Staub zieht über eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der Autobahn
Eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der Autobahn 9 in Brandenburg. Bildrechte: dpa

Klimawandel BUND warnt vor "Waldsterben 2.0"

Das Waldsterben war in den 1980er-Jahren eines der wichtigsten Umweltthemen. Jetzt erlebe man eine gefahrenvolle Neuauflage, meint der BUND und fordert einen schnellen Umbau der Wälder. In Sachsen-Anhalt sorgt unterdessen ein Borkenkäfer namens "Berti" für Unmut bei den Waldbesitzern.

Staub zieht über eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der Autobahn
Eine vertrocknete ehemalige Waldfläche an der Autobahn 9 in Brandenburg. Bildrechte: dpa

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt angesichts der Erderwärmung vor einem "Waldsterben 2.0". BUND-Vorsitzender Hubert Weiger sagte, die Wälder seien am stärksten von der Klimakrise betroffen.

In Folge der anhaltenden Trockenheit und Hitze der vergangenen Jahre spitze sich die Situation dramatisch zu. Die Bäume litten unter Luftschadstoffen, ausgetrockneten Böden und dem Befall von Schädlingen wie Borkenkäfern und Nonnen. All das erzeuge für die Wälder Klimastress.

BUND fordert Umbau der Wälder

Abgestorbene Bäume in einem Wald
Vom Borkenkäfer befallene Bäume auf dem Brocken im Harz Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weiger sprach von "einer Situation, wie wir sie nach dem erfolgreichen Kampf gegen das Waldsterben Anfang der 1980er-Jahre nicht für möglich gehalten hätten". Vor allem große Monokulturwälder aus Fichten und Kiefern würden aufgrund der Stressbelastung regelrecht "zusammenbrechen".

Sein Verband legte am Mittwoch einen Maßnahmenkatalog vor. Darin wird unter anderem ein Umbau der Wälder in naturnahe Laubmischwälder gefordert, der vom Bund finanziell gefördert werden müsse.

Forstminister: Schäden nicht örtlich begrenzt

Auch Baden-Württembergs Forstminister Peter Hauck warnte am Mittwoch eindringlich vor dramatischen Waldschäden in Folge des Klimawandels. So gebe es neuerdings "immense Schäden" bei Tannen, obwohl diese Baumart bisher als möglicher Profiteur des Klimawandels galt. Auch seien zuletzt drastische Schäden an der Buche aufgetreten.

Die Schäden seien kein örtlich begrenztes Ereignis mehr, sondern eine "nationale Herausforderung". Hauck sagte, er werde Bundesumweltministerium Svenja Schulze um Bundeshilfen bitten.

Der Wald droht, sich in Teilen aufzulösen.

Peter Hauck Minister für Ländlichen Raum in Baden-Württemberg

Drei ineinander verwachsene Buchen stehen im Urwald Sababurg bei Hofgeismar
Drei ineinander verwachsene Buchen im Urwald Sababurg in Hessen. Bildrechte: dpa

Aufkleber über Borkenkäfer sorgen für Unmut

Borkenkäfer Berti Kampagne Nationalpark Harz
Aufkleber vom Nationalpark Harz, der "Borkenkäfer Berti" zeigt. Bildrechte: MDR/Elke Kürschner

In Sachsen-Anhalt sorgt unterdessen eine Borkenkäfer-Kampagne für Wirbel, die bereits im vorigen Jahr ins Leben gerufen wurde. Der Nationalpark Harz verteilt seither an junge Besucher Aufkleber mit der Aufschrift "Borkenkäfer Berti" und dem Spruch "Ich schaffe Wildnis".

Der Verband der Waldbesitzer hält das für eine unzulängliche Verniedlichung. Vorsitzender Michael Prinz zu Salm-Salm sagte am Mittwoch MDR AKTUELL, dass er eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Nationalparkleiter und Sachsens-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert eingereicht habe.  

Vom Nationalpark hieß es dazu, der Borkenkäfer sei nicht nur Baumschädling, sondern baue den Wald langfristig auch zu stabileren Bestände um.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juli 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juli 2019, 18:32 Uhr

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3 Kommentare

25.07.2019 08:04 Sr.Raul 3

Das ist mit "Waldsterben 2.0" noch sehr milde ausgedrückt! Wir stehen global vor dem völligen Wegbruch bisher bekannter ökologischer Systeme. Die daraus resultierend Folgen, mag sich jeder selber ausmalen. Damit einher werden epische gesellschaftliche Veränderungen gehen. Im Zuge Dessen werden Fortschritt, Wirtschaft/Finanzwesen im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang komplett neu und anders als im aktuellen turbokapitalistischen Weltbild, zu definieren sein. Wie von Marx und Engels ausgearbeitet, steht das aktuelle System vor dem Zusammenbruch. Nicht heute und morgen, jedoch langsam absehbar und nicht durch eine menschengemachte Revolution, sondern eine rein Ökologische. Mutter Natur schlägt zurück, mit aller Härte! Soweit konnten die beiden Philosophen damals jedoch nicht voraus sehen. Aber wie sprach schon der "Kanzler der Einheit"?: "Entscheidend ist, Was hinten raus kommt!"

25.07.2019 05:25 Auf der Sonnenseite des Lebens 2

"BUND warnt vor "Waldsterben 2.0"

ich nehme aber mal an des es in erster Linie Wirtschaftswälder sind, in Naturbelassenen Wäldern juckt es den Baum nicht wenn sich eine Wildsau dran kratzt.
Um um mal die Bayern zu zitieren ;-)

24.07.2019 23:22 part 1

Schauen wir weiter östlicher, was sich dort für Waldarten entwickelt haben, am besten nach Rußland, dessen Kontinentalklima wir zumnehmend übernehmen. Kalte trockene Winter und wärmere noch trocknere Sommer. Für das Anpflanzen von Olivenbäume ist das nix, obwohl Maulbeerbäume schon seit Jahren nicht mehr erfrieren bei uns. Die bunte Mischung an Waldbäumen macht das örtliche Klima, Tiefwurzler vermischt mit Breitwurzlern. Die Zeiten von industrieller Holzvermarktung werden aber geringer werden, besonders wenn man den Wald nicht mehr aufräumt seit 1990 und so die Schädlinge selbst anzüchtet. Hege und Pflege gelten nicht nur für den Jadtpächter sondern auch für den Waldeigner.