Mäharbeiten an einer Autobahn
Mit viel Aufwand wird der Straßenrand immer gemäht. Doch könnte man die Wiese nicht wachsen lassen um so Lebensraum für Insekten zu erhalten? Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Insektensterben Wiese am Straßenrand für Insekten stehen lassen?

Insektensterben ist ein großes Problem – eine Lösung dafür könnte am Straßenrand liegen. MDR-AKTUELL-Hörer Enrico Symanski fragt sich, warum man die Wiesen an den Straßenrändern und Autobahnauffahrten nicht einfach wachsen lässt, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden. Könnte also der Insektenschutz am Rande unserer Straßen eine Chance haben?

von Jens Falkowski, MDR AKTUELL

Mäharbeiten an einer Autobahn
Mit viel Aufwand wird der Straßenrand immer gemäht. Doch könnte man die Wiese nicht wachsen lassen um so Lebensraum für Insekten zu erhalten? Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Die A9 in Höhe Dessau: An der Anschlussstelle liegt eine der ältesten Autobahnmeistereien Deutschlands. Das Grün ringsum ist fein säuberlich gemäht. Hier steht Uwe Langkammer, der Präsident des Landesstraßenbauamtes Sachsen-Anhalt.

Sicherheit geht vor

An solchen großen Kreuzungen sei kein Platz für den Insektenschutz, denn innerhalb einer Anschlussstelle sei es sehr gefährlich, wenn das Gras zu hoch stehe, erklärt Langkammer.

Denn so würde es keine Sichtdreiecke mehr geben: "Wir müssen den Fahrzeugführern die Möglichkeit geben, den weiteren Verlauf der Straße einzusehen", so Langkammer. Sichtdreiecke sind notwendig für den freien Blick auf den Verlauf der Straße und auf Kreuzungsbereiche.

Straßenwiesen ein wertvoller Lebensraum

Die intensiv gemähten Flächen entlang der großen Straßen wirken oft kahl und leer. So sieht es auch in der Nähe des Dresdner Flughafens aus. Insektenforscher Matthias Nuss von der Senckenberg Gesellschaft sieht in dem kurz geschorenen Rasen viel Potenzial, wenn die vorhandenen Pflanzen nur wachsen dürften.

Wir sehen den Storchschnabel, die Schafgarbe, den Spitzwegerich oder die Habichtskräuter. Das sind alles Pflanzen, die Blüten hervorbringen und Nektar und Pollen produzieren, den unsere Insekten brauchen.

Matthias Nuss Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Matthias Nuss versteht die Sicherheitsbedenken des Straßenbauamtes. Doch durch die Veränderung des Mahdregimes könnte aus diesen Rasenflächen wertvolle Blühwiesen werden. Verkehrssicherheit und Insektenschutz seien so vereinbar.

Für eine optimale Pflege der Straßenränder gebe es zwei Möglichkeiten, erläutert Nuss. Zum einem könne die Mahd immer partiell ausgesetzt werden: "Das heißt, ich mähe beispielsweise 20 Meter und lasse 5 oder 10 Meter aus." Oder man mähe den einen Straßenrand komplett und sechs Wochen später den anderen, schlägt Nuss vor.

Ausgleichsflächen für den Insektenschutz

Bedeutet: Würde man die Mäharbeiten umstellen, würden die Insekten jederzeit Unterschlupf finden. Für die Straßenbaubehörde steht aber die Verkehrssicherheit an erster Stelle.

Uwe Langkammer entgegnet der Kritik: Sein Amt schaffe genügend Raum für Insekten, allerdings weitab der Autobahn auf den sogenannten Ausgleichsflächen. Dafür würde man extra Flächen erwerben, um diese für den Insektenschutz herzurichten.

Dieser Prozess sei auch verbindlich in den Planungen für Neubauten und Erweiterungsprojekte festgeschrieben, berichtet Langkammer. Insektenschutz an Autobahnen und Bundesstraßen bleibt also eher die Ausnahme. Die Verkehrssicherheit hat hier eindeutig Vorrang.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. September 2019 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2019, 05:00 Uhr

3 Kommentare

Silver Ager vor 3 Wochen

Betonköpfe werden erst Umdenken wenn es 5 nach 12 ist und Singvögel, Insekten und Heimattiere wie Hase und Igel nur noch im Museum zu sehen und von Konserve zu hören sind. FFF hat Recht, es geht um deren Zukunft

Norbert Franke vor 3 Wochen

Offensichtlich hat Deutschland keine anderen Sorgen ?
Ich fand das diesen Sommer so wenig wie seit Jahren nicht an Straßenrändern gemäht wurde und man sah teilweise die Leitpfosten nicht mehr,geht gar nicht !
Aber gut,statt zu sagen die Landkreise haben kein Geld mehr kann man auch sagen es ist wegen des Insektenschutzes.
Ich würde dann aber auch ganz konsequent sein und nur noch E- Autos und Fahrräder auf der Straße fahren lassen damit die Insekten saubere Luft beim naschen einatmen können.

Jan vor 3 Wochen

Bei so viel Flächenversiegelung durch den Menschen ist jede wilde Begrünung nur zu Begrüßen!