Ein Richtkranz hängt an einem Einfamilienhaus in einem Wohngebiet mit neu entstandenen Wohnhäusern
Ein Neubaugebiet im sächsischen Rötha. Viele Deutschen können oder wollen sich keine eigene Immobilie mehr leisten. Bildrechte: dpa

Vermögensbarometer Graben zwischen Stadt und Land wächst

Die Deutschen sind so zufrieden mit ihrer finanziellen Lage wie seit 15 Jahren nicht. Es gibt allerdings Probleme: Ein Immobilienkauf ist für viele zu teuer und die Landbevölkerung fühlt sich finanziell benachteiligt.

Ein Richtkranz hängt an einem Einfamilienhaus in einem Wohngebiet mit neu entstandenen Wohnhäusern
Ein Neubaugebiet im sächsischen Rötha. Viele Deutschen können oder wollen sich keine eigene Immobilie mehr leisten. Bildrechte: dpa

Die Deutschen bewerten ihre gegenwärtige finanzielle Situation so gut wie nie in den letzten 15 Jahren. Laut aktuellem Vermögensbarometer des deutschen Sparkassen- und Giroverbands bewerten 43 Prozent in der Innenstadt, 44 Prozent in der Vorstadt und ebenfalls 44 Prozent in stadtnahen ländlichen Gegenden ihre finanzielle Situation als gut oder sehr gut. So hoch war der Wert seit 2005 nicht.

Ganz anders sieht es allerdings bei der ländlichen Bevölkerung aus, hier stufen nur 31 Prozent der Menschen ihre finanzielle Situation als gut oder sehr gut ein, der Anteil liegt zwölf Prozentpunkte unter dem Durchschnitt.

Damit ist der Unterschied zwischen Stadt und Land deutlich ausgeprägter als der zwischen Ost und West. Auch in der Frage nach der finanziellen Zukunft gibt es große Unterschiede je nach Wohnort: In der Innenstadt rechnen 33 Prozent mit einer Verbesserung. In den Vorstadtbezirken beläuft sich dieser Anteil auf 28 Prozent, in stadtnahen ländlichen Gegenden auf 30 Prozent. Auf dem Land weitab der nächsten Stadt geht dagegen nur ein knappes Fünftel der Befragten von einer Verbesserung aus.

Immobilienkauf: Hohe Preise schrecken ab

Die hohen Immobilienpreise schrecken vor allem in Städten und Vorstädten viele Käufer ab. Zwei Drittel aller Deutschen in der Altersgruppe zwischen 20 und 50 planen keinen Immobilienkauf, der wichtigste Grund dafür ist fehlendes Eigenkapital. In Innenstädten sagen 62 Prozent der Befragten, dass Eigenkapital für einen Kauf fehlt.

Auf dem Land, bei niedrigeren Immobilienkauf- und Mietpreisen ist fehlendes Eigenkapital ein deutlich geringeres Problem, nur 40 Prozent der stadtnah lebenden Befragten und 45 Prozent der stadtfern Lebenden nannten fehlendes Eigenkapital als Grund, der gegen einen Immobilienkauf spricht.

Im ländlichen Raum besitzen allerdings auch deutlich mehr Menschen bereits ein eigenes Haus. Während nur sieben Prozent der Befragten aus Innenstädten und 20 Prozent aus Vorstädten den Besitz einer eigengenutzten Immobilie nannten, liegen diese Werte bei Landbewohnern über 30 Prozent.

Der drittwichtigste Grund, der für die Befragten gegen den Erwerb einer eigenen Immobilie spricht, ist das durch niedrige Kreditzinsen befeuerte, derzeit sehr hohe Preisniveau im Immobilienbereich. Deutschlandweit nennen 14 Prozent aller Befragten die hohen Immobilienpreise als Hindernisgrund für einen Kauf.

Sorge vor Altersarmut ist hoch

Die Sorge um eine fehlende Altersvorsorge ist in Innenstädten deutlich höher als auf dem Land. Insgesamt beantworten nur 40 Prozent der Befragten die Frage, ob sie im Alter ausreichend finanziell abgesichert sind, mit "Ja". Fast die Hälfte aller Befragten aus Innenstädten rechnet deswegen damit, auch nach dem gesetzlichen Renteneintrittsalter noch arbeiten zu gehen.

Beim Blick auf Anlagen, zeigt sich: Die Deutschen legen immer mehr Geld in Aktien und weniger in Sparbücher oder Tagesgeld an. Bei anhaltend niedrigen Zinsen gehen immer mehr Sparer ein höheres Risiko ein, 42 Prozent der Befragten halten Aktien und Wertpapiere für eine sinnvolle Geldanlage. Auch Investment- und Immobilienfonds haben einen guten Ruf, 29 Prozent der Befragten sehen diese als gute Geldanlage.

