Krumme Gurken, die nicht der Norm entsprechen
Freie, unverpackte Gurken sind mittlerweile keine Seltenheit mehr im Supermarkt. Das Fehlen der Plastik-Hülle bringt aber auch Probleme mit sich. Bildrechte: imago images / Steinach

Umwelt Einzelhandel verzichtet auf Plastikverpackung bei Gurken

Wenn Sie sich in Ihrem Supermarkt umschauen: Entdecken Sie da noch eingeschweißte Salatgurken? Nicht? Das liegt daran, dass in diesem Jahr eine große Einzelhandelskette nach der anderen die Gurkenverpackung abgeschafft hat. Auch außerhalb der Saison. Sprich: In Herbst und Winter, wenn die Gurken aus Spanien kommen. Das aber führt zu neuen Problemen, denn die Gurke ohne Plastikhülle wird schneller schlecht.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Krumme Gurken, die nicht der Norm entsprechen
Freie, unverpackte Gurken sind mittlerweile keine Seltenheit mehr im Supermarkt. Das Fehlen der Plastik-Hülle bringt aber auch Probleme mit sich. Bildrechte: imago images / Steinach

Ein Supermarkt in Halle. Die Salatgurken liegen unverpackt in einer Kiste. Zwei Fächer weiter: eingeschweißte rote Paprikas im Dreierpack. Aber immerhin, die Salatgurke kommt ohne Kunststoffhülle aus. Und das kommt wiederum bei den Kunden gut an.

Die Plastikverpackung sei "sinnlos", weil die Gurke ohnehin abgespült oder geschält würde, meint ein Kunde. Ein anderer weist darauf hin, dass die Gurken ja "aus der Erde" kommen und alle "krumm" und schief" aussehen würden; warum also extra verpacken? Wobei ein weiterer Kunde anmerkt, dass die Gurke, sofern er sie kaufen möchte, nicht "schlecht aussehen" dürfe.

Auf das Aussehen kommt es an

Ja, das Aussehen: Das kann unter Umständen leiden, auf dem Weg von Spanien nach Deutschland. So wird die umweltfreundliche Gurke zum Wegwerf-Gemüse, beklagt der Handelsverband Lebensmittel (BVLH). Denn je länger der Transportweg, desto höher die Gefahr, dass die Gurke ohne Schutzfolie Wasser verliert,  sagt Sprecher Christian Böttcher.

Die Gurke wird dann schrumpelig und ihr Umfang schrumpft. Teilweise bekommt sie auch gelbe Stellen.

Christian Böttcher, Sprecher des Handelsverbands Lebensmittel

Dann hätte sie nicht mehr das Aussehen, das die Kunden von einer grünen Gurke erwarteten und könnte auch nicht mehr angeboten werden, erklärt Böttcher. Ein echtes Dilemma: weniger Plastik, mehr Lebensmittelmüll. Wie groß die Verluste sind, darüber schweigt sich die Branche aus. MDR AKTUELL hat vier große Einzelhandelsketten gefragt.

Einzelhandel stellt um

Nur Lidl bestätigt, dass der Verzicht auf die Gurkenfolie zu Abschriften geführt habe, also zu Verlusten. Die Konsequenz: Der Discounter bietet beides an: eingeschweißte Gurken aus Spanien und plastikfreie Gurken aus Holland.

Andere Einzelhandelsketten haben ganzjährig auf plastikfreie Gurken umgestellt. Edeka, Rewe und Aldi Nord gehören dazu. Alle drei schreiben auf Anfrage von MDR AKTUELL, dass das nicht zu Problemen geführt habe.

Edeka betont die "enge Zusammenarbeit mit den Produzenten vor Ort", sowie "effiziente Prozesse und Transportwege in der Logistik." Rewe gibt an, dass "im Falle der Gurken eine Veränderung der komplexen Transportprozesse notwendig war". Aldi Nord möchte sich "aus Wettbewerbsgründen zu den Details dieser Optimierungen nicht weiter äußern."

Zumindest Rewe bestätigt, dass bei Schlechtwetterphasen die Gurken wieder eingeschweißt werden.

Recycling verbessern

Das Problem sei gar nicht das Plastik, sondern die schlechte Recycling-Quote, sagt die Chefin des Deutschen Verpackungsinstituts, Kim Cheng. Nach Angaben vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) werden nur 16 Prozent des deutschen Plastikmülls wiederverwertet. Zu wenig, findet Kim Cheng.

Wenn die Gurke foliert ist, und diese Folie in den Gelben Sack geworfen wird, dann wird aus dieser Folie über einen Recyclingprozess ein neues Produkt.

Kim Cheng, Chefin vom Deutschen Verpackungsinstitut

Dann wäre passiert, was sich das Deutsche Verpackungsinstitut wünscht: Dass Verpackung nicht "irgendwo verbrannt", sondern als sekundärer Stoff wiedergewonnen werde. Dafür bräuchte es auf der einen Seite mehr Aufklärungskampagnen für den Verbraucher. Und auf der anderen Seite bessere Sortieranlagen in den Recyclinghöfen.

Ein dritter Weg: Verpackung ohne Plastik, dafür mit einem essbaren Überzug aus Resten der Zuckerherstellung. "Coating" nennt sich das Verfahren. Also, ein aufgesprühter Zucker-Zellulose-Mantel, der Obst und Gemüse beim Transport frisch halten soll. Wie massentauglich dieses Verfahren ist? Derzeit noch unklar. Zumindest testen es aktuell einige deutsche Supermarktketten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. November 2019 | 08:54 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2019, 05:00 Uhr

16 Kommentare

MaP vor 4 Wochen

Diese Mitteilung habe ich bei MDR aktuell am Donnerstag Nachmittag mehrmals in den Nachrichten gehört. Nur deshalb war mir der Artikel bei Ihnen mit der gegenteiligen Aussage aufgefallen.

MDR-Team vor 4 Wochen

Lieber MaP,
haben Sie einen Link zu dem Artikel, dass im Winter trotzdem wieder die eingeschweißten Gurken kommen? Mehrere Händler verzichten laut diesem Artikel ganzjährig auf die Folie. Andere hingegen möglicherweise nur saisonal.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion

MaP vor 4 Wochen

"Das liegt daran, dass in diesem Jahr eine große Einzelhandelskette nach der anderen die Gurkenverpackung abgeschafft hat. Auch außerhalb der Saison. Sprich: In Herbst und Winter, wenn die Gurken aus Spanien kommen."
Und wieso widerspricht dies NICHT der Meldung, dass im Winter wieder die Gurken in Plastik daherkommen?