Einen sogenannten "Stinkefinger" zeigt   ein Autofahrer aus seinem Auto.
Vor allem im Straßenverkehr nehmen viele Menschen eine wachsende Aggressivität wahr. Bildrechte: dpa

Allensbach-Studie Mittlere Generation beklagt aggressiven Alltag

Es klingt paradox: Der Generation der 30- bis 59-Jährigen geht es gut wie lange nicht, sie fühlt sich aber nicht so und beklagt eine wachsende Ellenbogenmentalität im Alltag. Besonders groß ist der Frust im Osten.

Einen sogenannten "Stinkefinger" zeigt   ein Autofahrer aus seinem Auto.
Vor allem im Straßenverkehr nehmen viele Menschen eine wachsende Aggressivität wahr. Bildrechte: dpa

Die Generation der 30- bis 59-Jährigen in Deutschland beklagt überwiegend negative Veränderungen im Land und eine wachsende Aggressivität im Alltag. Einer Studie des Allenbach-Instituts zufolge haben zwei Drittel der befragten Frauen und Männer den Eindruck, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in den vergangenen Jahren nachgelassen hat. Die Hälfte glaubt, dass die negativen Entwicklungen überwiegen und 80 Prozent sagen, die Aggressivität in der Gesellschaft nehme zu.

Andererseits erreichte die Zufriedenheit mit der eigenen wirtschaftlichen Lage in diesem Jahr einen Höchststand. Fast 60 Prozent der 30- bis 59-Jährigen geht es gut. 44 Prozent sagen, es gehe ihnen besser als vor fünf Jahren, im Osten sind es sogar noch etwas mehr. Deutschlandweit sprechen nur 16 Prozent von einer Verschlechterung. Das sind die besten Werte, seit das Institut die "Generation Mitte" für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft befragt.

Wohlstandgewinner
Wohlstand wächst, aber die Unzufriedenheit auch. Bildrechte: MDR.DE

Osten sieht sich vom Westen abgespalten

Die Frage, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährdet und wo Trennlinien verlaufen, beantworten Ostdeutsche anders als Westdeutsche. Zwei Drittel der Ostdeutschen (Westdeutsche: 59 Prozent) sagen, die politische Einstellung spalte die Bevölkerung.

Ellenbogengesellschaft
Deutlich mehr Ostdeutsche beklagen eine Ellenbogengesellschaft. Bildrechte: MDR.DE

55 Prozent der Ostdeutschen sind der Ansicht, dass es in Deutschland eine große Rolle spielt, ob man aus Ost- oder Westdeutschland stammt. Von den westdeutschen Befragten sagen das nur 35 Prozent.

Deutschland wird zunehmend als eine Ellenbogengesellschaft gesehen, in den Städten etwas mehr als auf dem Land. Der Trend hat sich gegenüber früheren Umfragen sogar verstärkt. Zeitdruck, Egoismus, mangelnder Respekt, Fremdenfeindlichkeit, Anonymität - das alles nimmt aus Sicht der mittleren Generation zu.

Diese Aggressivitätsphänomene nehmen zu, ich vermute auch durch die Erhöhung der Schlagzahl in der Gesellschaft.

Allensbach-Chefin Renate Köcher

Kampfplätze Straße und Internet

Hauptkampfplatz ist der Studie zufolge der Straßenverkehr: 90 Prozent aller Befragten sehen sich dort regelmäßig mit aggressivem und rücksichtslosem Verhalten konfrontiert. Die meisten fühlen sich auch auf öffentlichen Plätzen und in Bussen und Bahnen nicht wohl.

Für mehr als die Hälfte ist zudem das Internet ein Hort der Aggression. Beleidigungen, Beschchimpfungen und Mobbing im Internet wurden erstmals in die Studie aufgenommen. Dabei spielt die Beschleunigung von Debatten durch soziale Netzwerke wie Whatsapp, Facebook und Twitter eine Rolle. Es werde viel stärker impulsgetrieben kommuniziert, erläutert Allensbach-Chefin Köcher. Es gebe deutlich weniger "ungestörte Zeitreservate".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 12. September 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 18:47 Uhr

31 Kommentare

Omsewitzerin vor 5 Tagen

Warum so verbittert? Denn genau so liest man es. Anscheinend haben Sie Wut auf Alles und Jeden, wenn es nicht Ihrem Weltbild entspricht. Sagt sehr viel aus über Sie.

Omsewitzerin vor 5 Tagen

Ihren Beitrag finde ich jetzt nicht so förderlich. Was hat das damit zu tun? Schlechtes Benehmen findet man überall. Ihre Zeilen würde ich als dumpfe Hetzte gegen Andersdenkende bezeichnen. Oder wollen Sie nur Ihren Missmut den Sachsen gegenüber demonstrieren? Wir sagen eben nicht zu Allem Ja und Amen. Anscheinend sind Sie nicht sehr lebenserfahren, sonst würden Sie hier nicht so einen Humbug schreiben.

Kiel_oben vor 5 Tagen

die "Alten" sind keine Vorbilder mehr, quatschen sinnfrei, bei Fahren ins Handy, überholen rücksichtslos Radfahrer und keifen linksgrüne Spinner aus SUV in der Innenstadt um dann hier angekommen nach IB Vorgaben rechtsextremes abzulassen

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