Blaualgen vermutet Kein Badeverbot wegen Algenteppich in der Ostsee

In der Ostsee bei Rügen treibt ein großer Algenteppich. Offenbar handelt es sich um Blaualgen. Die können giftig sein, sogar von Badeverboten ist schon die Rede. Ist der Ostsee-Urlaub wirklich bedroht?

Ein Schwebeteppiche aus Schwebestoffen schwimmt in der Ostsee vor Sassnitz.
So einen "Schwebeteppich" findet man zurzeit vor der Küste Rügens. Bildrechte: dpa

Immer mit der Ruhe – das ist das Signal, das Anja Neutzling von der Küste an alle Ostsee-Urlauber schicken will. Die Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern sagt: Noch liege keine Probe vor, dass es sich eindeutig um Blaualgen handelt. Auf die werde nämlich standardmäßig gar nicht getestet.

Aber: Wegen Hinweisen von Urlaubern und Rettungsschwimmern seien heute Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Vorpommern-Rügen rausgefahren und hätten Proben genommen. Diese würden nun untersucht.

Wind und Strömung stecken dahinter

Rein optisch sieht der Teppich nach Blaualgen aus, heißt es vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Die Teppiche entstehen nicht von selbst, erklärt die biologische Meereskundlerin Maren Voß, sondern durch Wind und Strömung.

Denn durch die Bewegung des Wassers würden die Blaualgen (Cyanobakterien) manchmal zusammengetrieben werden und das ergebe dann diese gut sichtbaren gelben Teppiche an der Oberfläche.

Altbekanntes Phänomen

Das sei definitiv kein Rügen-spezifisches Problem. Algenteppiche gebe es jedes Jahr und fast überall auf der Ostsee. Das sei auch schon vor dem menschlichen Einfluss in der Ostsee so gewesen, erklärt Voß.

"Also schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden gibt es diese Arten in der Ostsee. Sie haben aufgrund der Überdüngung allerdings zugenommen."

Überdüngung ein Problem

Diese Überdüngung wiederum ist menschengemacht. Durch die starke landwirtschaftliche Nutzung der Umgebung gelangen Düngemittel über Flüsse und Regen in die Ostsee und bieten einen prima Nährboden für Algen.

Immerhin, sagt Voß: In den letzten 10 bis 20 Jahren habe die Überdüngung schon stark abgenommen. Aber die Ostsee habe eben auch ein Gedächtnis. Deshalb würden uns Algenteppiche, wie der vor Rügen, noch lange begleiten, glaubt sie.

Blaualgen schädlich für Gesundheit

Die Blaualgen können gefährlich sein, sagt Laura von Vittorelli, Gewässerexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), denn sie enthielten gefährliche Giftstoffe (Toxine). "Diese können dazu führen, dass es Hautreizungen gibt, Allergien, Bindehautentzündungen oder wenn sie verschluckt werden, Übelkeit, Erbrechen, Fieber."

Meereskundlerin Voß schränkt aber ein: Nicht jede Blaualge bildet Giftstoffe. Sie rate aber jedem vom Baden ab, der sich unsicher ist.

Keine Gefahr für den Ostsee-Urlaub

In jedem Fall seien Algenteppiche in der Ostsee immer ein punktuelles und kurzzeitiges Problem, sagt Anja Neutzling vom Landesamt für Gesundheit.

Sie betont noch einmal: Keiner müsse Angst haben, dass sein Ostseeurlaub dauerhaft gestört wird. So könne sie sich nicht vorstellen, dass es jemals ein ostseeweites Badeverbot wegen Blaualgen geben wird.

Noch kein Badegebiet erreicht

Sobald der Wind sich einmal drehe, seien sie wieder weg und der Teppich habe sowieso noch keine Badegebiete erreicht. Und wenn doch, dann werde erst mal ein Warnhinweis aufgestellt. Aber dann könnten Urlauber immer noch einfach ein paar Kilometer weiter zum nächsten Strand fahren.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juli 2019 | 17:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

28.07.2019 12:58 INFO 4

Das letzte Jahr 1989, da war noch mal das volle Prerow-Gefühl. Jeder konnte mit jedem. Sie konnten nachts ihren Fotoapparat aus dem Zelt hängen, der war morgens noch da. Oder wenn mal irgendetwas fehlte: Jeder borgte jedem etwas. Es war ein Leben mit Gitarre und mit Prerow-Song. Denn der Zeltplatz hatte seine eigene Hymne. Heute, nach der Umbenennung in "Regenbogencamp", gibt es auch wieder eine Hymne, den "Regenbogencamp-Song", der morgendlich den Platz beschallt und die Camper weckt.

Mit der Friedlichen Revolution von 1989 kam auch für das Campingparadies der große Einbruch. Die meisten bis dahin treuen Besucher erkundeten, was es im Westen zu sehen gab zwischen den Alpen, Italien und Mallorca. Aber nach einigen Jahren kamen sie dann doch wieder zurück. Der Campingplatz ist heute kleiner, begrenzt durch den Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft". Aber noch immer darf man in den Dünen zelten. Das ist in Deutschland einmalig.

27.07.2019 18:27 Anna 3

Ja bleibt lieber weg von Rügen, dann habe ich mehr Platz ;-)!

27.07.2019 09:50 Bingo 2

Kaltes Wasser,Algen,überteuerte Preise,...schön ist die Landschaft. Ich jedenfalls ,fahre da so schnell nicht mehr hin.

27.07.2019 00:50 part 1

Puh, ein wenig Blaualgen aber um hundefreien Badezonen kümmert sich niemand. Jeder der sein animalisches Familienmitglied nicht im Flieger mitnehmen kann pilgert zur Ostsee und widersetzt sich allgemeingültigen Regeln, die leider nicht sanktioniert werden, doch das kennt man schon von den Ordnungsdienten der Innenstädte. Überdüngung durch die Landwirtschaft bei verschärften Regel für das Ausbringen von Gülle durch die einzelnen Bundesländer oder Anreinerstaaten?