Besucher wandern durch den Nationalpark Hainich.
Besucher machen eine Wanderung zum Buchen-Sterben im Nationalpark Hainich. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Baumsterben Dürre setzte den Mitteldeutschen Landschaftsparks stark zu

Zwar hat es viel geregnet in den vergangenen Wochen, doch die Dürre ist nach wie vor ein großes Problem in Mitteldeutschland. Sie macht auch den Landschafts- und Nationalparks zu schaffen, auch die Wälder in den UNESCO-Weltnaturerbestätten sind gefährdet, das ergaben Recherchen von MDR AKTUELL.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Besucher wandern durch den Nationalpark Hainich.
Besucher machen eine Wanderung zum Buchen-Sterben im Nationalpark Hainich. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Im Nationalpark Hainich in Thüringen hat es etwa jede zehnte Buche erwischt. Die Bäume sind entweder tot oder so stark vertrocknet, dass kaum noch Hoffnung bestehe, erklärt Nationalpark-Chef Manfred Großmann.

Satellitenbild-Auswertungen zeigten: Bei circa zehn Prozent seien Schädigung unterschiedlichen Umfanges festzustellen – von Totalausfällen bis hin zu größeren Blattverlusten.

"Es hat gerade durch die Hitzewelle im Juli und August weiter an Dramatik gewonnen und wir schauen jetzt schon mit großem Interesse darauf, wie kommen die Bäume aus dem Winter dann ins Frühjahr hinein."

Nationalpark Hainich litt unter Trockenheit

Das Baumsterben im Unesco-Weltnaturerbe Hainich sei zum Teil dramatisch, sagt Manfred Großmann. Äste oder ganzen Kronen drohten herabzustürzen, dafür reiche manchmal schon ein leichter Wind. Die Verwaltung des Nationalparks greift aber nicht ein, sie lässt die Natur machen.

Großmann erklärt: "Das heißt, dass die Bäume eben absterben und wenn sie absterben und umstürzen, dann bleiben sie liegen, wie es ist und sie werden Teil dieses Stoffkreislaufes im natürlichen Wald."

Landschaftsparks mehr Arbeit mit Trockenheit

Was die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre angerichtet hat, das ist derzeit in vielen National- und Landschaftsparks in Mitteldeutschland zu beobachten. Während im Hainich umgestürzte Bäume einfach liegen bleiben können, haben andere Parkverwaltungen alle Hände voll zu tun.

Zum Beispiel im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. Bis zu 30 Bäume seien dort abgestorben, sagt Parkdirektor Cord Panning MDR AKTUELL. Sie stellten eine Gefahr für die Besucher dar und müssten wohl bald beseitigt werden.

Und im Großen Garten in Dresden mussten in diesem Jahr schon weit über 100 vertrocknete Bäume gefällt werden, üblich seien pro Jahr knapp über 30, erklärt Uli Kretzschmar von der Schlösserverwaltung Sachsen. "Wir merken, die Bäume sind geschwächt, der Widerstand gegen Krankheiten ist nicht mehr ganz so stark. Und da müssen die Bäume dann auch sofort gefällt werden."

Schäden unterschiedlich stark

Manche Parks sind stärker, manche kaum von den Folgen der Trockenheit betroffen. Der Schlosspark Gnandstein in Ostsachsen sei bislang verschont geblieben, heißt es von der Schlossverwaltung.

Dagegen habe sich im Thüringer Schlosspark Altenstein der Aufwand für die Baumpflege verdreifacht, teilt die Schlösserverwaltung Thüringen mit. Außerdem werde in den Parks enorm viel gegossen: Rund um die Schlösser in Dornburg habe sich der Wasserverbrauch in den letzten Jahren verzehnfacht.

Große Probleme im Wörlitzer Gartenreich

Besonders große Probleme scheint auch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich zu haben. In den Unesco-Welterbe-Wäldern sind vor allem Eichen, Kiefern und Eschen vertrocknet. Möglich, dass allein Tausende Eichen gefällt werden müssen, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Mit Zahlen oder genaueren Infos rückt die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz allerdings nicht heraus. Sie will die Ergebnisse einer zweiten Untersuchung abwarten. Die Baumfällarbeiten, die seit September liefen, wurden erst mal wieder gestoppt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2019, 05:00 Uhr

7 Kommentare

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo,
vielen Dank für Ihre Erläuterungen. Wir haben die Zahlen gefunden und haben nachgerechnet, danke.
An dieser Stelle lässt sich nur noch ergänzen, dass sich eine Dürre nicht nur aus dem (fehlenden) Niederschlag zusammensetzt, sondern auch Temperatur und Sonnenstunden (Verdunstung) eine Rolle spielt.
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion

W.Merseburger vor 3 Wochen

Liebes Team des MDR,
sie rufen im Internet google auf, geben ein: Regenmenge 2019 Sachsen-Anhalt. Dann werden sie zur Seite geführt. Hier finden sie ein Balkendiagramm des Jahres aufgesplittet auf die einzelnen Monate. Blauer Balken: Regen 2019, schwarzer Balken, langjähriger Durchschnitt, und nun müssen sie nur noch addieren und die Prozentrechnung anwenden,
viele Grüße W.Merseburger.

MDR-Team vor 3 Wochen

Hallo W.Merseburger, woher haben Sie die Zahlen der Regenmengen?
Hier finden Sie zusammengetragene Informationen zu der Dürre diesen Jahres und dessen Folge: https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/trockenheit-in-sachsen-anhalt-100.html
Liebe Grüße aus der MDR.de-Redaktion