Die Zapfsäule einer Wasserstoff-Tankstelle.
Der Ausbau von Wasserstoffantrieben geht nur langsam voran. Dabei kann er eine mögliche Alternative zum Verbrennungsmotor sein. Bildrechte: dpa

Wasserstoff-Motor Thüringen will den Wasserstoffantrieb voranbringen

Neben der Elektromobilität ist auch der Wasserstoffantrieb eine mögliche Alternative zum Verbrennungsmotor. Bislang werden Wasserstoffautos allerdings kaum genutzt und Tankstellen gibt es auch nur wenige. Deshalb fragt sich MDR-AKTUELL-Hörer Gunther Zielosko aus Erfurt, warum Thüringen immer noch das einzige Land ohne Wasserstofftankstellen ist. Dabei hatte das Verkehrsministerium schon vor Jahren angekündigt, solche Tankstellen bauen zu wollen.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Die Zapfsäule einer Wasserstoff-Tankstelle.
Der Ausbau von Wasserstoffantrieben geht nur langsam voran. Dabei kann er eine mögliche Alternative zum Verbrennungsmotor sein. Bildrechte: dpa

An der Total-Tankstelle im Südosten Erfurts dröhnen die Baumaschinen. Der Asphaltboden ist ausgehoben, aus dem Loch ragen weiße Säulen. Hier entsteht Thüringens erste öffentliche Wasserstofftankstelle.

Im Herbst soll sie eröffnet werden und das Netz von derzeit 74 Tankstellen in Deutschland ergänzen. Dabei wollte man eigentlich schon mal weiter sein. 2006 rief Wolfgang Tiefensee als damaliger Bundesverkehrsminister eine Wasserstoff-Initiative ins Leben. Danach hieß es, dass es schon bis 2011 rund 60 Tankstellen geben soll.

Viel Aufwand und hohe Kosten

Heute ist Tiefensee Thüringens Wirtschaftsminister und begründet den stockenden Ausbau der Wasserstoff-Technologie mit den damit verbundenen Kosten. Die Produktion sowie die Errichtung der Tankstellen und der Besitz dieser Fahrzeuge selbst seien sehr teuer, ergänzt Tiefensee.

Hier sieht er die Automobilindustrie und die Politik in der Pflicht, eine Strategie zu entwickeln. "Denn nur, wenn man am Anfang eine Technologie, die vergleichsweise teuer ist, unterstützt, kann sie zum Durchbruch gebracht werden. Das ist leider nicht geschehen."

Herstellung sehr aufwendig

Die Probleme, die Tiefensee anspricht, sollte man noch mal aufschlüsseln. Erstens: Bei der Herstellung und Verstromung von Wasserstoff geht viel Energie verloren. Experten zufolge fließt letztlich nur etwa ein Viertel der eingesetzten Energie in die Fortbewegung.

Kostenintensiv in Anschaffung und Fahren

Zweitens: Der Bau einer Wasserstofftankstelle ist mit rund einer Million Euro vergleichsweise teuer. Und auch der Tankpreis selbst ist hoch: Für 100 km zahlt man bei Wasserstoff doppelt so viel wie bei einem E-Auto.

Drittens: Für Wasserstoffautos gibt es zwar eine Förderung, sie kosten aber auch 50.000 Euro bis 80.000 Euro. Deshalb sind bundesweit nicht mal 400 beim Kraftfahrtbundesamt gemeldet.

Kein klimaschädliches Abfallprodukt

Trotzdem hat die Technologie immense Vorteile: Sie ist leise, das Tanken geht schnell. Und am Ende entstünden keine klimaschädlichen Gase, sondern Wasser, benennt Andreas Braun von der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur einen weiteren Vorteil.

"Und wenn man Wasserstoff mit erneuerbaren Energien herstellt, ist das auch eine sehr umweltverträgliche Lösung", ergänzt Braun. Bislang wird der meiste Wasserstoff noch aus fossilen Brennstoffen hergestellt. In Zukunft will man aber vermehrt die überschüssige Energie nutzen, wenn viel Wind weht oder die Sonne lange scheint.

Politik muss umdenken

Die Technologie ist dann vielleicht noch nicht sofort für private Fahrzeughalter erschwinglich, aber Busse und Züge könnten mit Wasserstoff betrieben werden, betont Tiefensee.

