Teilnehmer fehlen Radarsoldaten-Studie zu Gen-Schäden bei Kindern und Enkeln stockt

Radarsoldaten in Bundeswehr und NVA waren oft Röntgenstrahlung ausgesetzt, die ihr Erbgut schädigte. Nun soll herausgefunden werden, ob Gendefekte auch an Kinder und Enkel übergeben werden. Doch die Studie stockt, denn es gibt nicht genügend Teilnehmer.

Ein LKW der Bundeswehr mit Radarantenne auf dem Militärflugplatz Preschen.
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Eine bundesweit einmalige Studie zu möglichen Erbgut-Schäden bei sogenannten Radarsoldaten und deren Kindern in Bundeswehr und NVA ist ins Stocken geraten. "Wir haben derzeit leider erst die Hälfte der nötigen Teilnehmerzahl erreicht", sagte Studienleiter Professor Peter Krawitz dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund". Krawitz leitet die Forschungsgruppe dazu am Universitätsklinikum Bonn (Institut für Genomische Statistik und Bioinformatik). Nötig seien für die Studie 144 betroffene Familien, derzeit habe man aber erst 79.

"Die Rekrutierung ist schwieriger als erwartet. Die betroffenen ehemaligen Soldaten sind heute um die 70 Jahre alt oder älter", so Krawitz. Die Erforschung sei wichtig, weil sie belegen soll, dass sich Genom-Schäden durch Röntgenstrahlung vererben. Bislang ist Lehrbuchmeinung, dass dies nicht passiert. Radarsoldaten waren in Bundeswehr und NVA bei ihren Diensten in der Radarüberwachung oft unwissentlich sehr starken Röntgenstrahlungen ausgesetzt, die bei vielen Betroffenen später zu Krebserkrankungen führten. Viele sind inzwischen gestorben.

 Vorstudie fand bundesweite Beachtung

Alexej Knaus vom Institut für Genomische Statistik und Bioinformatik Bonn
Alexej Knaus vom Institut für Genomische Statistik und Bioinformatik Bonn arbeitet an der Radarstudie mit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vorausgegangen war eine Pilotstudie an der Berliner Charité, die im vergangenen Oktober bundesweit beachtet wurde: Eine Stichproben-Untersuchung von elf Radarsoldatenfamilien legte den Schluss nahe, dass auch Kinder und Enkel von Radarsoldaten Erbgutschäden durch die Strahlenbelastung in sich tragen. "Kinder von Radarsoldaten haben gehäuft genetische Mutationen oder genetische Erkrankungen aufgewiesen. Deshalb haben wir die erste Pilotstudie mit 18 Nachkommen durchgeführt und festgestellt, dass die Nachkommen vermehrt eine besondere Klasse an Genmutationen haben", sagte Alexej Knaus "Hauptsache Gesund". Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uniklinik Bonn und leitet die Radarsoldaten-Studie. Nun soll diesen Erkenntnissen mit der breiteren Untersuchung nachgegangen werden. "Doch die Kontaktaufnahme mit ehemaligen Radarsoldaten ist auch deshalb schwer, weil in der Bundeswehr längst nicht alle Archive mit Adressdaten digitalisiert sind", sagte Institutsleiter Peter Krawitz.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 25. April 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 15:36 Uhr