Corona-Sterblichkeit Sterben weniger Menschen an Corona?

Am Wochenende haben wieder Tausende gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Die Argumente: Das Virus sei weniger schlimm, die Infektionszahlen übertrieben und die Sterblichkeitsrate sowieso. Aber stimmt das wirklich?

Dr. Julius Dengler zeigt Behandlungskurven von Corona-Patienten
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Immer wieder werden Rufe laut, die Sterberate der mit Covid-19 Infizierten sei übertrieben oder zumindest rückläufig. Das ARD-Magazin "FAKT" hat recherchiert, ob und wie sich die Zahlen verändert haben. Laut den Zahlen des Robert-Koch-Instituts ist die Sterberate tatsächlich zurückgegangen. Ihren Höhepunkt hat sie Anfang April erreicht, als sieben Prozent der Infizierten am Virus verstorben sind. Seit Anfang Juni beträgt die Sterberate im Schnitt nur noch etwa 0,7 Prozent.

Ist das Virus ungefährlicher geworden?

Hat sich das Virus verändert? "Nein", sagt Professor Alexander Dalpke, Leiter des Instituts für Virologie der TU Dresden: "Die Sterberate bezieht immer zwei Zahlen mit ein. Das eine sind die an Covid-19 Verstorbenen, die kann man relativ gut erfassen und relativ genau bestimmen. Und das bezieht man dann auf die Gesamtheit der Erkrankten. Und diese Gesamtheit lässt sich natürlich nur mit einem Unsicherheitsfaktor bestimmen." Die Zahl der Getesteten nimmt also zu und damit auch die Zahl der erkannten Fälle.

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Die Sterblichkeit aufgrund von Corona ist in den letzten Monaten erheblich zurückgegangen. Woran liegt das?

FAKT Di 01.09.2020 21:45Uhr 05:22 min

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Ein weiterer Grund der niedrigen Sterberate liegt in der Altersstruktur der Infizierten. Während sich zu Beginn der Pandemie vor allem ältere Menschen infizierten, sind es jetzt die Jüngeren. Diese haben häufig weniger schwere Krankheitsverläufe, bis hin zu Verläufen ohne Symptome. Es werden mittlerweile nicht nur die schweren Fälle untersucht, die die bereits Symptome haben oder schon im Krankenhaus liegen. Sondern es werden immer mehr Infizierte entdeckt, die keinerlei Symptome haben, und die man früher nicht getestet hat – zum Beispiel Reiserückkehrer. Das Virus ist damit jedoch keineswegs harmloser geworden.

Denn es zeigt sich zwar, dass insgesamt – jedenfalls im Augenblick – ein geringerer Anteil von allen (gemeldeten) Infizierten so stark erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Ist dies jedoch der Fall, bleibt die Erkrankung so gefährlich wie bisher. Noch immer stirbt etwa jeder sechste der Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.  

Experte warnt vor falschem Gefühl der Sicherheit

Die Krankheit muss also weiterhin ernst genommen werden, findet Professor Dalpke: "Dass die Infektionszahlen momentan steigen, gleichzeitig aber die Sterblichkeit nicht zu steigen scheint, darf uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Es kann jederzeit passieren, dass Infektionen auch wieder bei den Menschen auftreten, die besonders empfänglich sind: bei älteren Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen. Dann wird auch die Sterblichkeit wieder steigen. Insofern müssen wir weiterhin alle Vorsichtsmaßnahmen, die wir gelernt haben, aufrechterhalten."

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 01. September 2020 | 21:45 Uhr

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