Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der Sea-Watch 3, aufgenommen an Bord des Rettungschiffs.
Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der "Sea Watch 3" wurde in Italien festgenommen, weil sie mit 40 Migranten an Bord trotz Verbotes in italienische Gewässer fuhr. Bildrechte: dpa

Kapitänin der "Sea-Watch 3" Wer ist Carola Rackete?

"Sie ist niemand der in Sandalen versucht, den Nanga Parbat zu besteigen." Carola Racketes Vater macht sich keine Sorgen um seine Tochter - beim letzten Telefonat sei sie lustig und guter Dinge gewesen. Wenn er von seiner Tochter erzählt, dann bleibt eines hängen: Die in Italien inhaftierte Kapitänin der "Sea-Watch 3" wusste schon als Teenager, was sie wollte - und setzte durch, was sie sich vorgenommen hatte.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der Sea-Watch 3, aufgenommen an Bord des Rettungschiffs.
Carola Rackete aus Kiel, deutsche Kapitänin der "Sea Watch 3" wurde in Italien festgenommen, weil sie mit 40 Migranten an Bord trotz Verbotes in italienische Gewässer fuhr. Bildrechte: dpa

Nein, sie trägt keinen Künstlernamen. Die Kapitänin der "Sea-Watch 3" heißt wirklich Carola Rackete. "Das ist der Familienname und bis 1632 war der Name schon immer so, aber keiner weiß, wo er herkommt", bestätigt Vater Ekkehardt. 

Carola Rackete ist gemeinsam mit ihrer älteren Schwester in Niedersachsen, im kleinen Ort Hambühren bei Celle aufgewachsen. In ihrer Kindheit ist sie eher unauffällig - weder Klassensprecherin noch Kapitän eines Sportteams. Kurz vor dem Abitur 2007 habe sie sich relativ spontan entschieden, Nautik zu studieren.

Augen lasern und durch

"Um das machen zu können, durfte sie keine Brille tragen", berichtet ihr Vater. "Sie hat dann unmittelbar nach dem Abitur bei McDonalds gearbeitet an der Kasse. Hat sich Geld verdient, um sich die Augen lasern zu lassen. Hat dann diese Augenoperation aus eigener Tasche bezahlt und dann hat sie ein Studium angefangen, Nautik. Das begann damit, dass sie das erste Semester als Praktikantin auf einem Containerschiff gefahren ist."

Nautik-Studium selbst finanziert

Auch ihr Studium habe sie selbst finanziert, erzählt ihr Vater. 2011 schließt sie es mit dem Bachelor in Nautik ab und heuert als nautische Offizierin auf dem Forschungsschiff Polarstern an, das für das Alfred-Wegener-Institut unterwegs ist. Auf See habe sie gelernt, Verantwortung für andere zu übernehmen, sagt ihr Vater. "Sie bekommen einen Studienabschluss, ein Patent und im selben Augenblick sind sie Offizier, stehen irgendwann auf der Brücke und fahren das Schiff, während alle anderen ihren wohlverdienten Schlaf halten."  Entscheidungen zu treffen, Befehle geben, gehöre dazu. "Und da ist sie der Typ für. Sie hat da auch ein gewisses Talent." 

Erst für Greenpeace auf dem Meer, später im Nationalpark

Ein- bis zweimal sei sie auf der Nordsee kleine Schiffe für Greenpeace gefahren. 2016 springt sie das erste Mal ein, als die Hilfsorganisation Sea-Watch dringend einen Kapitän braucht. Doch die Seefahrt ist nicht ihr ein und alles. 2015 beginnt sie in Liverpool Naturpark Management zu studieren, schließt Ende vergangenen Jahres ab.

Sie ist niemand der in Sandalen versucht, den Nanga Parbat zu besteigen.

Ekkehardt Rackete über seine Tochter

Als jetzt die Anfrage für die "Sea-Watch 3" kam, arbeitete sie gerade in einem schottischen Naturpark. Sie habe sich schnell entschieden, sei nur für ein paar Stunden nach Hause gekommen, um ihre Papiere abzuholen, bevor sie sich auf den Weg nach Malta gemacht habe, sagt Ekkehardt Rackete. Ob sie sich darüber im Klaren sei, welches Risiko sie eingehe, habe er sie nicht fragen müssen. "Das wäre Unfug gewesen. Sie hat schließlich zwei Hochschulstudien hinter sich und ist mehr in der Weltgeschichte rumgekommen als die meisten anderen Leute. Von daher weiß sie eigentlich relativ gut, was sie tut. Und sie ist niemand der in Sandalen versucht, den Nanga Parbat zu besteigen."

"Sie ist guter Dinge"

Sorgen mache er sich deshalb um seine Tochter nicht. Am Wochenende habe er mit ihr telefoniert, sagt Ekkehardt Rackete. "Sie ist lustig und guter Dinge, wie immer. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Tagen überhaupt nichts Drastisches passieren wird. Die Mühlen der Justiz werden sich jetzt langsam drehen in Italien. Und dann wird man sehen, inwieweit der politische Druck aus Richtung Asselborn und natürlich unseren Bundespräsidenten etc. etwas bewirkt. Und ich denke mir mal, bevor es überhaupt zum Verfahren kommt, hat Italien eine neue Regierung."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Juli 2019 | 14:36 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2019, 16:04 Uhr