Vanja hält ein Plakat für die Einführung eines dritten Geschlechts.
Seit Anfang 2019 ist "Divers" als dritte Option beim Geschlecht möglich. Bildrechte: dpa

Drittes Geschlecht Erst wenige Menschen als "divers" gemeldet

Seit gut vier Monaten muss man sich nicht mehr allein zwischen männlich und weiblich entscheiden. Seitdem gibt es in Deutschland die dritte Option "divers" beim Geschlecht. Ein großer Erfolg für alle Betroffenen. Viele Umänderungen beim Standesamt gibt es aber offenbar noch nicht. In Sachsen soll es bislang nur zwei Fälle geben.

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Vanja hält ein Plakat für die Einführung eines dritten Geschlechts.
Seit Anfang 2019 ist "Divers" als dritte Option beim Geschlecht möglich. Bildrechte: dpa

Zwei Zeilen, mehr brauche es eigentlich nicht, sagt Tammo Wende vom Leipziger Verein "RosaLinde", der sich gegen sexuelle Diskriminierung einsetzt. Mit einem Attest könnten Menschen beim Standesamt ihren Personenstand, so der Fachterminus, in "divers" ändern lassen.

Da stehe drauf: "Hiermit bescheinige ich Tralala, dass eine Variante der Geschlechtsentwicklung vorliegt. Punkt." Und keine Standesbeamtin dürfe nach einer Erklärung fragen, man müsse sich nicht rechtfertigen, auch die Ärztin müsse das nicht erklären. Und eigentlich sollte das reichen, sagt Wende.

Unterschiede je nach Standesamt

Die Standesämter handhabten das aber noch sehr unterschiedlich, sagt seine Kollegin Manuela Tillmanns. "Es gibt jetzt das Gesetz, aber ich befürchte, dass es einfach noch keine ausreichenden Schulungsmaßnahmen für die Personen, die auf den Behörden dann arbeiten, gegeben hat, dass es keine Sensibilisierung gibt, wie die Lebenswirklichkeiten dieser Menschen sind."

Behörden überfordert

So würden einige zum Beispiel Atteste von Psychologen nicht akzeptieren. Obwohl in Ausnahmefällen sogar eine eidesstattliche Erklärung der Betroffenen ausreiche, sagt Tillmanns.

Sie beschreibt einen aktuellen Fall aus Leipzig: "Eine Person war vor zwei Wochen beim Standesamt und wurde wieder zurückgeschickt, obwohl sie einen Attest von einem Psychologen hatte. Es wurde gesagt, dass das nicht ausreicht. Dann hat sie gefragt: 'Was brauche ich denn?' 'Ein Schreiben von einem Facharzt.' 'Okay, dann gehe ich zu meinem Hausarzt?' 'Naja, ein Urologe wäre uns lieber.' Und das sieht das Gesetz eigentlich nicht vor."

Die Stadt Leipzig teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL dagegen schriftlich mit: Alle gewünschten Eintragungen seien vorgenommen worden. Allerdings habe man festgestellt, dass Ärzte mittlerweile auch Transsexuellen solche Atteste ausstellten. Für die gelte das neue Gesetz aber nicht. Daher werde es perspektivisch wohl Prüffälle geben.

Atteste anzweifeln - nicht erlaubt

Ablehnen könnten Standesbeamte aber nichts, sagt Andreas Heinz, Vorsitzender des sächsischen Fachverbands der Standesbeamten. Und schon gar keine Atteste anzweifeln. Höchstens an ein Gericht zur Klärung verweisen: "Dann lehne ich die weitere Mitwirkung an der Amtshandlung ab, und er hat die Möglichkeit, sich an das zuständige Gericht zu wenden. Dieses muss dann die Standesbeamten anweisen."

Es habe im Frühjahr bereits Schulungen gegeben, sagt Heinz. Aber man befinde sich noch mitten im Prozess. Es gebe bislang einfach zu wenig Fälle, um zu wissen, worauf zu achten ist. Auch die Stadt Leipzig teilt mit, der jeweilige Standesbeamte entscheide eigenständig, Verwaltungsvorschriften gebe es noch nicht.

Gerade diese Unsicherheit halte viele Betroffene aktuell noch vom Behördengang ab, sagt Manuela Tillmanns von "RosaLinde e.V." Sie erwarte aber, dass nach den ersten "Pionieren" künftig mehr Menschen den Mut fassen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. April 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2019, 05:00 Uhr

