Gegen Resistenzen WHO teilt Antibiotika in drei Klassen ein

Es geht um Bakterien, gegen die kein Mittel mehr hilft. Resistenzen gegen Antibiotika sind ein wachsendes Problem. Ein Grund dafür ist nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass oft die falschen Antibiotika eingesetzt werden. Deshalb hat sie die Mittel jetzt in drei Klassen unterteilt. Kann das helfen?

von Marc Zimmer MDR AKTUELL

Antibiotikaresistenzen drohen hundert Jahre medizinischen Fortschritt zunichte zu machen, warnte die WHO jüngst in Genf. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte teilte auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, in Deutschland ließen sich pro Jahr bis zu 15.000 Todesfälle auf Resistenzen gegenüber Antibiotika zurückführen. Mindestens ein Drittel davon könnte vermieden werden.

Internationale Untersuchungen zeigen nach Angaben des Bundesinstituts, dass in bis zu 50 Prozent der Anwendungen Antibiotika in ungeeigneter Dosierung oder Therapiedauer verordnet werden. Diese unsachgemäße Verordnung und Anwendung der Medikamente sei eine Hauptursache für die Zunahme der Antibiotikaresistenzen.

Neue Einteilung durch die WHO

Die Weltgesundheitsorganisation hat Antibiotika deshalb in drei Kategorien eingeteilt. In der ersten finden sich Mittel, die gezielt gegen bestimmte Infektionen wirken, also keine sogenannten Breitbandantibiotika sind. Letztere finden sich vor allem in der zweiten und dritten Kategorie. Sie sollen nur noch in Ausnahme- oder Notfällen verabreicht werden. Da sie gegen viele Erreger wirken, verursachen sie auch die meisten Resistenzen. Zudem haben sie meist mehr Nebenwirkungen.

Friedrich München, Vize-Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Sachsen, sagte, in vielen Kliniken des Freistaats würden die Vorgaben der WHO bereits umgesetzt. Das bedeute, dass der Antibiotikaverbrauch fortlaufend aufgezeichnet werde und man die Resistenzsituation bewerte.

Man schaut sich an, welche Antibiotika werden für welche Erkrankung verwendet und versucht dann, möglichst zielgerichtet und auch möglichst sparsam zu agieren.

Friedrich München

Ärzte zu großzügig mit Antibiotikagabe

Die Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte zeigen allerdings, dass viele Ärzte sich offenbar nicht an das Prinzip halten. Vor allem unter Kinder- und Hausärzten seien einige sehr großzügig beim Verschreiben von Antibiotika, sagt München. Das habe aber oft auch mit der Erwartungshaltung der Patienten zu tun.

Da wird erwartet, dass man schnell die Beschwerden abschaltet und dann sind eben Ärzte auch versucht, Antibiotika zu verschreiben, selbst wenn es nicht unbedingt medizinisch erforderlich ist.

Friedrich München

Initiative lobt WHO-Vorstoß

Thomas Mayer, Vorstand der „Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte MEZIS“, hält die neue Kategorisierung der Medikamente durch die WHO für eine gute Idee. Ob sie etwas ändern kann, sei eine andere Frage. Wenn gleich ein breites Antibiotikum eingesetzt werde, bestehe die Chance, dass das beim Patienten wirke und der Arzt seine Ruhe habe. Das solle nicht heißen, dass alle Ärzte so denken. Aber es sei grundsätzlich einfacher, ein Antibiotikum einzusetzen, das alles bekämpfen könne, als ein Risiko einzugehen.

Dieses Vorgehen schade zwar dem einzelnen Patienten in der Regel nicht, erklärt Mayer. Es führe aber gesamtgesellschaftlich zu mehr Resistenzen gegenüber Antibiotika.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2019, 05:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

24.06.2019 08:38 Michael Möller 1

interessanter Artikel, nur wird hier genau wie von der WHO vergessen der massive Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung und das ohne zwingenden Grund. haben ja Journalisten genug aufgedeckt und in Dokus nach gewissen. also ich kann mich über meine Ärzte nicht beklagen, bis heute wurde ich immer korrekt behandelt . und ob die Antibiotika der heutigen Generation noch in naher Zukunft wirken liegt doch auch an der Pharmaindustrie. die sich nur noch am Profit ausrichten und nicht mehr an der Hilfe für die Patienten, würde ich behaupten.