Corona-Krise THW will Kommunen kostenlos helfen

Eigentlich stellt das Technische Hilfswerk seine Einsätze den Städten und Gemeinden in Rechnung. Ein neues Gesetz soll das ändern, doch das ist noch nicht in Kraft. In der Corona-Krise wollen die Katastrophenschützer jetzt schon unentgeltlich helfen.

Schutzmasken verteilen, Zelte für Corona-Tests aufstellen, im Notfall könnten sogar Kliniken errichtet werden. Das Technische Hilfswerk (THW) kann in Krisensituationen auf viele Arten unterstützen. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie haben bereits einige Städte und Gemeinden auf die Hilfe der Bundesbehörde zurückgegriffen. Doch bislang nur wenige, denn die Kommunen müssen den Einsatz selbst zahlen.

Eine Halle mit abgetrennten Bereichen
Das THW hat eine Turnhalle zur Corona-Teststelle umgebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So ist die Turnhalle in des Gymnasium in Kamenz erst vor wenigen Tagen zur Corona-Teststelle für Patienten mit Verdacht auf eine Infektion umgestaltet worden. Innerhalb eines Tages haben die fast ausschließlich ehrenamtlichen Helfer des THW in der Halle im Landkreis Bautzen eilig PVC-Boden verlegt, Ständer aufgestellt und einen Wartebereich eingerichtet.  „Es ist sehr gut geworden und so schnell. Hervorragend“, sagt die zuständige Amtsärztin Jana Gärtner begeistert.

Mehrere Corona-Teststellen aufgebaut

Kamenz ist die vierte Corona-Teststelle im Landkreis Bautzen. Acht Patienten können hier künftig gleichzeitig getestet werden - bei Bedarf auch mehr, sagt Birgit Weber vom Landratsamt. Im Notfall könnte hier sogar eine Klinik entstehen.

3000 Mitglieder hat das Technische Hilfswerk in Sachsen und Thüringen. Rund 300 aus dem gemeinsamen Landesverband sind aktuell im Corona-Einsatz. Bearbeitet werden die Anfragen der Kommunen im Leitungs- und Koordinierungsstab in Altenburg. Dort führt Marcus von Salich gerade das Kommando, als MDR-exakt zum Dreh vorbeikommt. "Wir haben in verschiedenden Städten Fachberater in den Krisenstäben zu sitzen", sagt der Stabsleiter des THW Sachsen-Thüringen. Im Landkreis Meißen liege gerade ein Einsatzschwerpunkt – in Pirna errichten die Kameraden des Hilfswerk ein Notfallkrankenhaus. "Dort sind die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer seit etlichen Stunden draußen und unterstützen den Landkreis bei der Aufgabe."

Auslieferung von Schutzmitteln an Landkreise

Auch im Krisenstab des Landes Thüringen ist das THW vertreten. Von dort kam vor Kurzem die Anforderung, rund 22.500 Schutzmasken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel an Landkreise und kreisfreie Städte zu verteilen. Für Transporte und Schnellaufbauten aller Art ist das THW bestens aufgestellt.

Ein Videointerview am Laptop
Der Präsident der THW-Bundesvereinigung, Marian Wendt, im Video-Interview. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch bisher nimmt nur Drittel der Kommunen die Unterstützung der Katastrophenschützer in Anspruch. Ein Grund dafür: Bisher müssen Städte und Kreise dafür bezahlen. Erst im März ist im Bundestag und Bundesrat ein neues THW-Gesetz verabschiedet worden, sagt der Präsident der THW-Bundesvereinigung, Marian Wendt. Dadurch werde das THW "keine Kosten mehr gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Anforderungen, wie wir es nennen, erheben – also dem Bürgermeister, dem Landrat, der Polizei, der Feuerwehr."

Zwar ist das neue Gesetz bereits beschlossen, doch es gilt erst ab Mai. Was bedeutet das für die aktuellen Corona-Einsätze? "Da bin ich mir mit dem Innenminister und dem Präsidenten des THW, Gerd Friedsam, einig", sagt Marian Wendt, dass wir jetzt keine Rechnungen schreiben für Corona-Einsätze". Obwohl das Gesetz formal noch nicht in Kraft ist. Die Regionalstellen seien angewiesen, keine Rechnungen mehr zu schreiben. Es könnte also sein, dass bald deutlich mehr der 3.000 Mitglieder des THW in Sachsen und Thüringen im Einsatz gegen die Ausbreitung des Corona-Virus sind.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 08. April 2020 | 20:15 Uhr

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