Eine Krankenschwester eilt durch einen Krankenhausflur
Vor allem in den Notaufnahmen geraten Mediziner immer wieder mit aggressiven Patienten aneinander. Bildrechte: Colourbox.de

Tatort Notaufnahme Selbstverteidigungskurse für Ärzte in Thüringen

In Krankenhäusern und Kliniken kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen im Wartebereich. Aggressive Patienten beleidigen oder greifen das Personal sogar körperlich an. Besonders in den Notaufnahmen der Kliniken häufen sich diese Fälle. Die Krankenhäuser arbeiten deshalb inzwischen zum Teil mit Sicherheitspersonal. Und mancher Arzt denkt über einen Selbstverteidigungskurs nach.

von Sven Kochale, MDR AKTUELL

Eine Krankenschwester eilt durch einen Krankenhausflur
Vor allem in den Notaufnahmen geraten Mediziner immer wieder mit aggressiven Patienten aneinander. Bildrechte: Colourbox.de

Kathleen Mann aus dem Eichsfeld arbeitet als Oberärztin in einer Klinik. Dort ist sie schon häufiger Patienten begegnet, die pöbeln und ausfallend werden. Und manchmal bleibt es nicht bei verbalen Angriffen, erklärt die Ärztin: "Ich habe schon erlebt, dass Patienten ein Messer im Nachtschrank hatten - und mit dem Messer auf den Arzt los sind." Das sei dann wirklich gefährlich.

Um Ärzte und Helfer besser zu schützen, bietet die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen seit Jahren schon spezielle Seminare an, erklärt die Vorstandsvorsitzende Annette Rommel. Die Teilnehmer setzen sich hier mit Stress-Situationen auseinander und entwickeln Strategien, um Patienten zu beruhigen.

Zunehmende Aggressivität

Das kann ein nettes Lächeln sein oder ein energisches Wort. Aber auch Verteidigungstechniken stehen auf dem Programm. Rommel zufolge habe die zunehmende Aggressivität von Menschen in allen Gesellschaftsbereichen dazu geführt, dass man nun auch Kurse anbiete, in denen Selbstverteidigung gelehrt wird: "Die Ärzte, die für sich eine Notwendigkeit sehen, nehmen das an."

Das sei zwar nicht die übergroße Mehrheit der Ärzte, schränkt sie ein. Doch die Kurse gehören inzwischen zum festen Programm und sollen weitergeführt werden. Einen Grund für den zunehmend rauen Ton in Krankenhäusern und Arztpraxen sieht Annette Rommel im Anspruchsdenken der Patienten. "Ganz oft ist es so, dass Menschen, die verbal aggressiv werden oder andere Menschen angreifen, nicht verstehen, warum bestimmte Maßnahmen ergriffen werden."

Rommel zufolge würden viele Patienten oft nicht verstehen, warum sie warten müssen und ein Rezept nicht sofort bekommen können. Diese Patienten seien dann auch nicht bereit, das zu akzeptieren und mit dem Personal in Kommunikation zu treten.

Eigener Vorteil statt Solidarität

Wissenschaftler bestätigen diese Beobachtung. Der Konfliktforscher Andreas Zick stellt fest, dass generell egoistische Züge immer stärker hervortreten. Zicks Studien zufolge denke etwa ein Viertel der Bevölkerung, dass es in der Gesellschaft nicht um Solidarität und gegenseitige Hilfe gehe, sondern um den eigenen Vorteil.

Diese Menschen glauben, dass die anderen ihnen etwas liefern müssen.

Andreas Zick Konfliktforscher

Erfahrung mit Gewalt

In einer Umfrage im vergangenen Jahr gaben 38 Prozent der befragten Ärzte an, dass sie schon einmal beleidigt oder beschimpft wurden. Vereinzelt berichteten sie auch von körperlichen Übergriffen.

Dennoch folgen nicht alle der Thüringer Strategie. Die Kassenärztlichen Vereinigungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt jedenfalls bieten keine Selbstverteidigungskurse an.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. April 2019, 05:00 Uhr

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42 Kommentare

24.04.2019 18:22 Schrödi 42

Nun, allzu oft ist aber so, dass sich die aggressiven Patienten schon am Pflegepersonal ausgelassen haben, bevor sie beim Arzt angekommen sind. Sicherheitsdienste gibt es deshalb erst, seitdem auch Ärzte bedroht werden. Leider ist das eine Erfahrung, die viele Pflegekräfte machen mussten.

24.04.2019 14:23 winfried zu (40)Helmut Zilliken 41

Sie fragen die Redaktion, warum nur "Menschen" genannt wird. Später im Artikel steht die Antwort.
Dort heißt es:
"Ganz oft ist es so, dass Menschen, die verbal aggressiv werden oder andere Menschen angreifen, nicht verstehen, warum bestimmte Maßnahmen ergriffen werden."
Es handelt sich offensichtlich um Menschen die die deutsche Sprache nur wenig oder gar nicht verstehen.
Dies verstehe ich auch als Hinweis, dass es keine Herkunftsdeutschen sind.

24.04.2019 13:24 Helmut Zilliken 40

Warum werden die Mitarbeiter in Krankenhäusern nicht nach dem Migrationshintergrund der Pöbler befragt??? Warum steht in Ihrem Artikel lediglich Menschen (als ob Goldfische pöbeln würden) oder Patienten (als ob ein in der Intensiv Liegender sein Messer zückt)?

