Vier Tage Großübung gegen Schweinepest in Sachsen

Die Afrikanische Schweinepest bedroht Deutschland derzeit von zwei Seiten: In Polen wurden Mitte November tote Wildschweine gefunden, die an dem Virus gestorben waren. Und auch in Belgien ist die Seuche ausgebrochen. In Sachsen startet Montag eine Großübung, um auf den Ausbruch der Seuche hierzulande reagieren zu können.

Ein Polnischer Veterinär trainiert bei einer Notfallübung Maߟnahmen für den Fall des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP).
Auch in Polen trainierten Veterinäre bei einer Notfallübung Maߟnahmen für den Fall des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Bildrechte: dpa

Ein totes Wildschwein liegt an einem Bach, die Schnauze ist mit schaumigem Blut verschmiert. So das Szenario. Veterinärmediziner nehmen Proben aus der Schenkelader oder den Lymphknoten. Die Untersuchung ergibt: Das Tier ist an der Afrikanischen Schweinepest, kurz ASP, verendet. Ein für Schweine meist tödlicher Virus, erklärt Professor Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich Löffler Instituts, dem Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit.

Die Afrikanische Schweinepest führe zunächst zu hohem Fieber, das heiße, die Tiere würden auch entsprechend lethargisch und innerhalb weniger Tage würden sie sterben. Es komme da zu inneren Blutungen. Es sei einmal der Begriff geprägt worden, das sei das Ebola der Schweine - so ein bisschen stimme das auch. Aus Körpersekreten wie Blut wird dann das Virus ausgeschieden, durch welches sich dann auch andere Tiere direkt infizieren könnten.

Sachsen will sich rüsten

Das an der Afrikanischen Schweinepest verendete Wildschwein am Bach wurde in Wirklichkeit in Deutschland noch nicht gefunden. Aber um eben auf diesen Tag X vorbereitet zu sein, dient die viertägige Großübung in Sachsen. Der Freistaat Sachsen, die Landkreise und die kreisfreien Städte würden sich dabei an dem tschechischen Modell orientieren, erklärt Dr. Stefan Koch, Leiter der Abteilung Veterinär- und Gesundheitswesen im sächsischen Sozialministerium.

"Das heißt, wir werden einen Bereich um die erste Fundstelle einzäunen, die Größe richtet sich da auch nach den Gegebenheiten, ob da Wälder, Felder, Straßen oder Seen sind. Dann ist das Bestreben, alle Tiere dort zu erlegen, die krank sein können – und auch die toten zu finden. Das wird seine Zeit in Anspruch nehmen, aber genau das ist das Ziel, damit der Ansteckungsherd beseitigt wird."

Viele Wildschweine zu schießen, zeigt Wirkung

Bislang ist es nur Tschechien gelungen, sich von der Afrikanischen Schweinepest wieder zu befreien. Die Einteilung des Gebiets um die erste Fundstelle in ein Kerngebiet, einen gefährdeten Bezirk und eine Pufferzone hat sich als erfolgreiche Strategie herausgestellt. Für alle Bereiche gilt das Ziel: Möglichst viele Wildschweine zu schießen. Um die Tiere zu finden, setzt Sachsen auch auf Drohnen. "Wenn wir ein Gebiet haben, indem wir die Wildschweine heraushaben wollen, dann müssen wir sie ja finden, um sie dann zu schießen", sagt Stefan Koch. Drohnen mit Wärmebildkamera könnten da hilfreich sein.

Solch eine Drohne wird auch an den vier Übungstagen getestet. Außerdem wird der Schutzzaun aufgebaut, infizierte Kadaver werden beseitigt und es wird getestet, wie die Kommunikationswege am effektivsten funktionieren.

Es ist zu erwarten, dass die Afrikanische Schweinepest irgendwann in Deutschland auftritt. Wann und wo kann aber nicht gesagt werden.

Dr. Stefan Koch, Leiter der Abteilung Veterinärwesen

Wenn es soweit ist, braucht es in Sachsen 12 bis 24 Stunden, um alle Strukturen zu aktivieren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Dezember 2019 | 06:10 Uhr

1 Kommentar

wer auch immer vor 35 Wochen

Jetzt stellt sich auch noch die Natur gegen unsere Esskultur.
Rind, Hammel und Ziege wird wohl dann in allen Haushalten Einzug halten.