Thüringens Wirtschaftsminister ist zuversichtlich, dass es zum Durchbruch der Technologie kommen könnte, wenn die Politik ihre Strategie umschwenke und neben der Elektromobilität auch auf Wasserstoff setzen würde.

Thüringen arbeitet an einer Strategie

Deshalb arbeitet Thüringen auch schon an einer eigenen Wasserstoffstrategie. Vor allem das Umweltministerium sei da federführend, berichtet Andreas Braun.

Ein Wasserstoffzug sei im Frühjahr eine Teststrecke gefahren und soll 2021 seinen Betrieb aufnehmen. Die Thüringer Wasserstoffstrategie soll noch in diesem Herbst fertig werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2018, 13:05 Uhr

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21 Kommentare

13.08.2019 12:56 Eulenspiegel 21

Also ich denke es wird in Zukunft verschiedene Antriebsarten geben. Es wird das E Auto geben, es wird Autos mit einer Wasserstoffnennstoffzelle geben und es wird das Biogas betriebene Auto geben. Und dann wird es Mischformen geben sogenannte Hybridelektrokraftfahrzeug. Diese Hybridelektrokraftfahrzeuge finde ich sehr interessant. Das erste gab es schon 1902. Das ist ein E Auto mit geringer Batterieleistung das aber seinen eigenen Stromgenerator mitführt. Natürlich betrieben mit einer Wasserstoffnennstoffzelle oder mit Biogas.
Ich jedenfalls denke das was Jürgen Förster 13 schreibt sollte man da lassen wo es hin gehört in einem Horrorfilm. In dieser Rechnung gibt es einfach zu viele Unbekannte und ist somit alles andere als seriös.

13.08.2019 09:29 martin 20

@19 part: Ihre Kritik am faktischen Ernergieerzeuger-Kartell teile ich im Prinzip.

Es gibt aber mittlerweile sehr wohl eine Reihe regionaler Strukturen. Ob die Kraftwerke dabei in der Hand der Kommune, eines kommunalen Unternehmens oder einer Genossenschaft sind, ist mir dabei zunächst einmal genauso egal, wie die Frage, ob es ein Wasserkraftwerk, ein Windpark, ein Solarpark, ein BHKW oder einer Biomassekraftwerk ist.

Ich vermute, dass von der Idee, die eAutos auch als Pufferspeicher zu verwenden, alle Verbraucher profitieren können, denn ein "Schwarmspeicher" kann teure Großspeicher ersetzen und kann übrigens auch gegen Monopole und Kartelle wirken.

Ihre Auffassung, dass ein ökologischer Abdruck deutlich mehr als der CO2 Ausstoss ist und die Kritik sich nur auf einen Aspekt zu fokussieren, teile ich uneingeschränkt.

12.08.2019 23:23 part 19

Ein jedes Produkt hat seinen eigenen ökologischen Fingerabdruck in der Herstellung und im Betrieb. Dabei nur auf den nachfolgenden CO²- Ausstoß zu verweisen verschliert die Betrachtungsweise, denn Rohstoff- oder Energiegewinnung bei der Erzeugung in Relation zum Endprodukt mit Folgekosten und Folgeemissionen sowie Reyclingkosten ergeben oftmals ganz andere Ergebnisse als sie uns Industrie und Politik gern vorrechnen. Vom E- Auto werden daher massiv die Stromerzeuger am Markt profitieren, als Zwischenspeicher für ihre Überkapazitäten aus Kohle- und Atomstrom, während duzente Gaskraftwerke abgeschaltet wurden in der BRD. Der Wirkungsgrad einer Energienutzung sagt aber noch nichts über deren ökologischen Fingerabdruck aus. Die generelle volle staatliche Förderung von Energierezeugung durch Jederman würde das Monopol der Marktmonolisten brechen, doch wer strebt dies an im Bundestag? Und ich kenne nicht eine Kommune in BRD, die eine Schiffsmühle im Fluß zur Ernergiegewinnung bettreibt.

