Tierschutz Versagt der Staat bei den Kontrollen?

Immer wieder kommt es zu schweren Verstößen gegen den Tierschutz. In einer Region hat es sich besonders gehäuft, dort haben die Kontrollen in den Kuhställen versagt, denn diese wurden nach FAKT-Recherchen den Bauern jahrelang angekündigt.

Auf diesem Hof ist fast jede zweite Kuh offensichtlich krank. Verschmutzt, verletzt und manche verstorben: Das zeigen Aufnahmen aus einem Milchviehbetrieb in Dietmannsried. Die Behörde hat dem Bauern inzwischen die Tierhaltung untersagt. Doch im Allgäu haben sich seit Mitte 2019 die Tierschutzskandale in Kuhställen gehäuft – wie konnte es dazu kommen?

Über ein Vierteljahr lang haben Kontrolleure immer wieder unhaltbare Zustände auf dem Hof festgestellt. Man habe dem Bauern "im Rahmen der Kontrollen ins Gewissen geredet", sagt der Pressesprecher des zuständigen Landratsamtes in Sonthofen.

Doch die Veterinäre bewirken nichts. "FAKT" liegt der genaue Verlauf  der Ereignisse vor: Erst nach der fünften Kontrolle und den ersten Presseberichten erlässt der Landkreis das Tierhaltungsverbot.

Behörden sprachen von Einzelfällen

Viel zu spät, sagen Kritiker. "Da erwarte ich von jeder Behörde, dass sie sofort einschreitet und dieses Tierleid sofort beendet", sagt die agrarpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, Rosi Steinberger. "Ich finde, das ist ein Versagen der Behörden. Dass ist ein Staatsversagen", erklärt ihr Kollege von der SPD, Florian von Brunn.

Dies ist bereits der fünfte Milchviehbetrieb, der innerhalb kurzer Zeit auf engem Raum durch schwere Missstände auffällt. Los ging es wenige Kilometer entfernt in Bad Grönenbach. Mehrfach hat "FAKT" über diesen Tierschutzskandal berichtet. Die Behörden meinten, das sei ein Einzelfall.

Da frage man sich, was in dieser Region los sei, meint die Grünen-Landtagsabgeordnete Steinberger. "Wie behandelt ihr eure Tiere und wie schaut die Veterinärkontrolle aus." Dieser Frage ist "FAKT" bereits vor acht Monaten nachgegangen. Der zuständige Landrat Hans-Joachim Weirather (Freie Wähler) wollte von Vorwarnung durch die Behörden an die Betriebe nichts wissen.

Ein Bauer packt aus

Zwei Männer im Gespräch
Der "FAKT"-Reporter im Gespräch mit dem Bauern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Inzwischen räumt das Landratsamt auf unsere Nachfragen ein, dass lange Zeit bestimmte Regelkontrollen tatsächlich angemeldet wurden. Seit 2017 aber nicht mehr. Doch ein Landwirt sagt gegenüber "FAKT" etwas anderes. Dessen Hof steht ebenfalls im Unterallgäu. "Man hat immer zwei bis drei Tage vor einer Kontrolle einen Anruf  bekommen. Da wurde mitgeteilt, in welchem Bereich genau kontrolliert wird", erklärt der Bauer, der anonym bleiben will, da er persönliche Nachteile befürchtet.  "Wir haben dann natürlich versucht, in dieser Zeit alles in Ordnung zu bringen, so dass die Kontrolleure keine Mängel mehr feststellen."

Zudem widerspricht der Landwirt der Aussage des Landrats. Vorwarnungen habe es noch bis Mitte 2019 gegeben. "Vom Veterinäramt waren die letzten acht bis zehn Jahre alle Kontrollen angemeldet", sagt er. Geändert habe sich dieses Vorgehen erst, nachdem der Skandalbetrieb in Bad Grönenbach aufgeflogen war.

"Das ist unfassbar", sagt Steinberger. "Wir sind im bayerischen Landtag angelogen worden", sagt SPD-Landtagsabgeordneter von Brunn. Den Politiker sei gesagt worden, es gab keine angekündigten Kontrollen. "Das deutet ja darauf hin, dass man es diesen Tierquälern geradezu leicht gemacht hat. Ich würde sagen, es ist fast schon Beihilfe."

Das bayerische Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz erklärt auf "FAKT"-Anfrage, man werde sich umfassend vom Landratsamt über den Sachverhalt berichten lassen. Zudem soll aufgrund der Allgäuer Tierschutzskandale das Kontrollsystem umfassend reformiert werden.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 17. März 2020 | 23:00 Uhr