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34 Kommentare

27.04.2019 17:56 Phrasenhasser 34

Die Rechtfertigung und Befürwortung für Diverse wird von Ihnen mit Eifer betrieben, MDR. Mich erstaunt sowas, denn ich bin gelernter DDR-Bürger - der mit der Mehrheit mit zu laufen hatte. Und genau das erlebe ich seit Jahren wieder. Die gleiche Regel feiert fröhliche Urständ: Anpassung an die Meinung der Medien und Politik. Ansonsten wird man gerügt, öffentlich abgewatscht, oder mit einem Shitstorm bedacht. Wieso betreibt genau diese Gesellschaft so einen Aufwand damit, wenn ansonsten totale Gleichheit angestrebt wird, Einzelfälle mit Sonderrechten auszustatten? Im Klartext, wegen zwei Personen in Sachsen werden Änderungen bei Anschreiben verlangt, Extra-WCs sollen angeschafft werden? Heißt, die verbale und finanzielle Unterstützung für personelle Unterschiede kann gar nicht großzügig genug gestaltet werden. Andersartigkeit wird also nur anerkannt und irgendwie belohnt, wenn die körperlich begründet ist? Es stimmt was nicht mehr in diesem Land...

27.04.2019 11:52 Sachse43 33

Willkommen im Land der Minderheiten, gerne auch im Mikropromillebereich.
Keinen Menschen interessiert "diverses". Was ist eigentlich aus der Homoehe geworden? Jetzt wird wieder eine Sau durchs Dorf getrieben und in China droht ein Sack Reis zu kippen.
Was interessieren denn auch wirkliche Probleme? Manche werden einfach medial "gelückt" oder gänzlich totgeschwiegen. Da unterscheiden sich die Qualitätsmedien kein Stück weit voneinander.

27.04.2019 10:13 der Uwe 32

@ MDR, - Dass wir uns nicht missverstehen; - natürlich respektiere ich jeden Mensch wie er ist, das Kernproblem ist doch, dass bei Menschen die "etwas anders" sind , gleich ein neues Register aufgemacht wird, was gleich neben den biologischen "Grundpfeilern " steht (Mann oder Frau). Alles was in der Natur existiert hat einen biologischen Grund/Sinn, der letztendlich der Arterhaltung Dient. Abweichend davon, gibt es eben Menschen, wo der klare biologische Zusammenschluss der " Bausteine" halt nicht dem " Idealfall" entspricht,- dem Streben der Natur auf " Arterhaltung". Nennen Sie diesen Zustand wie Sie wollen, aber eine "Definition" für ein neues Geschlecht ist das eben nicht.- und ich würde die Diskussion auch knallhart mit jedem Mediziner führen, der bei "Intersexualität" von einem dritten Geschlecht spricht.

26.04.2019 23:49 der Uwe 31

Ihr MDR-Zitat in#29: "es geht im vorliegenden Fall nicht darum, eine Vielzahl weiterer Geschlechter einzuführen,.."-Ende- Doch genau DAS hat man hiermit getan.Man hat fernab der zwei "biolog. Grundmodelle" ein drittes und pauschales "Mischmodell" als "Geschlecht" (ich sage)"erfunden". MDR, Sie reden von "Alternative", -was ist, wenn sich jene, die sich "abseits" von Mann und Frau "sehen", sich auch nicht in den Definitionen des "divers" wiederfinden? Die erste(!) Tür NEBEN einer biolog."Anlehnungsvariante" (und das ist nunmal nur Mann oder Frau,- trotz irgendwelcher teilweisen Abweichungen ) ist "errichtet" worden,und ich verwette einen Hektar Streuselkuchen, dass bald neben "divers" auch "extra" und "spezial" nach einem "Zimmermann" rufen werden. Bleibt zu hoffen,dass da nicht irgend einer eine Tür nach "unten" hinzimmert..

[Hallo der Uwe,
bitte beschäftigen Sie sich mit dem Thema Intersexualität (https://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/intersexualitaet-hintergrund-100.html) bevor Sie von der "Erfindung" eines dritten Geschlechts sprechen. Der Intersexualität liegen medizinische Fakten zugrunde, wobei es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine Variation der Natur handelt, die nicht nur biologische, sondern auch psychische und soziale Dimensionen hat.
Es gibt Menschen, die sind anders als Sie. Das zu akzeptieren, scheint Ihnen nicht leicht zu fallen, aber vielleicht hilft der Hinweis auf Artikel 1 der Menschenrechte: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

26.04.2019 22:33 Paule 30

Manni, riiiichtig!

26.04.2019 21:05 der Uwe 29

Werter MDR! Bezugnehmend Ihrer Antwort zu meinem Beitrag #13 , indem Sie von einer "Abweichung" der Chromosomen-Struktur vom (ich sag mal) "Ideal-Fall" sprechen, um dieses Thema zu begründen/erklären,- wirft sich hierbei schon die nächste Frage auf: Sind Sie tatsächlich der Ansicht, dass ursächlich dieser abweichenden Struktur, gleich ein "neues Geschlecht" vorliegt? Abweichungen im Chromosomensatz (21.Chromosom) liegen beispielsweise auch beim " Down-Syndrom vor. Soll da auch "separiert" werden; weder "Mann" noch "Frau"?? Oder nehmen wir den Mann, bei dem "hormonell" bedingt der Bartwuchs ausbleibt oder umgedreht die Frau mit dem geringen Östrogen- Haushalt ? Sprechen wir dann wirklich eines Tages vom/n 80% Mann/Frau oder gar einem 4/5..- ten Teilgeschlecht? Um Genau DIESEN Versuch der Neu- Kategorisierung geht es!

