Für mehr Recycling Grüne schlagen Handy-Pfand vor

Viele Deutsche legen Wert darauf, stets das neuste Smartphone zu besitzen - das alte Gerät verschwindet dann in einer Schublade. Aber dort fehlt es dem Wertstoffkreislauf, kritisieren die Grünen und fordern einen Pfand.

Alte Handys und Smartphones liegen in einem Container.
Die Deutschen heben alte Handys zumeist in Schubladen auf. Darin mag es noch nicht aussehen, wie auf diesem Bild - dennoch gibt es gute Gründe, die alten Geräte recyceln zu lassen. Bildrechte: dpa

Schätzungen zufolge holen sich die meisten deutschen Smartphone-Nutzer alle zwei Jahre ein neues Gerät. Die meisten Altgeräte landen aber nicht wieder beim Händler, so wie es von der Politik gedacht war, sondern werden zu Hause gehortet. Damit fehlen sie aber dem Wertstoffkreislauf. Die Grünen fordern deswegen: Händler sollten einen 25 Euro hohen Pfand auf Smartphones und Tablets einführen.

Rohstoffpotenzial in Altgeräten bleibt ungenutzt

Laut "Global E-Waste Monitor" 2017 ist Deutschland der größte Produzent von Elektroschrott in Europa. Demnach fallen hier pro Jahr rund 1,9 Millionen Tonnen E-Schrott an.

Das Magazin "Spiegel" zitiert aus dem Grünen-Antrag "Elektroschrott – Weststoffkreisläufe schließen", hochwertiges Recycling sei "von zentraler Bedeutung, um die enormen Rohstoffpotenziale von Elektro- und Elektronikaltgeräten zu erschließen und die Umwelt zu entlasten."

Fast jeder Deutsche hat mindestens ein ausgedientes Handy

Smartphones und Tablets enthalten wertvolle Ressourcen wie Gold, Silber und Kupfer. Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Bettina Hoffmann, sagte dem Magazin, Spezialfirmen könnten schon heute 98 Prozent der Bestandteile eines Mobiltelefons recyceln – aber ihnen fehle das Material.

Nach Angaben des Hightech-Verbands Bitkom hatten die Deutschen bereits im Jahr 2013 rund 106 Millionen Alt-Geräte zu Hause herumliegen. Demnach hatten drei Viertel der Befragten einer repräsentativen Umfrage mindestens ein ungenutztes altes Handy in der Schublade.

Sammelquote in Deutschland niedrig

In dem Grünen-Antrag, der laut "Spiegel" rund 20 Maßnahmen enthält und noch in diesem Monat in den Bundestag eingebracht werden soll, wird die schlechte Sammelquote für Altelektronikgeräte in Deutschland kritisiert. Den Grünen zufolge war für 2019 hierzulande eine Sammelquote von 65 Prozent angepeilt. Diese sei deutlich verfehlt worden.

Für die Berechnung der Sammelquote wird die jährliche Menge der gesammelten Altelektronikgeräte ins Verhältnis zum Mittelwert der verkauften Geräte der drei Vorjahre gesetzt. In EU-Ländern wie Kroatien und Estland wird dem "Spiegel" zufolge eine Sammelquote von etwa 80 Prozent erreicht, in Deutschland hingegen lag sie 2017 bei 45 Prozent.

Geräte leichter reparierbar machen

Neben einem Pfandsystem fordern die Grünen laut "Spiegel" auch gesetzliche Vorgaben zur Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Giftfreiheit von Elektrogeräten. Insbesondere Akkus von Laptops und Smartphones sollten problemlos austauschbar sein.

Rüdiger Kühr, Direktor des Programms für nachhaltige Kreisläufe an der Universität der Vereinten Nationen in Bonn, kritisierte den von den Grünen vorgeschlagenen Pfand. Er sagte dem Magazin: "Der Verwaltungsaufwand wäre enorm und behindert die transnationale Weiternutzung von Handys." Wenn alte Tablets in andere Länder verkauft und dort weiter gebraucht würden, wäre dies ja durchaus ökologisch sinnvoll.

Mehrere Möglichkeiten zur umweltgerechten Entsorgung

Für die Entsorgung von alten Handys gibt es mehrere Möglichkeiten. Die großen Netzbetreiber nehmen die Geräte per Post zurück. Portofreie Umschläge können online angefordert oder im Handy-Laden abgeholt werden. Viele Mobilfunkanbieter nehmen die Geräte auch direkt in ihren Shops an.

Wurde das Gerät online gekauft, ist der Händler verpflichtet, es zurückzunehmen. Bei einem Kauf im Laden ist das etwas anders: Hier sind nur größere Händler mit einer Verkaufsfläche ab 400 Quadratmetern zur Rücknahme verpflichtet. Außerdem nehmen die kommunalen Recyclinghöfe kostenlos Altgeräte und Akkus an. Wichtig ist in jedem Fall, zuvor alle Nutzerdaten auf dem Gerät zu löschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Januar 2020 | 17:15 Uhr

26 Kommentare

Peter W. vor 21 Wochen

Weil die üblichen Foristen wie in 90% ihrer Kommentare die Gelegenheit nutzen, um unsachlich gegen "grüne" Politik und Politiker zu motzen statt sich mit dem Thema des Artikels zu beschäftigen.

Wie kommen Sie darauf,dass ich batteriebetriebe E-Autos gut fände? Für mich sind diese nicht tauglich, zu 100% die Verbrenner zu ersetzen und allenfalls eine sehr suboptimale Übergangslösung.

Joerg vor 21 Wochen

Pfand na dann daran verdient der Staat mit darum geht es weil bei Pfand zahlt man ja sagen wir mal als 16 jähriger einmal 25Euro bloß die bekomme ich solange man lebt und aller paar Jahre ein Handy wechseln muss wegen technischen Fortschritt oder will der Pfand wird ja bei dem neuen wieder verrechnet wie bei der Getränke Flasche, einmal gekauft mit Pfand und ich trinke immer die selbe ein Leben lang bekommen erst mit dem Tod die Erben den Pfand wieder das bedeutet bei 200 Millionen Geräten im Umlauf werden dafür bei 25 Euro 5 Milliarden eingenommen und wie gesagt das Geld gibt es erst wieder wenn ich mein alt Gerät zurück gebe ohne was neues mitzunehmen es geht immer ums Geld in der Gesellschaft so einfach ist das.

Ullrich vor 21 Wochen

Sieh es dir doch selber an, welche Bemühungen diese Initiative durchführt. Im Übrigen ist es der einzige Fall, wo du genau siehst, wie sich der Preis zusammensetzt!
Nicht immer sagen geht nicht - (manchmal) einfach machen!