Thüringen Miese Immobilienmasche, zerstörte Existenzen

Familie B. ist schon vor Jahren mit fragwürdigen Immobiliengeschäften aufgefallen. Nun waren sie in Thüringen wieder aktiv. Ihr Ziel offenbar: langfristig ein völkisches Siedlungsprojekt finanzieren.

Die Geschichte spielt sich in der kleinen Gemeinde Vachdorf ab. Das Hotel zur Werra war das Prunkstück des Ortes. Im Jahr 2015 hatte der damalige Betreiber Erich Fleckenstein nach einem neuen Pächter für das Hotel und Restaurant gesucht. Ein Verein namens "Tor der Sinne" präsentierte ein Ökokonzept. Das gefiel dem inzwischen 84-Jährigen. Der Verein wurde Pächter. Dort saß schon damals Baldur B. im Vorstand.

2015 zog ein Teil der Familie B. nach Vachdorf. Baldurs Bruder Wieland B. aus Österreich versuchte, das Hotel zu führen. Sebastian Lang betreibt noch immer eine kleine Brauerei im Haus und hatte von Anfang an Probleme mit den B.s. Der Gipfel des Treibens folgte im Frühjahr 2020. Die B.s wurden beobachtet, wie sie das Gebäude auseinandernahmen. "Die haben hier das ganze Wochenende ausgeräumt. Mit LKW, Anhänger. Alles raus", sagt Bierbrauer Lang.

Abgekartetes Spiel bei Zwangsversteigerungen

Das Inventar, das den B.s nach Meinung von Ex-Eigentümer Fleckenstein nie gehört hat, verschwand innerhalb weniger Tage. Tische, Stühle, Echtholzbetten und sogar Steckdosen wurden rausgeschafft. Die Rechtsstreitigkeiten darüber gehen bis vor den Bundesgerichtshof. Es ist nicht das erste Mal, dass die Familie in Konflikt mit dem Gesetz gerät.

Vor fünf Jahren hat MDR exakt das Gebaren der B.s schon einmal unter die Lupe genommen. Es ging um fragwürdige Immobiliendeals – damals in Sachsen. Ein Beispiel: Als ein Haus zwangsversteigert wurde, bieten sich Mitglieder der Familie als Strohmänner an. Ihr zweifelhaftes Versprechen: Sie ersteigern die Immobilie, die ehemaligen Eigentümer erhalten ihr Haus später zurück. Doch das Versprechen halten sie nicht. Im Gegenteil: Die B.s kassieren horrende Mieten. In Sachsen lebt ein Mann, dem es so ergangen sein soll. Um sein Haus zurückzubekommen, habe er ständig an sie gezahlt – etwa 50.000 Euro. "Ich denke mal, im Nachhinein war das ein abgekartetes Spiel und ich bin halt voll reingetappt in die Falle", erklärte der Mann, der lieber anonym bleiben möchte.

Ermittlungen wegen Betrugs

Auch aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft in mehreren Fällen wegen Betrugs bei Zwangsversteigerungen gegen Baldur B. Doch wofür tut die Familie das alles? Die B.s sind nicht nur mit fragwürdigen Immobiliengeschäften aufgefallen. Über sie wird auch gesagt, dass sie nach dem Vorbild der völkischen Siedler ein Leben unter ihresgleichen planen. In der sogenannten Artgemeinschaft. Diese ist eine germanische Glaubensgruppe, rechtsextrem und rassistisch. Auch Baldur B. hat mit der Familie schon Veranstaltungen der Artgemeinschaft besucht. Auf die Anfrage zur Stellungnahme von MDR exakt hat Baldur B. nicht geantwortet.

Die Ideologie, die hinter den Geschäften der Familie B. steht, hat in Vachdorf über Jahre niemand sehen wollen. Für die Opfer vor Ort ist aber etwas zerstört, was schwierig zu reparieren ist: der Glaube an Gerechtigkeit. "Man denkt ja, dass da ein Gericht irgendwann mal einen Riegel vorschiebt", sagt Bierbrauer Lang. "Aber das ist nicht passiert."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 23. September 2020 | 14:46 Uhr