24.04.2019 07:48 Wo geht es hin? 39

@Peter - Zitat von Ihnen: "@23 Lilly: Na aber, ich kann mir durchaus vorstellen, dass die "Wutbürger", die montags in Dresden pöbeln, auch in der Notaufnahme "die Sau rauslassen"." Zitat Ende. Vorstellen ist nicht WISSEN. Wie so oft und damit nicht überraschend bei Ihnen. Sie müssten mal mit meiner Schwiegertochter reden - die arbeitet rollende Woche in der Notaufnahme eines großen Dresdner Krankenhauses. WAS für ein Klientel dort ständig für Ärger sorgt, dürfte dabei aber nicht in Ihre "Vorstellung" passen. Ich aber WEISS es - im Gegensatz zu Ihnen!

23.04.2019 18:32 Dh 38

@ Pille, Sie scheinen heute ja sehr umtriebig zu sein. Zuerst einmal vielen Dank für Ihren helfenden Hinweis. Aber anders wie Sie nutze ich nicht so häufig die Segnungen unseres Gesunsheitswesen. Da kann schon mal der Hypochonder falsch daher kommen. Auch habe ich nur ein Ostabi und Studienabschluss, was in ihren Augen sicher ein Standortnachteil ist. Einwas müssen Sie mir aber mal erklären. Wie kommen Sie auf das dünne Brett, dass ich ein Ausländerfeind bin? Basiert diese Sicht der Dinge aus einer paranoiden, alles wissenden Wessiüberheblichkeit heraus?Motto, alle kritischen Ostdeutschen sind Nazis. Nein! Ich bin kein Ausländerfeind. Wenn die mich in Ruhe lassen, ehrlich, sind sie mir scheiss egal. Nur gehöre ich nicht zu den Bahnhofsklatschern, die wegen der Kulturbereicherer von einer Verzückung in die andere fallen. Richtig unsymphatisch sind mir aber arrogante Besserwessis. Dazu haben wir Ostdeutschen zu viele Ungerechtigkeiten und Kränkungen hinnehmen müssen.

[Liebe Nutzer,

bitte wahren Sie in der Diskussion - bei allen inhaltlichen Differenzen - bitte einen sachlichen Umgangston. Beleidigungen, Verleumdungen, u.ä. werden nicht geduldet.

Die MDR.de-Redaktion]

23.04.2019 17:27 Auf zum letzten Gefecht! 37

@Peter,
gibt es eigentlich ein Thema hier im MDR, wo sie auch ernsthaft mitdiskutieren, ohne es auf Pegida oder AfD zu projektieren?

23.04.2019 16:41 Pille 36

@Dh zum Thema Ausländeranteil in Thüringen
Googeln Sie nach "Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung in Thüringen von 2004 bis 2018"
Dort zB finden Sie für 2018 einen noch niedrigeren Wert.
Bestimmt gefäscht und aus dem Westen, oder ?

23.04.2019 16:31 Pille 35

@23.04.2019 15:30 Dh
Die Nationalität der Menschen haben Sie woran genau erkannt ?
Aber schön, wenn dem so war, haben Sie ja die Erfahrung gemacht, dass Ausländer ebenso friedlich sind, wie die Deutschen. Oder andersherum: Idioten gibt es überall.
Natürlich ist der Ärztemangel ein großes Problem. Gerade in ländliche Gegenden. Bei uns nehmen Allgemeinmediziner schon lange keine neuen Patienten mehr auf.
In "Wessisprech" heisst es übrigens Hypochonder.

23.04.2019 15:37 MaP 34

@ Pille
Da es sich hier um einen Kommentarbereich zu einem Artikel handelt und wir uns nicht in einem Chatroom befinden, eine letzte kurze Erwiderung: die Vorkommnisse, von denen ich nur eine kleine Auswahl genannt habe, werden eher medial "unter der Decke gehalten". Regionalzeitungen sind manchmal hilfreich. Ansonsten wirklich mal den Tipp aus Komm. 16 aufgreifen. Hier sind allgemeingültige Schlüsse für alle adäquaten Berufsgruppen, zu denen ich durchaus auch den medizinischen Bereich zähle, angebracht.

23.04.2019 15:30 Dh 33

@pille, Sie scheinen aus dem Westen zu stammen. Alte Bundesländer sage ich absichtlich nicht. Aber glauben Sie mir, ihre Herkunft können Sie nicht verleugnen. Ebenso die Quelle ihrer Informationen. 6-8 % Ausländeranteil in Thüringen.Ha,ha,ha. Selten so gelacht. Aber wie dem auch sei. Vor einem Jahr war ich gezwungen, mit einem Freund, die Notaufnahme in einer Thüringer Großstadt aufzusuchen. Dieser war auf einem kommunalen Gehweg, der sich in einem landestypischen (katastrophalen) Zustand befand, gestürzt und hatte sich das Handgelenk gebrochen. In der Notaufnahme habe ich jedenfalls keine Simulanten, Hypokonter oder Helikoptereltern (doofes Wessisprech) gesehen.Dafür waren 3/4 der Patienten, Ausländer. Abgesehen davon, dass wir 8 Stunden gewartet haben, haben die Ärzte, Schwestern und Pfleger einen guten Job gemacht. Respekt und Dankbarkeit trotz des Wartens. lch glaube alle Patienten Deutsche und Ausländer waren froh, dass Ihnen in der Noraufnahme professionell geholfen wurde.