Der Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands erscheint seit 2001 jährlich zum Weltspartag. In der repräsentativen Umfrage wurden 1000 Menschen telefonisch und 4806 Menschen online befragt.

So ist die Situation in Mitteldeutschland

Thüringen

Wie aus der Umfrage des DSGV hervorgeht, schätzen in Thüringen 38 Prozent der Befragten ihre finanzielle Situation als gut oder sehr gut ein. Das ist zwar doppelt so viel wie der Anteil, der unzufrieden ist (19 Prozent), liegt aber trotzdem unter dem Bundesdurchschnitt (42 Prozent). Auf die Frage, ob sie ihr Sparverhalten an die niedrigen Zinsen anpassen werden, antworten 44 Prozent der Thüringer mit "Ja" – mehr als der Bundesdurchschnitt (40 Prozent). Immer mehr Thüringer sind also nach eigener Aussage bereit, für eine höhere Verzinsung etwas mehr Risiko einzugehen.

In konkreten Plänen mündet sich dieses Vorhaben jedoch nicht. Gegenüber Aktien zum Beispiel bleiben viele Thüringer kritisch. Nur 36 Prozent sehen darin die richtige Geldanlageform. Auch vor Immobilien schrecken sie noch wesentlich häufiger zurück als der Bundesdurchschnitt: Nur 21 der Thüringer planen einen Haus- oder Wohnungskauf (gegenüber bundesweit 30 Prozent). Das Sparbuch sehen mehr als die Hälfte (53 Prozent) als ungeeignete Geldanlage an.

Sachsen

Die Sachsen schätzen ihre finanzielle Situation mit einem Zufriedenheitswert von 39 Prozent ähnlich gut ein wie die Thüringer, sind damit aber ebenfalls unter Bundesdurchschnitt. Auf die Frage, ob sie ihr Sparverhalten an die niedrigen Zinsen anpassen werden, antworten sie jedoch wesentlich zurückhaltender (37 Prozent). Dabei sind sie durchaus vom Erfolg risikobehafteter Geldanlageformen überzeugt: 43 Prozent der Sachsen halten beispielsweise Aktien in der Niedrigzinsphase für geeignet.

In Immobilien wollen jedoch auffällig wenige Sachsen investieren. Nur 20 Prozent sind bereit, dieses Risiko einzugehen – neun Prozent weniger als der Bundesdurchschnitt. Herkömmlichen Anlageformen wie das Sparbuch vertrauen weniger als die Hälfte. Die Sachsen wollen nach eigenen Angaben vor allem für ihre Altersvorsorge sparen (27 Prozent).

Sachsen-Anhalt

Die Menschen in Sachsen-Anhalt beurteilen ihre finanzielle Situation nur minimal schlechter als die in Thüringen und Sachsen: 38 Prozent sind hier zufrieden. Wie die Sachsen sind die Sachsen-Anhalter seltener als der Durchschnitt bereit, ihr Sparverhalten an die niedrigen Zinsen anzupassen (36 Prozent). Aktien sehen sie von allen mitteldeutschen Bundesländern am kritischsten: Nur 31 Prozent würden in diese Geldanlageform investieren.

Dafür planen mit 27 Prozent deutlich mehr Sachsen-Anhalter, sich eine Immobilie zu kaufen. Aber auch konservative Geldanlageformen sind beliebt: 60 Prozent halten trotz Niedrigzinsphase das Sparbuch für geeignet. Kein anderes mitteldeutsches Bundesland kommt auf solche Zustimmungswerte.

MDR AKTUELL RADIO

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2019, 11:00 Uhr

4 Kommentare

Atheist vor 2 Wochen

Bauen ist deshalb so teuer weil alle EU Verordnungen und Bioauflagen das Bauen unmöglich gemacht haben.
55, 65, 45 sind nicht die neuen Modelmaße sondern die EU Verordnung zum Bau geförderter Energiehäuser.
Zusätzlich zu der Erschließung getrennte Abflüss von Brauch und Regenwasser.
Bauantrag gibt es nur wenn min. eine Solaranlage oder ähnliches verbaut wird.
So, und hat man dann sein EU genormtes Ökohaus aus Styropor braucht es eine Teure Lüftungsanlage um Schimmel zu vermeiden.
Und wichtig, sogar die Raumtemperatur schreibt die EU vor.
Wer es Wärmer als 22grad braucht, der muss für sehr viel Geld im eigenen Haus frieren.

kennemich vor 2 Wochen

Zitat von einer anderen Seite hier: Mitteldeutsche Kommunen wollen mit höheren Gebühren Schulden abbauen

Dann hat dies bei der Umfrage bestimmt keine Rolle gespielt.

kennemich vor 2 Wochen

Kein Wunder wenn so etwas herraus kommt, wenn man die Fragen so stellt, dass die Antwort nicht anders zu erwarten ist.