Niedrigwasser Mitteldeutschlands Flüsse führen wenig Wasser

Der Winter mit satten Schneefällen lässt in Mitteldeutschland schon seit Wochen auf sich warten. Statt Schnee gibts erste Frühlingsboten. Schaut man sich auch die Flüsse bei uns im Sendegebiet an, dann fällt auf, dass die Pegel sehr niedrig sind. Hängt das mit dem ausbleibenden Winter zusammen oder gibt es andere Gründe dafür?

Niedrigwasser an einem Fluss
Die Elbe – hier bei Magdeburg – ist das wohl bekannteste Gewässer in Mitteldeutschland. Auch sie hat immer wieder mit Niedrigwasser zu kämpfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu den größten und bekanntesten Gewässern in Mitteldeutschland gehören die Elbe, Saale, Unstrut, die Werra, Weiße und Schwarze Elster oder die Mulde. Allein die Elbe, der größte Fluss, der unsere Region durchfließt, führt momentan nur halb so viel Wasser wie sonst um diese Jahreszeit. Aktuell liegt der Elbe-Pegel in Dresden bei 83 Zentimetern, normal wären hier jetzt im Januar 165 Zentimeter.

Hauptursache für die niedrigen Pegel sind die geringen Niederschläge, die im letzten Jahr bei nur 80 Prozent des Durchschnittswertes lagen, im Jahr davor sogar bei nur 60 Prozent. Karin Bernhardt vom Landesumweltamt Sachsen nennt weitere Details: "Im Moment wird an 23 Prozent der Pegelmessstellen in Sachsen Niedrigwasser gemessen. Und weitere 32 Prozent der Pegel weisen jetzt schon Wasserstände auf, die bald in diesen Bereich fallen werden."

Damit wäre dann schon fast die Hälfte der Flüsse im Niedrigwasserbereich. Gefahr für die Fische bestehe allerdings zur Zeit nicht, erklärt das sächsische Landesumweltamt. Auch die Schifffahrt sei noch nicht eingeschränkt. Sinke aber der Pegel der Elbe weiter, werde es kritisch.

Boden-Wasser-Haushalt betroffen

Für die niedrigen Wasserstände ist nicht nur der milde Winter verantwortlich, sagt Karin Bernhardt vom sächsischen Landesumweltamt:

"Die momentane Situation baut sich im Prinzip schon über mehrere Jahre auf und das hat auch Auswirkungen auf den Boden-Wasser-Haushalt. Wenn Sie sich den Boden wie einen Schwamm vorstellen, hat der ja so eine Saugfunktion und so lange der Schwamm nicht voll ist, nimmt er Wasser auf und es fließt so gut wie gar nicht unterirdisch in die Gewässer."

Auch Thüringen mit Niedrigwasser

Das Niederschlagsdefizit macht vor den Ländergrenzen nicht halt, deshalb gestaltet sich die Situation ähnlich auch in Sachsen-Anhalt und Thüringen, auch hier liegen die Pegelstände und Niederschlagsmengen unter den langjährigen Mittelwerten. In Thüringen jedoch sieht der hydrologische Landesdienst noch keinen Grund zur Sorge und verweist hier auf Schnee in den höheren Lagen, wie Referent Ralf Haupt erklärt:

"Wenn ich Winter habe, wo sich Schneerücklagen bilden, dann kommt es im Januar natürlich zu keinen Rückflüssen, denn der Schnee sammelt sich ja im Gebirge an und fließt ja dann gar nicht ab. Und dieses Wasser kommt erst zu einem viel späteren Zeitpunkt in die Gewässer, wenn es nämlich taut und wenn ich zum Beispiel kältere Januare habe, da kann es zwar schneien, es wird zwar Niederschlag registriert, in Form von Schnee, aber der wird ja gar nicht abflusswirksam."

Negative Folgen erst im Frühjahr

Ob wir es mit einem Trend zu tun haben, der zeigt, dass die Niederschläge geringer und die Winter trockener werden, das müsste wissenschaftlich über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Sollte es in den nächsten Wochen weiterhin wenig regnen oder schneien, so dürfte das erst im Frühjahr negative Auswirkungen haben. Das sagt Ralf Haupt vom hydrologischen Landesdienst in Thüringen:

"Ernst wird die Situation, wenn wir in den April kommen, wenn dann also wieder die Vegetationsperiode startet und dort jetzt wie in den vergangenen Jahren schon öfter registriert, dann wieder diese Niederschläge ausbleiben, die eigentlich für die Vegetationsperiode ganz wichtig sind. Dann wird es sicherlich wieder eng. Aber bis dahin ist ja bis jetzt mehr oder weniger Vegetationsruhe."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Januar 2020 | 07:25 Uhr

3 Kommentare

Alf vor 18 Wochen

Hellseher brauchen wir nicht, gibt's da nicht hinter den sieben Bergen diesen einen Wetterbauern (den Namen kann ich mir nie merken), den der MDR regelmäßig befragt?

W.Merseburger vor 18 Wochen

Im Artikel steht, dass 2019 "nur" 80% der durchschnittlichen Regenmenge gefallen sind und deshalb die Elbe so wenig Wasser führt. Das stimmt für das Land Sachsen. Allerdings wird die Elbe durch die Regenmengen des Riesengebirges und via Moldau durch die Regenmengen des Böhmerwaldes gespeist. Der Anteil Sachsens an der Höhe des Elbe Pegel ist wichtig für die weiteren Regionen wie z.B Sachsen Anhalt. Natürlich ist es eine Binsenweisheit, dass kein Regen auch niedrige Pegelstände der Flüsse bedeutet. Aber eine Voraussage, wie sich in diesem Jahr das Wetter bezüglich Regenmengen entwickelt, ist schwer möglich und sollte nur Hellsehern überlassen werden.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 18 Wochen

das gab es auch schon vor hundert Jahren.
wenn der MDR ernst genommen werden möchte, sollte er mal die Wasserstände der Elbe der letzten 100 Jahren veröffentlichen.

ansonsten: obsolet!!! ;-))))))))