Flagge Österreichs
Rentnern in Österreich geht es recht gut - so lange der Staat liquide ist. Bildrechte: dpa

Rentensysteme in Europa im Vergleich Österreich - ein "Rentnerparadies" bezahlt vom Staat

Den Pensionären, wie die Rentner in Österreich genannt werden, geht es meistens recht gut. Sie gelten weniger von Armut bedroht als deutsche Rentner. Dennoch ist das Rentensystem der Alpenrepublik nicht perfekt.

Flagge Österreichs
Rentnern in Österreich geht es recht gut - so lange der Staat liquide ist. Bildrechte: dpa

In Österreich sind weniger Rentner von Armut bedroht als hierzulande. Nach Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat lag die Armutsgefährdungsquote 2017 dort bei zwölf Prozent, in Deutschland bei fast 17 Prozent. Vielen Linken und Gewerkschaften gilt das österreichische Rentensystem deshalb als Vorbild.

Die Durchschnittsrente in Österreich lag zuletzt über 1.400 Euro und in Deutschland zuletzt nur etwas über 900 Euro. Dabei können unsere Nachbarn nach 45 Jahren Arbeit mit etwa 80 Prozent des vorherigen Durchschnittslohns rechnen. In Deutschland sind es nur etwa 48 Prozent. Und während Österreicher mit 65 Jahren in Rente gehen, sind es in Deutschland bald 67 Jahre.

Höhere Rentenbeiträge

Ein Stethoskop liegt 2005 auf mehreren Geldscheinen.
Die Krankenversicherung kostet in Österreich weniger als in Deutschland, die Sozialbeiträge sind insgesamt niedriger. Bildrechte: dpa

Finanziert werden die Pensionen in Österreich durch Rentenbeiträge und staatliche Zuschüsse. Die Beiträge lagen zuletzt bei 22,8 Prozent des Bruttogehalts. Er ist also höher als in Deutschland mit 18,6 Prozent. Dabei zahlen die Arbeitgeber rund zwei Prozent mehr als Arbeitnehmer. Im Unterschied zu Deutschland zahlen aber alle erwerbstätigen Österreicher in die große Rentenkasse ein, auch Selbstständige und Beamte.

Trotz höherer Rentenbeiträge zahlen Österreicher insgesamt weniger als Deutsche in die Sozialkassen ein, weil die Beiträge zur Krankenversicherung deutlich niedriger sind und es keine Beiträge zur Pflegeversicherung gibt. Das Pflegegeld wird aus Steuermitteln finanziert.

Ausgleich für Geringverdiener

Geringverdiener bekommen in Österreich eine Ausgleichzulage, wenn sie mindestens 15 Jahre Beiträge gezahlt haben, die Pensionsansprüche und weitere Einkommen aber unter einem bestimmten Wert liegen. Das Vermögen der Leute spielt keine Rolle, es wird allerdings die Einkommenssituation geprüft.

Die mit dieser Ausgleichszulage gesicherte Mindestpension lag zuletzt bei 933 Euro für Alleinstehende. Weil die Pensionäre in Österreich aber auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen, wird sie 14 Mal im Jahr ausgezahlt. So kommt auch die Geringverdiener-Rente auf durchschnittliche 1.089 Euro im Monat.

Geringverdiener, die 30 Jahre Rentenbeiträge gezahlt haben, stehen sogar noch besser da. Mit 14 durchschnittlichen Zahlungen von 1.049 Euro im Jahr kommen sie auf eine Monatsrente von 1.223 Euro.

Mindestrente wird erhöht

Während man in Deutschland nur mit Renten unterhalb von 773 Euro einen Antrag auf Grundsicherung stellen kann, soll die Mindestrente in Österreich in der nächsten Legislaturperiode auf 1.200 Euro erhöht werden.

Miniatur Figuren aller Altersgruppen stehen auf Münzstapeln
Das Rentensystem in Österreich baut auf den Staat. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Nach den Grundrentenplänen von SPD-Sozialminister Hubertus Heil in Deutschland, soll die "Respektrente" wohl auf etwas über 900 Euro nach mindestens 35 Beitragsjahren aufgestockt werden – ohne Bedürftigkeitsprüfung, was allerdings in der Großen Koalition noch heftig umstritten war. Ob das deutsche Niveau an das in Österreich herankommen kann, ist offen. Es ist aber auch offen, ob das Niveau in Österreich so gehalten werden kann.

Fazit: Gute Rente - abhängig vom Staat

Die Hauptkritik am österreichischen Rentensystem zielt auf seine geringe Nachhaltigkeit und seine Abhängigkeit von den Staatsfinanzen. Weil betriebliche und private Altersvorsorge kaum ausgebaut sind, muss der Staat jedes Jahr Milliarden zuschießen. Nach Berechnung des österreichischen Rentenexperten Bernd Marin sind das derzeit jedes Jahr rund 15 Milliarden Euro. Und es dürften mehr werden, denn auch Österreich hat ein Generationenproblem: Es zahlen immer weniger Österreicher in die staatliche Rentenkasse ein, aber immer mehr beziehen immer länger ihre vom Staat gut abgesicherte Pension.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2019 | 08:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2019, 14:59 Uhr