdient sozusagen "Spielgeld" für die eigenen Wünsche ist. Im Grunde genommen wie bei Schülern die arbeiten, aber eigentlich von den Eltern voll versorgt sind. Alles was man sich dazu verdient steht zur freien Verfügung und dient den meisten zum persönlichen Luxus.

20.08.2019 09:32 hercule 28

Mhh was ist so schlimm daran das Rentner noch arbeiten? Gehen klar sie bessern ihre Rente auf und klar brauchen sie das Geld wer nicht. Aber viele gehen weil sie sonst zu Hause versauern den es ist nicht so das man von einem auf den anderen Tag Rentner sein kann wenn man vorher 45 Jahre jeden Tag arbeiten war.
Und wenn man mal mit Rentner spricht die Arbeiten gehen. Die wollen das und die Kohle ist zweitrangig.
Meiner Meinung nach gehen auch nur ältere Menschen nach der Rente arbeiten, die davor auch gearbeitet haben. Wer davor nicht gearbeitet hat, geht nach dem Renteneintritt auch nicht arbeiten und genau diese Leute würden ja das Geld brauchen

20.08.2019 06:50 Carolus Nappus 27

Wundert mich nicht. Leider erfährt man nicht, wieviele darunter sind, die vorzeitig in Rente gegangen sind und dafür weniger Abschläge in Kauf nehmen müssen als der längere Rentenbezug an zusätzlichen Einkünften bedeutet. Da sind offenbar längst nicht alle ausgebrannt und kaputt, sondern einfach nur Optimierer der eigenen finanziellen Situation. Gäbe es den vorzeitigen Renteneintritt nicht, bräuchten sie ja auch Geld zum Leben und die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, die ja nicht bei den Existenzbedürfnissen aufhören müssen. Insofern gehörte da schon mal alle Vorzeitigen aus freien Stücken rausgerechnet. Das würde wohl gerade die Zahl jener, die "in den ersten drei Jahren" "dazuverdienen" erheblich reduzieren.

19.08.2019 22:27 Kritischer Bürger 26

+...Sozialverbände verweisen hingegen immer wieder auf die Rentenhöhe, die sie in vielen Fällen für zu gering halten....+
Sind Sozialverbände damit nicht weitaus näher an der Wahrheit als das es sich Politiker_innen wünschen?

+...Der Bundesagentur für Arbeit zufolge sind sie unter den 450 Euro-Jobbern inzwischen die größte Gruppe....+
Ich denke das sagt alles aus zu der Realität. Ob von den monatl. 450 € in 12 Monaten dann eine Reise finanzierbar ist lasse man mal dahingestellt denn von der Armut im Lande D wird ja viel zu wenig bezugnehmend mit Einzelfakten geschrieben. Bei solchen Negativ-Realitäten will man als Politiker uva. NICHT SPRECHEN warum muss wohl kaum noch näher erklärbar sein. Wohlstand und Armut sind zwei gegensätzliche Fakten wovon man viel zu oft NUR DAS POSITIVE vermitteln will trotz das wie bei mir im persönl. Umfeld das Negative allgegenwärtig ist.

19.08.2019 22:19 Kritischer Bürger 25

@Peter 23: Würden Sie dann bitte auch noch dazu ausführen über welche Entlohnung dabei gesprochen werden muss. Sicher es ist Realität das Fachkräfte an fast jeder Ecke der Wirtschaft fehlen nur werden diese Rentner_innen dann mit Mindestlohn bezahlt oder auf 450 Euro Basis. Wie dabei die Pflichtversicherungszahlung vom ArbG (50% ArbG & 50% ArbN) aussieht muss wohl nicht näher betrachtet werden.

19.08.2019 21:25 Peter 24

@19 frank d: Bevor Sie weiter auf die faulen Studenten schimpfen, darf ich Ihnen mitteilen, dass die meisten neben ihrem Studium arbeiten gehen, um ihr Studium zu finanzieren.
Gehen Sie abends in einer Universtätsstadt einfach mal in eine Gaststätte, da wird Ihnen der Student das Bier bringen, der am Vormittag noch in der Vorlesung saß.
Wenn Sie in keiner Universitätsstadt leben, fragen Sie bitte Eltern, deren Kinder studieren.

19.08.2019 21:19 Peter 23

@17 gerd + @20 Bürger: Im Text steht und ich zweifle nicht, dass es stimmt: "Ruheständler sind begehrt. Immer mehr Unternehmen greifen auf frühere Angestellte zurück: Pensionierte Lehrer stellen sich erneut vor die Klassen, ehemalige Bahn-Mitarbeiter bleiben als „senior expert“ an Bord. Den Fachkräftemangel spürt man aber auch im Kleinen. Rentner tragen Zeitungen aus oder springen als Bademeister in Freibädern ein."
Und jetzt nehmen wir mal die Zeitungsausträger oder meinetwegen auch die Bademeister raus. Ich habe nämlich in meinem Beitrag auch geschrieben: "Dass einige andere arbeiten gehen, weil ihre Rente zu gering ist, erscheint klar."
Die anderen Rentner arbeiten bestimmt nicht wegen der Altersarmut. Und lieber gerd, das war kein Sarkasmus. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass die mit dem verdienten Geld nächstes Jahr auf Kreuzfahrt gehen.

19.08.2019 20:01 Atze 22

Man traut sich ja kaum mal seine Enkel zu fragen, ob sie auch mal beim Unkraut jäten helfen würden.
Ich kann da nur lachen, was das mal werden soll. Die Jungen sind nicht zu beneiden, denn bei Technik 4.0 werden wohl eine Menge auf der Strecke bleiben. Leider. Die jungen Eltern wären gut beraten, ihre Sprösslinge auch praktisch zu erziehen. Wir mussten uns auch krümmen, auf dem Kartoffelfeld oder beim Rübenhacken. Jetzt aber haben die Mädchen mit 10/11 Jahren schon die Fingernägel lackiert und damit ist schmutzige Arbeit eigentlich fast ausgeschlossen. Lacht nicht, ich spreche aus der Praxis.....!