Niederländische Flagge
Das niederländische Rentensystem gilt als eines der besten der Welt. Bildrechte: dpa

Rentensysteme in Europa im Vergleich Das "Cappuccino-System" in den Niederlanden

Die Niederländer haben eines der höchsten Rentenniveaus in Europa. Nach OECD-Angaben sind 100 Prozent des Durchschnittseinkommens zu erreichen. Dafür sorgt ein dreiteiliges Modell mit einer Grundrente als Basis.

Niederländische Flagge
Das niederländische Rentensystem gilt als eines der besten der Welt. Bildrechte: dpa

Die Niederländer nennen ihr Rentensystem ganz gern "Cappuccino-System". Dabei ist die Grundrente quasi der Kaffee, eine betriebliche Vorsorge dann das Sahnehäubchen, und die private Vorsorge sind die Schokostreusel.

Die sogenannte Ersatzrate in den Niederlanden liegt bei über 90 Prozent, schon mit den ersten beiden Säulen. Gemeint ist die Rente im Vergleich zum vormaligen Arbeitseinkommen. Die Netto-Ersatzraten in Deutschland, liegen weit unter 90 Protzent, sie zählen zu den niedrigsten aller OECD-Länder.

Die Grundrente

Ein Mann gibt etwas auf seinem Tablet ein, das neben einem Cappuccino auf einem Tisch in einem Café steht.
Wenn Niederländer ihre Rente berechnen, denken sie an Cappuccino. Dem Beispiel im Bild fehlt lediglich die private Vorsorge, also die Prise an Schokostreuseln. Bildrechte: IMAGO

Anspruch auf Grundrente hat jeder Niederländer im Rentenalter. Dieses wird gerade angehoben, von etwas über 66 Lebensjahren auf 67 Jahre bis 2021, an die Lebenserwartung gekoppelt. Ein vorzeitiger Bezug ist nicht möglich. Und es gibt auch keine Bedürftigkeitsprüfung dabei.

Die volle Leistung erhalten aber nur Niederländer, die 50 Jahre im Land gewohnt haben. Wer dazwischen im Ausland war, dem wird sie um zwei Prozent pro fehlendem Jahr gekürzt.

Allgemein orientiert sich die Höhe der Grundrente am gesetzlichen Mindestlohn. Verheiratete und unverheiratete Paare erhalten je Partner 50 Prozent und Alleinstehende 70 Prozent. Allerdings müssen auf die Grundrente auch Steuern und Beiträge zur Krankenversicherung gezahlt werden.

Finanziert wird die Grundrente aus Abgaben auf alle Einkommen, gedeckelt durch eine Bemessungsgrenze. Hinzu kommt ein Zuschuss aus der Staatskasse. Arbeitgeber zahlen nichts. Die Grundrente trägt also die Allgemeinheit.

Die Betriebsrente

Anders ist das bei der Betriebsrente, der Sahne auf dem Cappuccino. Diese erhalten fast alle vormals abhängig Beschäftigten. Sie ist ebenfalls verpflichtend, geregelt aber überwiegend durch Tarifvereinbarungen. Die Verpflichtung sorgt aber dafür, dass fast alle Arbeitnehmer später in ihren Genuss kommen. Alle anderen waren in Branchen ohne Tarifvertrag oder selbstständig.

Geldscheine und  Münzen, darauf das Wort "Betriebsrente"
Betriebsrenten - in den Niederlanden die zweite tragende Säule des Systems Bildrechte: IMAGO

Betriebs- und Grundrente sollen zusammen dafür sorgen, dass Rentner in den Niederlanden einen bestimmten Prozentsatz ihres letzten Einkommens erhalten oder den durchschnittlichen Lohn des Arbeitslebens. Ziel ist ein Niveau von 70 Prozent nach 40 Jahren Beschäftigung. Erwerbsunterbrechungen führen aber in den Niederlanden dazu, dass das Niveau nicht immer erreicht wird.

Automatische Anpassungen der Betriebsrente gibt es nicht, denn sie ist kein Umlagesystem und es gibt auch keine Zuschüsse vom Staat. Ihre Höhe hängt von der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Pensionsfonds ab.

Es gibt branchen-, berufsspezifische und unternehmenseigene Pensionsfonds. Gespeist werden sie meist zu zwei Dritteln durch die Arbeitgeber und zu einem Drittel durch die Arbeitnehmer, in jeweils aber recht unterschiedliche Höhe.

Die private Vorsorge

Für die Schokostreusel auf der "Cappuccino"-Rente kann jeder Niederländer selbst sorgen. Die private Altersvorsorge wird aber von Arbeitnehmern eher selten genutzt. Sie kommen mit Kaffee und Sahne gut aus. Wichtig ist die private Vorsorge dagegen für Selbstständige, die keine Betriebsrente erhalten.

Fazit: Abhängigkeit von den Finanzmärkten

Das niederländische System gilt als eines der besten der Welt, nicht nur, weil es Renten verspricht, die dem Durchschnittseinkommen entsprechen. Auch muss der Staat nicht so viel Geld hineinstecken. Allerdings hat es einen Haken, weil Betriebsrenten und private Vorsorge abhängig sind von den Finanzmärkten. Die Pensionsfonds können in Krisen durchaus Probleme haben. Und sie tun sich bei niedrigen Zinsen schwer, die garantierten Betriebsrenten zu erwirtschaften.

Experten rechnen deshalb damit, dass die Betriebsrenten in den Niederlanden künftig stärker schwanken oder generell niedriger sein könnten. Stützen könnte das Niveau so nur der Staat - wenn der Arbeitsmarkt brummt und deshalb viele Arbeitnehmer die Abgaben für die Grundrente zahlen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2019 | 08:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2019, 14:59 Uhr