Faktencheck Ist E10 wirklich umweltfreundlicher als E5?

2011 ist in Deutschland der Kraftstoff E10 eingeführt worden, als umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Benzin. Autofahrer konnten damit auch Geld sparen. E10 war immer ein paar Cent pro Liter günstiger als Super-Benzin. Das ist inzwischen vorbei. Der ADAC appelliert an die Autofahrer, trotzdem weiter E10 zu tanken, für die Umwelt. Was bringt das tatsächlich?

Eine Zapfpistole wird an einer Tankstelle vor die Super-Benzin bzw. die Super-E10-Beschriftung einer Zapfsäule gehalten.
Seit 2011 gibt es in Deutschland den Bio-Kraftstoff E10. Ist er wirklich umweltfreundlicher als normales Super-Benzin? Bildrechte: dpa

Wer mit E10 fährt, tankt einen Ottokraftstoff, der zwischen fünf und zehn Prozent Bioethanol enthält. Bei Super-Benzin sind es bis zu fünf Prozent. Es wird deshalb auch als E5 bezeichnet. Franziska Müller-Langer leitet den Bereich Bioraffinerien im Deutschen Biomasseforschungszentrum in Leipzig. Sie erklärt: 

"Sie müssen sich vorstellen, dass E10 doppelt so viel CO2 einspart wie E5. Wir haben das eben noch mal grob ausgerechnet: Wenn Sie sich vorstellen, Sie haben eine Tankfüllung von 50 Litern, dann sparen Sie mit dieser Tankfüllung bei E10 gegenüber reinem Superbenzin, also E0 ohne Ethanol-Anteil, schon mal 12 Kilo CO2-Äquivalente ein."

Skeptiker wenden ein, dass der Verbrauch steigt, wenn man E10 nutzt. Das sei in mehreren Studien geprüft worden, sagt Müller-Langer. Nicht nur der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft, auch der TÜV-Rheinland sowie die DEKRA kommen zu dem Ergebnis: Wer E10 fährt, verbraucht in etwa genauso viel Kraftstoff, als wenn er Super-E5 Benzin tanken würde.

E10 und E5 mit fast gleichem Verbrauch

Der Unterschied ist fast zu vernachlässigen: im Test verbrauchte ein Ford Fiesta 0,09 Liter mehr auf 100 km. Ein Opel Corsa benötigte sogar 0,13 Liter weniger pro 100 Kilometer, wenn er mit E10 statt mit E5 betankt wurde. Der Grund liegt in den Eigenschaften des Bioethanols, sagt Franziska Müller-Langer:

"E10 hat zwar einen niedrigeren Heizwert – man bräuchte theoretisch mehr Kraftstoff verglichen mit Super-Benzin. Aber es wirkt gleichzeitig als Oktan-Booster, also hat bessere Verbrennungseigenschaften. Was dazu führt, dass Mineralöler sehr gern E10 einsetzen, weil sie sich Additive, die Oktan-Booster sind, sparen."

Dennoch führten Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND einen Kampf gegen E10. Sie befürchteten, dass für den Anbau von Pflanzen, die zur Ethanol-Herstellung gebraucht werden, Flächen genutzt würden, auf denen eigentlich Nahrungs- oder Futtermittel wachsen sollten, und auch, dass Regenwald abgeholzt würde, um Palm-Öl-Bäume in Monokultur anzubauen. Hier hat der Gesetzgeber nachgesteuert, sagt die Bereichsleiterin Bioraffinerien Müller-Langer:

"Wer E10 oder E5 kauft, der kann sich sicher sein, dass da nur Ethanol drin ist, das einem Zertifizierungssystem genügt, Nachhaltigkeitskriterien gemäß Gesetz einhält und demnach keinen Beitrag dazu leistet, dass Regenwald abgeholzt wird."

Fast 10 Millionen Tonnen CO2 eingespart

Und im Übrigen werden inzwischen zunehmend auch andere Rohstoffe als Getreide, Mais und Zuckerrüben für die Bioethanol-Herstellung genutzt. Müller-Langer sagt dazu:

„Faktisch ist es so, dass ein zunehmender Anteil Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen hergestellt wird. Das ist eine Größenordnung von mittlerweile über 30 Prozent, was an Biokraftstoffen im Markt wirkt, die aus Abfall- und Reststoffen kommen."

Wie nachhaltig Biokraftstoffe tatsächlich sind, das wird außerdem jährlich überprüft. In ihrem  jüngsten Bericht kam die zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zu dem Schluss, dass in Deutschland durch den Einsatz von  Biokraftstoffen anstelle von fossilen Kraftstoffen im Jahr 2018 rund 9,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent vermieden wurden.

Fazit also: Kraftstoffe, denen Bioethanol beigemischt wird, sind besser für die Umwelt als rein fossile Kraftstoffe. Und je höher der Anteil von Bioethanol, desto mehr CO2 wird eingespart.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. Januar 2020 | 05:00 Uhr

11 Kommentare

goffman vor 35 Wochen

Weil die benötigte Fläche enorm wäre.
Zum Vergleich: wenn alle Landwirtschaftlich genutzten Flächen in Deutschland nur noch zur Produktion von Bio Kraftstoffen verwendet würde, könnten wir grob überschlagen 27 Millionen Tonnen produzieren und hätten trotzdem nicht genug um unseren derzeitigen Bedarf zu decken (ca. 56 Mio. Tonnen im Jahr 2018).

goffman vor 35 Wochen

Es gibt einen Unterschied.
Das CO² das bei der Herstellung und Verbrennung von Bioethanol frei wird, wurde erst vor kurzem von Pflanzen gebunden. Es ist Teil des natürlichen CO² Kreislaufs und wird wieder aus der Luft entnommen, wenn die Pflanzen nachwachsen.
Das CO², dass bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern frei wird, war seid Millionen von Jahren nicht in der Atmosphäre. Wenn wir das frei setzen, dann ändert sich die Konzentration in der Atmosphäre. Erdöl wächst halt nicht so schnell nach.

ElBuffo vor 35 Wochen

Weil die selber genug Flächen haben. Die sind dort nur irgend, also wie soll man sagen, ja also auf jeden Fall sind die Europäer dran schuld. Spielt auch gar keine Rolle, dass die dort schon vor 50 Jahren rausgeflogen sind.