Tierhaltung Anbindehaltung bei Rindern: Ein Leben lang an der Kette

Viele Rinder müssen fast ihr ganzes Leben angebunden verbringen. Tierschützer kritisieren dies als Tierquälerei. Doch ein Gesetz, was diese Haltung verbieten soll, stößt bei den Landwirten auf Widerstand. FAKT zeigt Aufnahmen, die Tierschützern der Organisation "Ariwa" zugespielt wurden.

Verwahrloste Rinder in Anbindehaltung 6 min
Bildrechte: MDR im Ersten

Es sind unschöne Bilder: An Ketten festgebunden stehen etwa 20 Kühe und ein Kälbchen in einem Kuhstall in Bayern. Die Aufnahmen wurden Tierschützern der Organisation "Ariwa" zugespielt. Das Leben an der Leine oder Kette ist kein Einzelfall. Von den vier Millionen Milchkühen in Deutschland lebt etwa ein Viertel in der sogenannten Anbindehaltung. Die Tierschutzorganisation "Ariwa" kritisiert das als Tierquälerei.

Viele Tiere müssten sogar das ganze Jahr angebunden verbringen, heißt es. Das Problem: "Es gibt keine Halteverordnung für Rinder. Das heißt, es ist dem Tierbesitzer freigestellt, die Tiere in der Anbindehaltung zu halten, ohne gegen irgendwelche Gesetze zu verstoßen", erklärt der Experte für Wiederkäuer, Holger Martens. "Das bedeutet, dass das Tier sein ganzes Leben - vier, fünf, sechs, acht Jahre - an der gleichen Stelle steht."

Der Bundesrat hat sich bereits 2016 für ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung ausgesprochen. Innerhalb einer Frist von zwölf Jahren sollte dies umgesetzt werden. Um die Folgen abzuschätzen, gab die Bundesregierung eine Untersuchung in Auftrag.

Landwirte wehren sich gegen Verbot der Anbindehaltung

Das Ergebnis hat das Thünen-Institut vor gut einem halben Jahr vorgelegt: Der Ausstieg wäre sogar  in zehn Jahren möglich. Doch der Widerstand, etwas am bestehenden System zu ändern, ist groß: "Da verstehe ich auch die Verbände in keiner Form", sagt die hessische Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin.

Es gibt ja sogar Übereinkünfte, in denen sich Bundesländer mit ihren Agrarverbänden zusammengetan haben, um die Anbindehaltung sozusagen zu retten.

Madeleine Martin Landestierschutzbeauftragte Hessen

Besonders verbreitet ist dieses Haltungssystem in Bayern und Baden-Würtemberg. Dort ist der Widerstand am größten. Der Bayerische Bauernverband versucht einen Spagat. "50 Prozent der bayerischen Milchbauern haben einen Anbindestall", sagt Markus Peters. Es seien die kleineren, die sich die enormen Investitionen kaum leisten könnten. Doch laut Thünen-Institut soll den betroffenen Betrieben mit bis zu 290 Millionen Euro geholfen werden, um zum Beispiel Laufställe zu bauen.

Landwirtschaftsministerium schweigt

Die Bundesregierung schweigt zu diesem Thema. Eine Interviewanfrage an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner bleibt unbeantwortet. Für Holger Martens entscheidet die Ministerin im Sinne der Lobbygruppen:  "Wenn Sie das allgemein umfassend darstellen wollen, dann muss man doch resignierend feststellen, dass auf diesem Sektor einseitig die Interessen der großen Lobbygruppen vertreten werden."

Die Tierschützer von Ariwa haben nicht nur Aufnahmen aus dem bayerischen Stall. Es gibt weitere aus neun Betrieben mit Anbindehaltung. Die meisten aus Bayern, aber auch aus Nordrheinwestfalen und Hessen. In gut der Hälfte der Ställe gibt es schwerwiegende Probleme – die hygienische Verhältnisse sind erbärmlich.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 26. März 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 09:00 Uhr

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