12.08.2019 17:34 der Uwe 18

Ich sehe es auch so, dass das beste/ vernünftigste und wirtschaftsverträglichste ein individueller Misch aus mehreren Antriebsmöglichkeiten sein sollte.
Wie hier schon richtig erwähnt wurde, ist das Lithium- Vorkommen auch geographisch auf wenige Länder begrenzt. -> eine Abhängigkeit wäre da fatal.
Zum Anderen geht der Abbau total auf Kosten der dort ansässigen Bewohner (Grund- Wasser wird Ihnen abgegraben) .
Der Vergleich mit Norwegen hinkt ein bißchen, da dort der Strom regelrecht als " Abfallprodukt" der topographischen Gegebenheiten vorliegt ( viele Wasserkraftwerke pro km Flussverlauf)
Der neueste Schrei, der mir zu Ohren kam, ist der Gedanke, Autos, die an der Ladesäule hängen und demnächst nicht bewegt werden sollen, als Pufferspeicher für das E- Netz zu nutzen.( Landesweit)

12.08.2019 17:23 martin 17

@13 jürgen: Und wieviel Leistung würde benötigt, wenn alle elektrischen Verbraucher der Republik auf einmal ihre max. Leistung ziehen würden?

Lastregulierung ist schon immer ein Thema für die Stromnetzbetreiber. Und das kennen auch schon die Besitzer uralter Nachtspeicher-Elektro-Heizungen. Ganz zu schweigen von den echten Großverbrauchern in der Industrie.

Übrigens benötigt die Republik keine 1 Mill. Ladestationen mit je 350 kW.

Darüber hinaus schrieb ich bereits in meinem Beitrag #9 von "vernünftiger Ladesteuerung".

12.08.2019 16:41 Fragender Rentner 16

Wird bei der Gewinnung des H2 auch soviel Umwelt zerstört wie bei der Gewinnung für die Akkus der E-Autos?

12.08.2019 16:39 Fragender Rentner 15

Mit dem H2 hätte man schon vor ca. 20 Jahren beginnen können nur gab es bestimmt wichtige Gründe für die Unternehem und die Politik dies nicht zu wollen?

12.08.2019 15:56 Gunther Zielosko 14

Leider sind in der Sendung nur wenige Fakten aus meiner Anfrage erschienen. Nur mal ein paar:
Stimmt, eine Wasserstofftanstelle kostet 1 Million - mit einer Milliarde (die werden doch heute überall problemlos verballert) könnte man 1000 (!) bauen.
Die PKW-H2-Technologie ist fertig - z.B. Toyota Mirai usw.
Die E-Mobilität über Akku ist schon heute zum Scheitern verurteilt, die Stromnetze und die Tankplätze werden bei Massenbetrieb niemals ausreichen. Diese Technologie wird zum weiteren Ansteigen von Zweitwagen führen.
Das Wichtigste aber - mit H2 kann die zeitweise überschüssige Energie von Wind und Solar jetzt schon effektiv genutzt werden, statt die Anlagen abzuschalten. Damit und beim massiven Ausbau der H2-Technik wird bald alles viel billiger.

12.08.2019 14:40 Jürgen Förster 13

@Mediator,
ich kann Ihnen nur ans Herz legen, schauen Sie sich auf Youtube 'Harald Lesch, Brennstoffzelle im Auto; Besser als Lithiumakkus?' an.
Es dauert nur ca. 13 Minuten, und erklärt ziemlich gut, weil praxisbezogen, was ein großflächiger Umstieg auf E-Mobilität bedeuten würde.
Nur ein Punkt: Aktuell liefert das komplette deutsche Stromnetz ca. 68,5 Gigawatt Leistung.
Hätten wir ein Netz von 1 Mio. Ladestationen, müsste eine Leistung von 350 GW allein für diese ständig vorgehalten werden.
Wie das funktionieren soll, hat mir noch niemand erklärt, der den Umstieg auf E-Mobilität für praktikabel hält.

12.08.2019 13:18 Möwe 12

Elektroautos waren auch mal extrem teuer. Ich finde Elektro braucht eine Alternative. Nicht einmal die Grünen haben ein vernünftiges Konzept zur Entsorgung/Wiederaufarbeitung des Elektromülls. Die positive Ökobilanz des E-Autos ist auch ohne diesem Punkt hoch strittig.

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