Flagge der Schweiz
Die Schweiz - Land mit hohen Löhnen und recht hohen Renten, aber nicht für alle. Bildrechte: dpa

Rentensysteme in Europa im Vergleich Schweiz - "Volksversicherung" mit zwei weiteren Säulen

Das Schweizer Rentensystem kombiniert öffentliche und private Finanzierungsformen. Für die meisten Versicherten in dem Hochlohn-Land bietet es eine gute Absicherung. Problematisch kann es im Alter allerdings für Geringverdiener werden.

Flagge der Schweiz
Die Schweiz - Land mit hohen Löhnen und recht hohen Renten, aber nicht für alle. Bildrechte: dpa

Das Rentensystem der Schweiz hat drei Säulen: eine Basisrente für alle, eine betriebliche Vorsorge und eine geförderte private. Reichen die Rentenbezüge aus diesen drei Säulen nicht aus, um das Existenzminimum zu sichern, gibt es eine Ergänzungsleistung vom Staat - allerdings mit Bedürftigkeitsprüfung. Im Schnitt liegen die Renten aus den ersten beiden Säulen deutlich über 2.000 Euro.

Die erste Säule

Die Basisrente besteht aus einer Alters-, einer Hinterbliebenenrente und einer Invalidensicherung. Sie wird zunächst wie im deutschen Umlageverfahren finanziert. Es sind jedoch alle Bürger versichert, die in der Schweiz leben oder arbeiten, weshalb hier auch die Rede von einer "Volksversicherung" ist.

Symbolbild: Frau mit Einkaufswagen auf einer Schweizer Franken-Note
Die Schweiz ist nicht in der EU. Ihre Währung ist der Schweizer Franken, ihr Rentensystem ist ähnlich stabil. Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Art der Arbeit spielt keine Rolle und es sind auch nicht-erwerbstätige Schweizer versichert. Für Ehepartner etwa gilt der Beitrag als bezahlt, wenn Ehepartner ihrem Einkommen den doppelten Mindestbeitrag zahlen. Beiträge werden auf das gesamte Einkommen erhoben, ohne Obergrenze. Gibt es kein Erwerbseinkommen, werden die Beiträge bis zu einem Höchstbeitrag auch auf Vermögen erhoben. Bei abhängig Beschäftigten teilen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich die Beiträge von zuletzt 8,4 Prozent zu gleichen Teilen. Weitere 20 Prozent der Finanzierung trägt der Staat.

Die Invalidenversicherung wird ähnlich finanziert, mit Beiträgen von zuletzt 1,4 Prozent. Hier jedoch zahlt der Staat rund 50 Prozent dazu. Insgesamt ergibt sich damit ein Beitragssatz für die Basisrente von insgesamt 9,8 Prozent der Arbeitseinkommen.

Altersrente bekommen Männer ab 65 und Frauen ab 64 Jahren. Sie kann mit Abschlägen von 6,8 Prozent jährlich auch schon zwei Jahre eher bezogen werden. Ihre Höhe hängt von Beitragsjahren und durchschnittlichen Einkommen ab. Die volle Rente erhält, wer ab dem 20. Altersjahr jedes Jahr eingezahlt hat. Fehlende Beitragsjahre kürzen die Rente um mindestens 2,3 Prozent.

Die Höhe der Renten sind nach unten und oben allerdings begrenzt: Die höchsten dürfen maximal das Doppelte der niedrigsten ausmachen. Im Jahr 2016 etwa stand eine Mindestrente von umgerechnet 1.073 Euro einer Höchsten von 2.145 Euro gegenüber. Ehepaare bekommen maximal 150 Prozent des höchsten Betrags. Da der Abstand eher gering ist und es keine Beitragsbemessungsgrenze gibt, ist das Verhältnis zwischen dieser Rente und dem vormaligen Einkommen schwach. Der Sicherung des Status dient die betriebliche Vorsorge. Anpassungen gibt es zumeist alle zwei Jahre, orientiert an Lohn- und Preisentwicklungen.

Die zweite Säule

Als zweite Säule dient die berufliche Vorsorge. Sie ist verpflichtend und soll mit der ersten Säule den gewohnten Lebensstandards absichern – mit einem Niveau von mindestens 60 Prozent des vormaligen durchschnittlichen Einkommens.

Sie wird allerdings durch private Pensionsfonds und Versicherungen finanziert. Größere Firmen und die öffentlichen Arbeitgeber haben oft eigene Kassen, in die alle Arbeitnehmer mit einem Einkommen ab etwa 20.000 Euro jährlich bis zu einer Obergrenze von weniger als 80.000 Euro einzahlen müssen.

Senioren steigen in einen Bus für eine sog. Kaffeefahrt
Schweizer Rentner bei einer Kaffeefahrt Bildrechte: IMAGO

Arbeitnehmer, deren Einkommen diese untere Grenze unterschreitet, die lediglich kurz oder befristet beschäftigt sind, unterliegen nicht der verpflichtenden beruflichen Vorsorge. Dies betrifft etwa ein Fünftel der Beschäftigten, vor allem Frauen in Teilzeit.

Auch in der betrieblichen Vorsorge gibt es Mindestleistungen für Alter, Tod und Invalidität. Diese Altersvorsorge ist aber ein individuelles Sparen, dessen Ergebnis frühestens ab dem 58. Lebensjahr ausgezahlt werden kann, die Höhe der Rente hängt vom angesparten Guthaben ab.

Finanziert wird die Betriebsrente durch Beiträge der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer aus ihrem Gehalt. Dabei müssen die der Arbeitgeber mindestens so hoch sein wie die Beiträge aller ihrer Arbeitnehmer. Die Beitragssätze liegen je nach Fonds zwischen zwölf und 18 Prozent insgesamt.

Die dritte Säule

Zur Sicherung weiter gehender Bedürfnisse dient eine individuelle private Vorsorge, die allerdings steuerlich gefördert wird. Hier kann zwischen diversen Kapitalanlage- und Versicherungsformen im Land der Banken gewählt werden, die nach gesetzlichen Vorgaben unterschiedlich förderfähig sind.

Fazit: Komfortables austariertes System

Das Schweizer Rentensystem darf als komfortabel gelten, für die Rentner wie für den Staat, da es von einer ausgewogenen Mischung verschiedener Finanzierungsformen öffentlicher und privater Art getragen wird. Den meisten Rentnern im Hochlohn-Land Schweiz bietet es eine gute Absicherung.

Problematisch kann es aber für Geringverdiener werden, zu denen viele in Teilzeit arbeitende Frauen gehören. Denn in die Beterachtung einbezogen werden müssen die in der Schweiz recht hohen Krankenversicherungsbeiträge, die nach einkommensunabhängigen Kopfpauschalen erhoben werden. Dazu kommt, dass es keine gesetzliche Pflegeversicherung gibt und Pflege im Alter sehr teuer werden kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. März 2019 | 08:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2019, 14:59 Uhr