Streit um Regenbogenhaus Gewalttat überschattet Suche nach Lösung

Seit Jahren soll in Zwickau das Regenbogenhaus geschlossen werden. Es ist eine Unterkunft für Menschen, die aufgrund ihrer sozialen Lage nur schwer woanders unterkommen. Ein Vorfall verkompliziert die schon angebahnten Lösungsversuche.

Suchtkranke, aus der Haft entlassene oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen – viele von ihnen finden im Zwickauer Regenbogenhaus eine Herberge. Es sind einige komplizierte Fälle dabei, manche konnten oder wollten sich nicht in andere Einrichtungen integrieren lassen.

Ein Mann sitzt mit aufgestütztem Kopf an einem Tisch.
Heiko wohnt seit ein paar Jahren im Regenbogenhaus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es sind Menschen wie Heiko. "Er kam aus einer sozial-psychiatrischen Einrichtung", sagt die Leiterin des Regenbogenhauses, Kerstin Täuber. Dort habe es Probleme gegeben. Dessen Betreuer fragte bei ihr an, ob ein Zimmer frei ist. Inzwischen wohnt Heiko seit ein paar Jahren dort. "Bei mir gab es noch nicht ein einziges Vorkommnis."

Seit 2008 kümmert sich Kerstin Täuber um das Seelenwohl der Bewohner und alles andere im Regenbogenhaus. Die 58-Jährige vermietet Zimmer an Menschen, die es schwer haben, woanders unter zu kommen. Die Miete wird in den meisten Fällen vom Amt gezahlt.

Bewohner soll Lebensgefährtin erwürgt haben

Doch schon lange gibt es Konflikte mit der Stadt. Das Haus soll geschlossen werden. Nun ist es Anfang Mai auch noch zu einer Gewalttat unter den Bewohnern gekommen. Was genau passiert ist, "dass weiß keiner", sagt Kerstin Täuber.

Es geschah in einem der Zimmer. Laut Zwickauer Staatsanwaltschaft steht ein Bewohner unter dringendem Tatverdacht, seine Lebensgefährtin erwürgt zu haben. Diese wohnte ebenfalls in dem Haus. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft. 

Eine Frau steht neben einer Tür mit einem Polizeisiegel.
Was genau hinter dieser Tür passiert ist, "dass weiß keiner", sagt Kerstin Täuber. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für Kerstin Täuber platzt das Drama in die zähe Suche nach einem Ausweg für das Regenbogenhaus. Das gemietete Gebäude, eine ehemalige Bauarbeiterunterkunft, gehört der Stadt Zwickau. Diese hatte bereits 2013 eine Kündigung ausgesprochen.

Der Grund: Es sollte eine neue Straße gebaut werden und es fehle der notwendige Brandschutz. Außerdem zweifelt die Oberbürgermeisterin damals an der sozialen Kompetenz im Regenbogenhaus. "Die soziale Betreuung und Begleitung ist bei diesem Thema für uns als Stadt nicht gegeben", sagte Pia Findeiß (SPD). Die Stadt halte andere soziale Einrichtungen vor.

Es gibt in Zwickau ambulant betreutes Wohnen, Wohnprojekte und ein Übernachtungshaus für Notfälle. Doch das Regenbogenhaus ist für die Bewohner mehr als ein Wohnhaus. Sie leben zusammen als Gemeinschaft. Putzen, kochen – wer kann, packt mit an. "Das Besondere ist der familiäre Zusammenhalt", sagt ein Bewohner. Einer helfe dem anderen. Sie schätzten auch die warmherzige Unterstützung durch Kerstin Täuber – und vor allem wollen sie nicht auseinander gerissen werden.

Mindeststandards für Brandschutz nicht eingehalten

Doch es wird immer unwahrscheinlicher, dass sie in diesem Gebäude bleiben können. Ein aktuelles Gerichtsurteil bestätigt, dass das Haus die Mindeststandards beim Brandschutz nicht einhält. Die Stadt Zwickau will sich gegenüber MDR "exakt" nicht dazu äußern, wie es konkret weitergehen soll.

Eine Frau streicht einem Mann über das Gesicht.
Die Bewohner schätzen auch die warmherzige Unterstützung durch Kerstin Täuber Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dagegen äußert sich die Diakonie Sachsen zu diesem Dilemma. Diese bietet Zwickau Wohnungsnotfallhilfe an. Referentin Rotraud Kießling sieht, dass Kerstin Täuber mit ihrem Regenbogenhaus eine Lücke im Hilfesystem aufzeigt: "Also ich würde mir wünschen, dass der Bedarf ernst genommen wird und gesehen wird, was ist vor Ort jetzt an Bedarf da, was brauchen die Menschen."

Die Stadt hat nach dem Gerichtsurteil immerhin eine Mediatorin eingesetzt, um zu vermitteln. Doch Kerstin Täuber macht sich Sorgen, dass nun das Gewaltverbrechen diesen Prozess überschattet.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 22. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 15:12 Uhr

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3 Kommentare

25.05.2019 10:48 Wo geht es hin? 3

Die Qualiät einer Regierung zeigt sich immer am Besten, wie sie mit den Schwächsten der Gesellschaft umgeht. Aber selbst bei den Schwächsten werden gewaltige Unterschiede gemacht...

23.05.2019 21:20 Bronko 2

Luxusbuden werden nur für "noch nicht so lange hier Lebende" gebaut, alle anderen fliegen raus, da sind nun mal keine Taler für Brandschutz da. Das muß der "schon länger hier Lebende" eben mal kapieren, also Leute, auf zur Wahl!

23.05.2019 17:11 Schwarzer Pommer 1

Ist es denn nicht möglich, das Haus brandschutztechnisch 'nachzurüsten'?