Bagger und Schweres Gerät bei Straßenbau.
Beim Straßenbau können giftige Dämpfe entstehen. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Straßennbau Streit um Grenzwert für Asphaltdämpfe

Autobahnen, Straßen und Wege hierzulande sind fast immer aus Asphalt. Wenn sie gebaut werden, erkennt man das schon am Geruch. Das liegt am Bitumen, der den Straßenbelag praktisch als Bindemittel zusammenhält. Für dessen Ausdünstungen soll nun ein neuer Grenzwert festgelegt werden. Das sorgt für Streit.

von Uwe Jahn, MDR AKTUELL

Bagger und Schweres Gerät bei Straßenbau.
Beim Straßenbau können giftige Dämpfe entstehen. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Gleich zwei Branchenverbände schlagen Alarm. In einem offenen Brief an die Bundesregierung heißt es: "Die Errichtung unserer Straßen findet zu 95 Prozent in Asphaltbauweise statt. Dabei werden in der Praxis Dämpfe und Aerosole aus Bitumen mit Werten zwischen 8 und 12 Milligramm pro Kubikmeter freigesetzt. Wenn jetzt der Arbeitsplatzgrenzwert von 1,5 Milligramm pro Kubikmeter beschlossen wird, müssten wir fast den gesamten Straßenbau einstellen."

Allerdings wird den Asphaltdämpfen zugeschrieben, der Gesundheit zu schaden. Nun fürchten der Baugewerbe Zentralverband und der Hauptverband der Bauindustrie, dass der genannte Grenzwert für Asphaltdämpfe schon zur Jahreswende eingeführt wird. Dann wären den Verbänden zufolge viele Unternehmen nicht mehr arbeitsfähig und gerieten in Schieflage.

Neue Grenzwerte

Dieter Babiel vom Hauptverband der Bauindustrie sagt: "Das Problem ist, wir haben heute einen ganz anderen Grenzwert, der liegt zwischen 8 und 12 mg, das ist eine so drastische Verringerung, das bedeutet einen erheblichen technischen Aufwand, Umrüstungsaufwand." Und das sei so schnell, wie das jetzt in der Luft liege, Jahresbeginn 2020, einfach nicht machbar.

Arbeiter beim Straßenbau
Arbeiter beim Straßenbau Bildrechte: dpa

Die Unternehmer fordern eine Übergangsfrist von acht Jahren, zum Beispiel, um Geräte mit Absaugvorrichtungen auszurüsten oder ganz neu zu beschaffen. Dietmar Schäfers, der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft IG BAU, widerspricht: "Die Diskussion ist ja nicht plötzlich nachts vom Himmel gefallen, sondern man diskutiert das Thema schon seit längerer Zeit. Alle waren beteiligt, deswegen bin ich ein bisschen überrascht über die Panikmache, die da plötzlich passiert. Ich denke, da wird man jetzt eine vernünftige Regelung finden, nur acht Jahre sind zu lang."

Branchenverbänden geht es zu schnell

Aber zur Jahreswende schon, das halten die Unternehmer für zu kurz.

Das ist einfach im Moment ein zu schneller Schuss, wir erhoffen uns einfach mehr Zeit, wo wir in Ruhe umrüsten können, alles vorbereiten können, neue Techniken auch ausprobieren können, und dann wird das schon klappen.

Dieter Babiel Hauptverband der Bauindustrie

Entscheidung steht noch aus

Was klappen soll, ist zunächst einmal eine Einigung im Ausschuss für Gefahrstoffe bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Dort steht der Grenzwert für Asphaltdämpfe Dienstag und Mittwoch auf der Tagesordnung. Experten, Arbeitgeber und Gewerkschaften beraten und beschließen. Der offene Brief der Bauindustrie könnte als Versuch gedeutet werden, Druck von außen aufzubauen, obwohl man selbst mit am Tisch sitzt.

Wenn die Wirtschaft sagt, sie kriegten das nicht so schnell hin, dann mache ich mir langsam Sorgen um die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie.

Dietmar Schäfers Stellvertretender Bundesvorsitzende der Gewerkschaft IG BAU

Schäfers sagt: "Früher haben wir immer alles hingekriegt, heute geht immer nix." Im Nachbarland Frankreich gelte schon längst ein strenger Grenzwert für Asphaltdämpfe, erklärt Schäfers.

Mann trägt Helm und Warnweste 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mo 12.08.2019 15:15Uhr 03:27 min

https://www.mdr.de/wissen/faszination-technik/zement-der-zukunft100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. November 2019 | 05:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 07:03 Uhr

6 Kommentare

Jessy-2 vor 2 Wochen

Da gibt es wohl keine Asphaltierten Radwege mehr? Die werden wohl jetzt Alle zurück gebaut? Was wird nun aus den Straßen und Autobahnen? Man kann mal gespannt sein, wenn die ersten Radfahrer Klage einreichenß

part vor 2 Wochen

Asphalt wurde schon in Schulen verbaut zur besseren Geräuschdämmung oder in der Wirtschaft und in Industrieeinrichtungen, praktisch überall wo Stapler rollen. Wie sehen dann die Grenzwerte für Gebäude aus?

Arnold vor 2 Wochen

Aus gesundheitlichen Gründen gab es da schon immer Untersuchungen der Berufsgenossenschaft. Soweit ich weiss wurde da nie etwas negatives festgestellt. Allerdings ist es so, daß beim Verarbeiten von Asphalt Trennmittel eingesetzt werden müssen. Leider werden selten ordentliche Trennmittel benutzt. Weil die meisten Verarbeiter zu faul sind, wird oft Diesel als Trennmittel benutzt. Das funktioniert auch sehr gut. Leider löst Öl oder Diesel den Bitumen dauerhaft an. Was dazu führt, daß die Asphaltdecke nicht so lange hält wie sie halten könnte. Da wird dann immer wieder von Frostschäden gesprochen.
Für die Gesundheit ist der Gebrauch von Öl oder Diesel als Trennmittel aber duchaus mehr als Bedenklich. Das Öl verbrennt teilweise und der entstehende "Dampf" wird von dem Personal eingeatmet. Ich sage nur PAK. Krebserregend, Erbgutverändernd... Das ist aus meiner Sicht ein viel größeres Problem und sehr einfach zu lösen. Leider gibt es dazu nur sehr selten Kontrollen.
MfG