Neonazi-Musikproduzent Vom "Satansmörder" zum rechtsextremistischen Netzwerker

Der sogenannte "Satansmord von Sondershausen" sorgte vor 26 Jahren für Entsetzen. Mit der Zeit wurde klar, einer der Täter war auch ein überzeugter Neonazi. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

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Exakt Mi 03.07.2019 20:15Uhr 05:08 min

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Vor 26 Jahren sorgte der "Satansmord von Sondershausen" bundesweit für Entsetzen. Drei Teenager ermordeten grausam einen Mitschüler und verscharrten ihn im Wald. Medien und Öffentlichkeit waren schnell überzeugt: Satanismus sei das Mordmotiv – auch weil die Täter zusammen in der Black Metal-Band "Absurd" spielten. Doch mit der Zeit wurde klar – Hendrik Möbus, einer der beiden Haupttäter, war auch ein überzeugter Neonazi. Daran hat sich bis heute offenbar nichts geändert.

Brutaler Mord sorgte bundesweit für Schlagzeilen

Darauf zu sehen ist der sogenannte "Satansmörder von Sangershausen".
Hendrik Möbus (Mitte) hat beste Netzwerke in rechtsextremistische Kreise geknüpft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hendrik Möbus ist inzwischen ein erfolgreicher Neonazi-Musikproduzent, warnt die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Die Linke): "Jetzt ist er wieder da, auch mit seiner Band. Vielleicht wittert er auch einfach das große Geschäft. 23.000 organisierte Neonazis, 12.000 gewaltbereite. Das ist ein Höchststand. Das gab es noch nie." Diese wollten alle bespielt werden.

Die Nazi-Karriere von Möbus beginnt bereits 1993. In einer Waldhütte bei Sondershausen wird der 15-jährige Sandro Beyer von seinen Mitschülern Hendrik Möbus, Sebastian S. und Andreas K. erdrosselt. Alle drei Täter kommen aus geordneten Elternhäusern – Hendriks Vater ist Landtagsabgeordneter der CDU in Thüringen. Der brutale Mord sorgt bundesweit für Schlagzeilen.

Möbus betreibt wichtigsten Versand für NS-Black-Metal

Nach insgesamt zwölf Jahren im Gefängnis ist Möbus seit 2007 wieder auf freiem Fuß. Seine Gesinnung hat er offenbar nicht geändert. Als in Themar im Oktober 2017 zum dritten Mal ein Neonazi-Großkonzert stattfindet ist auch Möbus dabei. Heute betreibt er den bedeutendsten Versand für "Nationalsozialistischen Black Metal"  (NSBM)  – eine spezielle Strömung in der rechtsextremen Musikszene.

"Möbus ist seit den Neunzigerjahren eine sehr, sehr wichtige Person. Er hat verschiedenste NS-Black-Metal-Verbände", sagt ein Szenekenner, der anonym bleiben will. So habe dieser etwa versucht die "Deutsche Heidnische Front" oder die "Pagan-Front" auch international zu etablieren. Möbus gelte als einer der wichtigsten Konzertveranstalter in Deutschland. "Und er ist einfach ein Bindeglied zwischen einer militanten Black-Metal-Szene, der Rechtsrock-Szene und verbotenen Netzwerken wie "Blood & Honour" oder "Hammerskins". Das ist einfach ein Ermöglicher, ein Netzwerker.“

Organisation von Großkonzerten und Kontakte bis in die Ukraine

Darauf zu sehen ist der sogenannte "Satansmörder von Sangershausen".
In der Ukraine hat Möbus (links) beste Kontake in militante Kreise geknüpft - insbesondere in das Faschisten-Bataillon "Asow". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Möbus organisiert konspirative Neonazi-Black-Metal-Konzerte in Tschechien und im Erzgebirge und ist an der Organisation von Großkonzerten in Italien beteiligt. Auch mit seiner Band "Absurd" ist Möbus wieder aktiv.  Er tritt europaweit bei Neonazi-Festivals auf – etwa in der Ukraine.

In der Ukraine hat Möbus beste Kontakte in militante Kreise geknüpft – insbesondere in das Netzwerk des Faschisten-Bataillons "Asow", das in der Ostukraine kämpft. "Asow" hat seine eigene Musikevent-, Geld- und Propagandamaschinerie und ist ein Sammelbecken für europäische Rechtsextremisten.  Die Vertreter von "Asow" sind auch in Deutschland aktiv – wie etwa bei einem Neonazi-Konzert des "Dritten Weg". Mit dabei war auch Hendrik Möbus. Seine Netzwerke scheinen zu funktionieren.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 03. Juli 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Juli 2019, 05:00 Uhr