Baden in Flüssen Wissenschaftler warnt vor multiresistenten Keimen in Gewässern

Muliresistente Keime sind immun gegen Antibiotika – und kommen zunehmend in Gewässern vor. Doch Wasserproben werden bislang nicht darauf geprüft. Der Gewässerökologe Prof. Thomas Berendonk rät, das zu ändern, und warnt vor der Gefahr für Badende.

von Henry Rieck

Junger Mann springt von einem Steg in einen See.
Für Badende sind multiresistente Keime eine unsichtbare Gefahr. Bildrechte: imago images / Westend61

Das Baden in Gewässern und Flüssen wie der Elbe kann gefährlich werden. Neben Viren oder Fäkalbakterien seien dort multiresistente Keime ein neues Problem, wie Prof. Thomas Berendonk vom Institut für Gewässerökologie der Technischen Universität Dresden dem MDR-Magazin "Umschau" sagte: "Es sind immer mehr multiresistente Keime geworden. Das können wir jetzt auch durch erste Daten belegen". Nach Auskunft des Umweltbundesamtes wurden Gewässer in Deutschland bislang nur stichprobenartig für Forschungszwecke auf multiresistente Erreger untersucht. Eine regelmäßige Überwachung wie für andere Bakterien bei Badegewässern findet nicht statt. Der Gewässerökologe Berendonk empfiehlt daher, alle Gewässer in Deutschland auch auf multiresistente Keime zu untersuchen.

Langfristig gefährlich

Prof. Thomas Berendonk vom Institut für Gewässerökologie der Technischen Universität Dresden
der Dresdner Gewässerökologe Prof. Thomas Berendonk Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus Sicht von Berendonk ist das Tückische an den multiresistenten Keimen, dass sie im Gegensatz etwa zu Viren oder Fäkalbakterien nicht sofort nach dem Baden krank machten, sondern langfristig gefährlich würden. Multiresistente Keime sind Bakterien, die gegen immer mehr Antibiotika widerstandsfähig werden. Dadurch haben Ärzte nur noch eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen. "Im schlimmsten Fall könnte ein Patient beispielsweise ein Bein verlieren oder auch sterben", beschreibt Berendonk die Gefahr.

Aus Landwirtschaft und Kläranlagen

Kläranlage in Zwickau an der Zwickauer Mulde
Bei Starkregen kann Wasser ungereinigt an den Kläranlagen vorbei in die Flüsse gelangen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die multiresistenten Keime in den Flüssen kommen nach Darstellung des Wissenschaftlers aus der Gülle, die Landwirte auf Feldern ausbringen, und aus Kläranlagen. Deren Reinigungseffizienz läge bei 99 Prozent. "Aber das eine Prozent ist immer noch eine gefährliche Menge", sagt Berendonk. Zwar gebe es Technik, die die Reinigungseffizienz steigert, doch die koste Geld, erklärt der Experte. Ein weiteres Problem bei den Kläranlagen seien Starkregen-Ereignisse, wie sie zuletzt auch häufiger in Mitteldeutschland aufgetreten sind. "Kann die Kläranlage das Regenwasser nicht mehr fassen, wird es um sie herum geleitet in Auffangbecken. Wenn die dann voll sind, läuft das ungereinigte Wasser in den Fluss", erklärt der Gewässerökologe.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Umschau | 30. Juli 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2019, 05:00 Uhr