[Sehr geehrter Nutzer,
es geht im vorliegenden Fall nicht darum, eine Vielzahl weiterer Geschlechter einzuführen, sondern eine Alternative für jene zu bieten, die sich nicht den beiden anderen Geschlechtern zuordnen lassen (wollen). Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

26.04.2019 19:43 Manni 28

Mich wundert die geringe Anzahl überhaupt nicht. Nicht das ich das Thema nicht ernst nehmen würde.
Aber die Art und weise wie das Thema wochenlang in den Medien gehypt wurde steht im krassen Missverhältnis zur Realität.

Aber solange MEINUNGSMACHE durch Medien multiplikativ forciert wird und die wirklich wichtigen Themen nicht angegangen werden, ist hier Hopfen und Malz verloren. In dieser angeblichen Demikrtie gitb es nur noch Phrasen und Niedlichkeiten. Die Politik dreht sich nur noch um sich selbst.

26.04.2019 19:42 Gute Frage! 27

An mdr und andere.
Es gibt nur männlich oder weiblich, alles andere ist nicht "normal" und sollte auch nicht so hingestellt werden. Mag sein, dass es sich um Gendefekte o.ä. handelt. Aber von Grund auf sind Menschen und Tiere männlich oder weiblich.
Die männlichen oder weiblichen "Geschöpfe" bekommen allmählich suggeriert, sie seien "defekt" o.ä. Was sind wir nur für eine Welt geworden, in der alles, was aus der Art schlägt, als "DAS" hingestellt wird. Hierzu gehören auch Schwule oder Lesben. Vieles ist hier hausgemacht. Man probiert etwas aus, findet Gefallen daran und die anderen sind die "Bekloppten". Und immer wird von allen Toleranz erwartet.... Irgendwann ist's gut.

[Sehr geehrter Nutzer,
das stimmt so nicht. Wer suggeriert Männern und Frauen, dass sie nicht normal seien? Dass man Menschen, die anders sind als man selbst, anerkennt und ihnen die gleichen Rechte gibt, die man selber hat, wertet nun einmal niemanden ab. Es wird auch niemand als "DAS" hingestellt, was auch immer "DAS" auch sein soll. Es gibt schlichtweg Betroffenen ein Stück weit Normalität, ohne dass irgendjemand anderem etwas weggenommen wird.
Ihre MDR.de-Redaktion]

26.04.2019 19:16 Morchelchen 26

16 - toller Kommentar! Zu meinem Kommentar möchte ich hinzu fügen, MDR, dass es eben in der Demokratie so ist, dass sich jeder Bürger nicht nur einmal der Meinungshoheit beugen muss. Glauben Sie, dass nur den Diversen Benachteiligungen entstanden? Die man denen nun großzügig ausgeräumt hat. Während der sprichwörtliche Normalbürger auch oft genug an seine Grenzen stößt - ohne jemals erhört zu werden. Also sich der Mehrheit zu beugen hat... Und noch was: Geschätzte 800000 MDR soll es geben. Wenn in ganz Sachsen bislang 2 Diverse registriert wurden? Vielleicht könnten wir nächstes Jahr um die Zeit mal die realen Angaben zu den bis dahin erfassten Diversen sehen. Wäre sehr nett von Ihnen. Und würde uns Mediennutzer davon überzeugen, dass wir Schlichtbürger ernst genommen werden. Denn die breite Masse zählt ja nur was vor den Wahlen in diesem Land.

[Sehr geehrter Nutzer,
die Zahl der bisher Registrierten gibt keinerlei Aufschluss über die Zahl der tatsächlich Betroffenen, schließlich ist noch immer ein Arzt- und ein Standesamt-Besuch notwendig. Des Weiteren geht es letztlich darum, wissenschaftlich längst anerkannte Tatsachen auch in die Gesellschaft zu tragen. Wenn Sie eine gesellschaftliche Ungerechtigkeit erfahren, steht es Ihnen frei, dagegen anzukämpfen und Recht zu erhalten, warum wollen Sie das nicht auch anderen zugestehen? Und Demokratie bedeutet eben nicht nur die Herrschaft der Mehrheit, sondern auch den Schutz von Minderheiten.
Viele Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

26.04.2019 17:23 Gerd Müller 25

Einfach irre, was in der EU und Deutschland abgeht.
Es wird eine Hype für Schwule, Lesben und das 3. Geschlecht (es) gemacht, das man sich nur noch an den Kopf fassen kann.
Haben wir keine anderen Probleme oder will man ablenken.
Der Genderwahn geht einen einfach gewaltig auf den Keks.