Sachsen Immer wieder Angriffe auf Sorben

Sie sind ein Volk ohne eigenes Land, aber mit einer eigenen Sprache und einer eigenen Kultur – die Sorben. 40.000 sind es Sachsen. Doch es gibt auch immer wieder Probleme mit Hass auf diese slawische Bevölkerungsgruppe.

Eine Fotowand. 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach einer Faschingsparty eines sorbischen Gymnasiums wurde im Februar 2020 der junge Sorbe Paul Ziesch angegriffen. Ein Täter schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Er wurde verletzt und versuchte, mit seinem Auto zu fliehen. "Da standen 25 Leute um mein Auto", sagt Paul Ziesch. Die Männer schlagen auf das Blech und die Scheiben. "Einfach nur bumm, bumm, bumm."

Ein junger Mann mit Basecap
Paul Ziesch wurde in seinem Auto attackiert und verletzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Schläger waren ungebetene Gäste der Party – sie hatten offenbar gezielt sorbische Schüler ins Visier genommen. Der Haupttäter soll ein polizeibekannter Schläger mit russischen Wurzeln sein. Er war nicht allein. "Seine Gruppe ist ja auch bekannt aus der Neonazi-Szene", sagt Paul Ziesch. Diese seien nur da gewesen, um Angst einzujagen und zu provozieren. "Es sind starke und zum Kampf bereite Leute."

Weniger Angriffe registriert, aber hohe Dunkelziffer?

Angriffe auf Sorben: Laut Sächsischen Innenministerium ging die Zahl der Übergriffe 2019 auf zwei Taten zurück. Ganz ähnlich ist es in diesem Jahr, vermutlich auch aufgrund der Pandemie-Maßnahmen. Doch besonders sticht das Jahr 2018 hervor: Es fanden zehn antisorbische Gewalttaten statt.

Auch damals war Schönau betroffen, auch 2018 mischten sich Neonazis unter die Gäste einer Party des sorbischen Gymnasiums. "Ich hab halt gerufen: Scheiß Nazis!", sagt Mikławš Bresam. "Auf einmal kamen die alle vor mich. Und dann kam die erste Faust ins linke Auge." Der junge Sorbe floh auf die Toilette, schloss sich ein und informiert seinen Bruder per Handy. Die Männer schlugen gegen die Tür.

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Mikławš Bresam floh vor den Angreifern auf die Toilette. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Irgendwann habe ich aufgemacht und dann haben sie mich nochmal geschlagen", sagt Mikławš Bresam. "Die Lippe war aufgeplatzt, das Auge war ziemlich stark angeschwollen", berichtet sein Bruder Zyman Bresam. Die beiden sind überzeugt, dass rechtsextreme Schläger gezielt gegen Sorben vorgehen. "Sonst können sie auch auf jede andere Party gehen. Das ist schon ausgesucht […] und die sind nur auf Stunk aus."

Gewalt gegen junge Sorben nicht verschwunden

So ähnlich war es auch im Jahr 2014. Damals berichtete MDR exakt zum ersten Mal über die Angriffe auf Sorben. Bis dahin hatten die Betroffenen aus Scham geschwiegen. Das Problem, dass sorbisch sprechende Menschen schon seit Jahren hatten, war deshalb in der Öffentlichkeit nicht bekannt. 2014 verbreitete eine Gruppe vermummter Neonazis Angst und Schrecken unter sorbischen Jugendlichen.

Beim sorbischen Dachverband "Domowina" in Bautzen war man geschockt über die Serie rechtsextremer Taten. "Ich muss heute wirklich sagen, dass rückblickend auf die bisherigen sechs Jahre die Zusammenarbeit sehr förderlich ist und die Polizei auch die nötige Sensibilität mitbringt, um in dieser Sache wirklich aufzuklären", sagt der Verbandsvorsitzende Dawid Statnik.

Die Gewalt gegen sorbische Jugendliche ist aber nicht verschwunden. Es gebe eine Dunkelziffer von antisorbischen Übergriffen, erklärt die "Domowina". "Es verändert einen natürlich, wenn man weiß, dass man einer Kultur angehört, die von anderen nicht als gut geheißen wird oder als Grund benutzt wird, um zuzuschlagen", sagt Dawid Statnik.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. Juli 2020 | 20:15 Uhr

15 Kommentare

Wessi vor 13 Wochen

@ Elbflorenz ....das stimmt politisch so nicht ganz+kulturell überhaupt nicht, denn wir haben gerade darum einen erfolgreichen,föderalen Staat.Ohne den Bundesrat kann die Bundesregierung in vielen Fällen nicht machen, was sie will.Und das ist gewollt.Der Unterschied ist eben,daß die Sorben kein eigenes Bundesland haben, was sie wiederum auf eine Stufe mit den Dänen stellte.Der Unterschied ist aber, daß die SH-Dänen stark von Dänemark unterstützt werden und nie in eine solche Situation wie die Sorben kommen können."Sprachen" (wie platt,alemanisch) ist nur ein Punkt der Kultur, da gibt es auch mehr, denn dann sind da ja auch noch Dialekte innerhalb dieser.Und Dialekte des Hochdeutschen.Es geht hier um Identifikation+den national-zentralistischen Kampf gg. alles,"was anders ist"! So was gibt es in den meisten Diktaturen,s.Franco!

Wessi vor 13 Wochen

@ Mikro ...das glaube ich Ihnen aufs Wort, aber ich darf Sie daran erinnern, wer sich wem anschloß.In Schleswig-Holstein gibt es eine große dänische Minderheit.Die greift niemand an.Der Unterschied zu den Sorben mag sein, daß sie parlamentarisch quasi Zwangsquoten haben+ausserdem ein ganzes Land dahinter steht und sogar Geld zahlt.

mattotaupa vor 13 Wochen

sie meinen sowas wie chrupalla oder mandić? aber namen wie frohnmaier und tillschneider täuschen ja auch nur darüber weg, daß diese eigentlich aus rumänien kommen und wenn man die maßstäbe von "Arbeitende Rentnerin" anlegt, "hier nichts zu suchen haben". scheinbar haben die alle ein persönliches problem und wollen unnötigerweise besonders deutsch sein, weil ihre herkunft dies so offensichtlich widerlegt.

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