Hochschullehre Im digitalen Hörsaal

Viele Bibliotheken sind geschlossen und die Vorlesungen finden online statt. Darum sind derzeit eine gute Internetverbindung und technische Ausrüstung essenziell für Studierende. Wie gut funktioniert die digitale Lehre?

Professor Jürgen Müller nimmt an eine Videokonferenz teil
Seminare und Vorlesungen finden derzeit online statt. Laut Umfragen ist der Großteil der Studierenden in Mitteldeutschland gut dafür ausgestattet. Bildrechte: MDR/Franziska Heymann

Amanda Steinmaus ist Studentin und im Vorstand des Dachverbands von Studierendenvertretungen in Deutschland. Sie nimmt zwar momentan nicht an der Online-Lehre teil, kennt das Problem mit schlechter Internetverbindung aber aus ihrem Umfeld: "Eigentlich kommt es immer vor, dass irgendwem das Internet wegbricht. Freundinnen von mir sind in einer WG zu viert und dann ist es natürlich klar, wenn alle vier gleichzeitig was streamen wollen, dass dann das Internet nicht immer ausreicht."

Die Bedingungen seien zumindest für manche Studierende problematisch, das gehe von Personen ohne technisches Endgerät, die nur auf ein Smartphone zurückgreifen können, bis zu Internetschwierigkeiten, sagt Amanda Steinmaus. Dazu komme noch, dass die Corona-Krise außergewöhnliche Lasten, wie z. B. einen Jobverlust, mit sich bringt.

Laut Umfragen der TU Dresden und MDR AKTUELL verfügen die meisten Studierenden über eine gute Ausstattung

Umfragen und Zahlen zu der Frage, wie sehr schlechtes Internet aktuell die digitale Lehre beeinflusst, gibt es bislang kaum. Eine Umfrage der TU Dresden zu diesem Thema mit 134 Befragten zeigt: Die technische Ausstattung der Studierenden ist gut. Knapp 90 Prozent gaben an, der eigene Internetanschluss verfüge über keine Begrenzung des Datenvolumens – sie könnten also unbegrenzt Folien herunterladen und Lernvideos anschauen. Auch Mikrofone, Lautsprecher und Kamera sind bei mindestens 80 Prozent der Befragten vorhanden.

Diesen Eindruck bestätigt eine kurze Umfrage von MDR AKTUELL unter mitteldeutschen Hochschulen: Der Hochschule Schmalkalden seien keine nennenswerten Probleme mit schlechtem Internet bekannt. Auch eine interne Umfrage der Hochschule Gera-Eisenach aus dem April zeigt: Nur bei drei Prozent der Befragten sei die private Internetverbindung so schlecht, dass man digitale Angebote nicht nutzen könne.

Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden ist schwieriger

Ähnliches beobachtet Stefan Twieg, Professor für Elektrotechnik an der Hochschule Anhalt. Vereinzelt sei die Internetqualität mal schlechter und das Video werde unterbrochen. Schwierig sei aber etwas anderes in der Online-Lehre:

Die Anonymität des Internets, die ist natürlich nicht hilfreich.

Stefan Twieg Professor für Elektrotechnik, Hochschule Anhalt

Es sei schon merklich, dass es einigen Studierenden nicht leicht falle, Inhalte mitzunehmen. Aber auch die Kommunikation untereinander sei teilweise schwierig, wenn die Kameras oder Mikrofone nicht richtig genutzt werden.

Learning by Doing im Umgang mit digitaler Lehre

Im besten Fall werden sich Studierende an diese Umstellung gewöhnen. Es könnte allerdings sein, dass sich dann auch ein anderes Bild ergibt, was technische Ausstattung und Internetverbindung betrifft.  Aktuell würden viele Befragungen erst durchgeführt, erklärt Yasmin Djabarian vom Hochschulforum Digitalisierung.

"Wie sind sie denn technisch ausgestattet? Wir gestaltet sich der digitale Workload im digitalen Sommersemester? Viele Studierende sind in Ihren WGs mit vier Mitbewohnerinnen, alle sind gleichzeitig in der Videokonferenz oder sie sitzen in ihrem alten Kinderzimmer, vielleicht bei Eltern im ländlichen Raum, und haben ganz andere Hürden, an synchronen Lernangeboten teilzunehmen, an Videokonferenzen oder Ähnlichem."

Es sei wichtig, solche Fragen im Laufe des Semesters zu klären und sich dann mit den Studierenden auszutauschen, wo Lernbedingungen verbessert werden müssten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juni 2020 | 05:00 Uhr

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